Das Problem des Sozialversicherungssystems
US-Redaktion ("Investoren Wissen") in Investoren Wissen
vom 27. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
heute habe ich den ersten Teil eines längeren Gastartikels meiner US-Kollegen Bill Bonner und Addison Wiggin. Thema ist das Problem "Sozialversicherungssystem".
Viel Spaß beim Lesen und
beste Grüße
P.S.:
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Sozialismus und Freiheit schließen einander definitionsgemäß aus.
Friedrich August von Hayek
Das Problem des Sozialversicherungssystems: Amerika sieht sich einer immer weiter ausdehnenden und lähmenden Schuldenblase gegenüber
Liebe Leser,
die erste öffentliche Altersvorsorge wurde 1880 in Deutschland von Otto von Bismarck geschaffen.
Fünfzig Jahre später, während der Weltwirtschaftskrise, folgte Franklin Roosevelt in den Vereinigten Staaten dem Beispiel Bismarcks.
Damals wurde die Anzahl an Ruheständlern noch nicht als eine Bedrohung hinsichtlich der zukünftigen Finanzierbarkeit betrachtet. Zum Beispiel lag die Lebenserwartung der amerikanischen Männer 1935 bei 76,9 Jahren. Die Arbeiter erhielten monatlich sehr wenig Geld und man erwartete nicht, dass diese lange genug lebten, um das System finanziell trockenzulegen.
Als das Sozialversicherungssystem gegründet wurde, hatte ein durchschnittlicher, 65-jähriger US-Rentner noch eine verbleibende Lebenserwartung von 11,9 Jahren. Aber die Zeiten haben sich geändert und wir sehen uns einer Krise gegenüber...
Eine durch die Demographie verursachte Schuldenkrise
Wenn die heutigen offiziellen Vorhersagen richtig sind, dann hat im Jahr 2040 ein durchschnittlicher, 65-jähriger US-Rentner eine verbleibende Lebenserwartung von 19,2 Jahren. Wenn das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 1935 an eine Art "Langlebigkeitsindex" gekoppelt gewesen wäre, dann müssten die heutigen Arbeiter bis zum Alter von 73 Jahren warten, um die vollen Sozialversicherungsleistungen zu erhalten. Und die zukünftigen Arbeiter müssten sogar noch länger warten.
In einem Report namens „Demographics and Capital Markets Returns" [etwa: Demographie und Kapitalmarkterträge, Anm. d. Ü.] argumentieren Robert Arnott und Ann Casscells, dass die Krise nicht im Sozialversicherungssystem, sondern in der Demographie liege:
„Wenn eine Gesellschaft als Ganzes altert... ist es das Verhältnis zwischen Arbeitern und Rentner, worauf es am meisten ankommt. Unglücklicherweise wird das Altern der Baby-Boomer Generation, welche einen besonders großen Anteil der Bevölkerung ausmacht, zu einem dramatischen Anstieg der Rentner in diesem Verhältnis führen - ein Anstieg, welcher zu einer enormen Belastung für die Gesellschaft werden und der zu Reibungen zwischen den Generationen führen wird."
In den Vereinigten Staaten (wie auch in anderen entwickelten Ländern) belaufen sich die unterfinanzierten Belastungen der Versorgungsleistungen für die öffentlichen Pensionen auf Summen zwischen 100% bis 250% des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts. Damit sind diese Belastungen eigentlich „versteckte Schulden", und sie sind viel größer als die offiziellen, öffentlichen Schulden.
Und im Gegensatz zum privaten Sektor sind diese Schulden nicht durch Ausgaben über die nächsten 30 bis 40 Jahre zu tilgen. Unter normalen Umständen schieben Volkswirtschaften nicht solch erdrückende Defizite vor sich her. Sie tun dies nur im "Krisenbetriebsmodus".
2008 machten die jährlichen Kosten des Sozialversicherungssystems 4,4% des Bruttoinlandsprodukts aus. Aber im Jahr 2034 wird diese Zahl auf 6,2% des BIP prognostiziert. Wir werden kein Abflachen der Kurve bis ins Jahr 2050 sehen. Ab diesem Jahr wird vorhergesagt, dass die Kosten auf 5,8% des BIP fallen und auf diesem Level verharren werden.
Aber Schulden sind nicht das einzige Problem...
Gesundheitswesen: Der 800-Pfund Gorilla
Zusätzlich zu den vorhanden Zweifeln und Unsicherheiten der in Rente kommenden Baby Boomer wird erwartet, dass über die nächsten 40 Jahre die US-Gesundheitskosten auf 7% des BIPs steigen werden - mehr als doppelt so schnell wie in anderen entwickelten Ländern.
Dies wird noch dadurch verschlimmert, dass sich die Anzahl der „alten Alten" (80 Jahre plus) bis ins Jahr 2050 stark erhöhen wird. Das wird die Langzeitbetreungsskosten sowie die Ausgaben für Behinderungen stark ansteigen lassen.
Tatsächlich sagen die offiziellen Vorhersagen, dass im Jahr 2030 die US Regierung mehr für Pflegeheime als heute für das gesamte Sozialversicherungssystem ausgeben wird.
Und wie Victor Fuchs, ein Volkswirt und Experte für die Gesundheitsbranche, sagt: „Obwohl sich die Leute gerechtfertigter Weise Sorgen um das Sozialversicherungssystem machen, sind die Gesundheitskosten für die Alten der wahre 800-Pfund Gorilla, welchem sich die US-Wirtschaft gegenübersieht."
Wenn Sie zusätzlich die Ausgaben für die staatliche Krankenversicherung und den Gesundheitsdienst für Bedürftige zu den Sozialversicherungskosten mitrechnen, könnten sich die Gesamtkosten auf mehr als 50% der Lohnnebenkosten erhöhen.
Die Fortsetzung dieses Artikels folgt am Donnerstag bei Investoren Wissen
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ludwig Richter (28.10. 2009 14:59 Uhr):
Das Problem des Sozialversicherungssystems Hallo. Können Sie diesen Artikel auf deutsche Verhältnisse umschreiben b.z.w. mit Daten für Deutschland versehen? Ich habe gelesen, dass Amerika wegen der höheren Geburtenrate schneller aus der Krise kommt als wir! Beste Grüße Ludwig Richter
Antworten- Antwort von richter haraldo von guttenberg zu guttenberg (12.05. 2010 12:55 Uhr):
NEIN
- Antwort von richter haraldo von guttenberg zu guttenberg (12.05. 2010 12:55 Uhr):