Das Platzen der Kreditblase, Teil 3
Tom Firley in Investors Daily
vom 7. Juli 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
Das Platzen der Kreditblase, Teil 2
von Stefan Riße
Hausbau ohne Risiken"
Da sich Immobilien einer wachsenden Nachfrage erfreuten, kümmerte sich niemand darum (Anmerkung: es geht um das Thema Subprime Lending, also die Kreditvergabe an Menschen ohne eigenes Kapital). Die Häuserpreise zogen an, sie stiegen ohne Unterlass. Toll!", dachten viele. Ein Hausbau ganz ohne Risiken." Zur Freude der frischgebackenen Hausherren waren die monatlichen Zins- und Tilgungsraten am Anfang sehr moderat. Ein amerikanischer Hauskäufer musste sich insgeheim denken: Notfalls kann ich das Haus jederzeit wieder verkaufen. Ich gehe damit ja kein Risiko ein. Mit dem Erlös kann ich den Kredit mitsamt Zinsen voll und ganz zurückzahlen. Mit etwas Glück springt sogar noch ein Gewinn für mich dabei heraus." Auch die Banken dachten so. Dabei hätten wenigstens sie ahnen können, dass die Sache einen Haken hatte.
Katastrophe auf Provisionsbasis
Ahnungslos waren dagegen die Kreditnehmer. Ihnen war nicht klar, dass die monatlichen Kreditraten nicht zwangsläufig auf dem ursprünglichen niedrigen Niveau bleiben würden. Dazu muss man wissen: Eine zehnjährige Zinsbindungsfrist für Immobilienkredite gibt es in den USA - anders als in Deutschland - nicht. Wie die Monatsraten aussehen würden, wenn die Notenbank den Leitzins erhöhen würde, konnte ein Hauskäufer also nicht wissen. Es machte sich kein Kreditverkäufer die Mühe, einen interessierten Immobilienkäufer über dieses Risiko aufzuklären. Warum sollte er auch? Das Ganze funktionierte auf Provisionsbasis: Je mehr Darlehensverträge ein Kreditvermittler für seine Bank abschloss, desto besser verdiente er selbst. So einfach war das.
Trotzdem würde sich unter normalen Umständen keine Bank auf ein so windiges Unterfangen einlassen. Dass sie es trotzdem taten, hatte einen ganz einfachen Grund: Sie konnten das Kreditrisiko auf andere abwälzen, indem sie ihre Forderungen verbrieften. Damit umgingen sie elegant die Eigenkapitalforderungen, die seit Basel II an ein Kreditinstitut gestellt werden. Normalerweise gilt: Wer als Bank Kredite vergibt, muss mindestens 8 Prozent an Eigenmitteln mitbringen. Wird dieser Eigenkapitalanteil unterschritten, ist auch eine weitere Kreditvergabe nicht erlaubt. Diese Vorschriften konnte man vermeiden, indem man Kredite verbriefte und das Risiko an Investoren weitergab.
US-Banken, die Immobiliendarlehen auch an wenig zahlungsfähige Schuldner vergaben, agierten anders als eine normale kreditgebende Bank, wie sie etwa einem Häuslebauer in Deutschland begegnet. Normalerweise geht jede kreditgebende Bank mit der vollen Darlehenssumme ins Risiko. Kann ein Kreditnehmer sein Darlehen nicht mit Zinsen und Tilgung zurückzahlen, dann macht die Bank Verluste. Aus diesem Grund hat eine Bank in der Regel keinerlei Interesse daran, Kredite an potenziell zahlungsunfähige Kunden zu vergeben. Sie wird also im Vorfeld Sicherheiten verlangen und einen Kreditantrag ablehnen, wenn der Antragsteller sie nicht bieten kann...
Gier frisst Verstand
Dieses Prinzip wird jedoch ausgehebelt, wenn der Kreditgeber das Kreditrisiko gleich weiterverkauft. Doch wer ist so blöd und kauft solche Kredite? Banken überall auf dem Globus und allen voran deutsche Landesbanken, wie wir heute wissen. Doch warum? Ganz einfach: Die Gier war grenzenlos und fraß wie so oft den Verstand, denn mit diesen Geschäften ergaben sich Renditemöglichkeiten, die weit über dem des üblichen Bankgeschäfts lagen. Außerdem dem vergaben die Kreditratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch für die verbrieften Kredite, die am Ende aus Tausenden von einzelnen Immobilienkrediten minderer Qualität bestanden, Topkreditratings, teilweise sogar die sogenannte Bestnote »Triple A« (AAA)...
Auszug aus "Die Inflation kommt!" - Die besten Strategien sich davor zu schützen
Was tun, wenn das Geld plötzlich nichts mehr wert ist?
Über das Buch Die Inflation kommt" von Stefan Riße
Es hat den Anschein, dass das Tief der Krise inzwischen hinter uns liegt. Doch dieser Eindruck könnte täuschen. Wenn man die Rettungsmaßnahmen der Regierung einmal genau unter die Lupe nimmt, wird man merken: Das schlimmste könnte uns noch bevorstehen.
Stefan Riße beschreibt, welche Faktoren zu unserer derzeitigen Krise geführt haben und kommt zu dem Schluss, dass zwar die schlimmsten Folgen der Krise abgewendet wurden, aber die grundlegende Ursache weiter bestehen bleibt. Es reicht eben nicht, die Symptome eines Übels zu bekämpfen, sondern man muss es an der Wurzel packen. Diese Wurzel sieht Riße in der Überschuldung, nicht nur von Staaten sondern auch von privaten Haushalten. Das Paradox dabei: Um die Folgen der geplatzten Kredit und Immobilienblase aufzufangen, machen die Staaten immer mehr Schulden. Aber wie sollen diese wieder abgetragen werden? Zwei Wege stehen zur Auswahl: eine Pleitewelle, in deren Zuge die Kredite abgeschrieben werden könnten oder aber die Inflation, bei der die Schulden zwar erhalten bleiben, aber der Wert um ein vielfaches sinkt. Politik und Notenbanken lassen kaum Zweifel daran, welchen Weg sie gehen wollen.
Riße prophezeit nicht etwa eine neue Hyperinflation, seine Prognose ist eine mäßige, aber doch deutlich spürbare Inflation. Aber er zeigt auch Wege, wie man sein Erspartes schützen kann, um der Inflation zu entgehen.
Der Autor Stefan Riße
Stefan Riße, Jahrgang 1968, ist seit über zehn Jahren als Finanzjournalist tätig. Dabei arbeitete er für Magazine wie Focus, Forbes, Wirtschaftswoche und war ständiger Kolumnist des Anlegermagazins »Die Telebörse«. Bekannt ist Stefan Riße aber vor allem durch seine täglichen Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett für »n-tv«. Als Freund des Börsenaltmeisters André Kostolany verfasste er zusammen mit ihm Bücher und ist schon selbst als erfolgreicher Autor in Erscheinung getreten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Walter (12.07. 2010 17:42 Uhr):
In USA gibt es bei Hauskäufen für Hypotheken feste Zinssätze für 30 Jahre. Mein Sohn hatte beim 1.Haus, Kauf v. 6 Jahren einen festen Zinssatz für 30 Jahre. Im Juli 2010 erhielt er wieder einen festen Zins für 30 Jahre, habe den Vertrag heute Morgen selbst gesehen. Gruß Helmut Walter Portland OR, 11.7.2010
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