Das neue Jahr beginnt optimistisch
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 03. Januar 2005 18:00 Uhr
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Das neue Jahr beginnt, wie so oft, optimistisch. Der Dax erreichte ein neues Mehrjahreshoch bei 4310 Punkten im Hoch. Die ersten Investoren positionieren sich offenbar auf das neue Jahr. Wie erwartet, ist der Euro ein wenig unter Druck gekommen und bildet erste deutlichere Umkehrsignale aus. Ansonsten reagieren die Börse immer noch nicht auf die Flutkatastrophe in Südasien, obwohl diese sich mittlerweile zu einer der größten Naturkatastrophen der Menschheit entwickelt hat. Zahlen, die an die 165.000 Opfer reichen, werden gemeldet. Mittlerweile wird auch von bis zu 3000 deutschen Opfern geredet.
Angesichts solcher Nachrichten und der vielen unvorstellbaren Bilder, die über den Jahreswechsel gezeigt wurden, fällt es etwas schwer zum "Tagesgeschäft" zurückzukehren. Erfreulich ist die unglaubliche Spendenbereitschaft hier in Deutschland und in großen Teilen der Welt. Ich habe auch gehört, dass die Silvesterböllerei in diesem Jahr deutlich unter der Aktivität des Vorjahres geblieben ist. Offenbar haben sich doch viele Menschen entschieden, das Geld sinnvoller zu verwenden.
In diesem Zusammenhang habe ich einen Hinweis für Sie, der vielleicht auf den ersten Blick etwas seltsam erscheint, jedoch nur auf den ersten Blick. Falls Sie jetzt den Hilfsorganisationen Geld spenden, überlegen Sie sich, ob Sie nicht auf das Spendenstichwort verzichten wollen. Wenn Sie "Südasien" oder "Erdbeben" in den Verwendungszweck schreiben, sind die Spendenorganisationen verpflichtet, das Geld ausschließlich in dieser Region einzusetzen. Überlassen Sie es den Hilfsorganisationen selbst, wie und wo Sie das Geld einsetzten.
Das hat folgenden Grund: Es ist wenig sinnvoll, wenn nun aufgrund der Focussierung auf Südasien empfindlich weniger für andere Gebiete wie z.B. Dafur, Tschad und im Sudan gespendet wird. Diese Gebiete werden soweiso schon von den Medien wenig bis gar nicht beachtet, obwohl Hilfe hier ebenso notwendig ist: Kinder verhungern, Menschen sterben, Seuchen drohen.
In der Weihnachtszeit und über den Jahreswechsel kommt es generell zu einem vermehrten Spendenaufkommen. In diesem Jahr haben sich die Spender aufgrund der Flutkatastrophe sehr einseitig auf Südasien konzentriert. Ich habe eben noch mit dem Pressebüro von "Deutschland hilft" telefoniert, denn ich wollte genauere Zahlen erfragen, ob und in welchem Maße die Spenden für andere betroffene Gebiete zurückgegangen sind. Dort wurde mir gesagt, dass der Organisation zurzeit noch keine aktuellen Zahlen vorliegen, aber befürchtet wird, dass es zu einem deutlichen Rückgang gekommen sei.
Wenn Sie den Hilfsorganisationen Geld ohne Spendenstichwort spenden, können diese selber entscheiden, wie viel Geld davon nach Südasien fließt. Vertrauen sie den Hilfsorganisationen, dass Sie das Geld dort einsetzten, wo es am dringendsten notwendig ist. Spenden Sie in die Aktie Menschlichkeit ohne das "Gesamtbild" aus den Augen zu verlieren.
Doch nun aber noch kurz zum Tagesgeschäft der Börse:
Während sich der Dax überaus optimistisch zeigte, kamen die amerikanischen Indizes nach anfänglichen Gewinnen durch schlechte Konjunkturdaten deutlich unter Druck (zu den genauen US-Konjunkturdaten mehr im nächsten Beitrag.) Damit scheint auch der erste Eindruck vom neuen Börsenjahr uneinheitlich zu werden. Wie schon mehrfach erwähnt, die ersten Tage werden viel über den Fortgang der nächsten Wochen verraten, warten wir demnach einmal ab, wie sich die Börsen in den USA weiterentwickeln.