Das Öl gibt wieder Gas
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. Juli 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Zwei konjunkturrelevante Daten standen gestern an, die eigentlich in die 2. Reihe des Interesses gehören, aktuell aber höchst gespannt verfolgt werden. Dabei ist es nicht der Aktien- oder Anleihemarkt, der hier unmittelbar betroffen ist, sondern der Dollar und das Rohöl. Jedoch – das ist klar – mittelbar sind die Reaktionen dieser Daten auch für die Aktienmärkte bedeutsam.
Zunächst wurde gestern um 14:30 Uhr das US-Handelsbilanzdefizit für Mai veröffentlicht. Das Minus im Außenhandel der Importnation USA lag bei 63,8 Milliarden Dollar nach 63,3 Milliarden im April. Das war letztlich keine nennenswerte Veränderung, aber leicht unter den Erwartungen, die zwischen 64 und 65 Milliarden gelegen hatten.
Dies reichte, um der Euro/Dollar-Relation am Devisenmarkt „einen mitzugeben“, sprich den Dollar zu stärken. Natürlich ist ein derart marginales Unterschreiten der Erwartungen hinsichtlich des Handelsbilanzdefizits nicht wirklich bedeutsam. Aber nachdem der Euro zuletzt im Bereich um 1,2850 stecken geblieben war, bestand die Chance auf kurzfristige Baissetrades – und wurde genutzt. Wie Sie im Chart aber erkennen können, ist eine Trendentscheidung bei Euro/Dollar nach wie vor offen.
Verzeihen Sie dabei bitte das Gewirr der Trendlinien, aber Devisentrader sind nicht ganz so brav trendkonform, da hier die Musik vor allem in den ganz kurzfristigen Trends innerhalb des Tages spielt, die sich in solchen Tagescharts nicht abbilden lassen. Fakt bleibt: So lange der Euro-Dollar-Kurs die Zone 1,25 zu 1,29 nicht nachhaltig verlässt, ist von dieser Seite her kein nennenswerter Impuls für die Aktienmärkte zu erwarten.
Um 16:30 Uhr kamen dann die wöchentlichen Lagerbestände für Rohöl auf den Tisch. Während die Bestände für Heizöl deutlicher gestiegen sind (was aber im Juli niemanden wirklich schert) fielen die Benzinvorräte um 0,4 Millionen Barrel leicht, die Rohölbestände aber mit einem Minus von satten 6 Millionen Barrel ganz markant. Erwartet wurde hier nur ein Minus von 1,3 Millionen. Der Rückgang der Vorräte geht damit schon seit einigen Wochen schneller vonstatten als erwartet und stützt so natürlich den Rohöl-Preis.
Nachdem sich der Kurs des WTI (Western Texas Intermediate) zum Vorwochenschluss an die im April erreichten Rekordhochs von 75 Dollar herangeschoben hatte, kam der Preis zu Wochenbeginn nur leicht zurück – mehr als ein paar Gewinnmitnahmen waren das nicht. Mit den heutigen Daten, die auf eine weitere Verknappung hindeuten, ist die „Startlinie“ zu einem Anlauf an neue Rekordpreise in Richtung 80 US-Dollar pro Barrel wieder erreicht worden. Dieses Damoklesschwert über dem Aktienmarkt kann jetzt jederzeit niedersausen!

