Das Metier der Verdammten
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 13. August 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Der Job des Finanzbeobachters ist ein Metier der Verdammten.
Der Größten unter den Wirtschaftsbeobachtern waren – zumindest des Ansehens nach – die schlechtesten. Fred Sheehan erinnert sich daran, dass Alan Greenspan nach seiner Nominierung zum Vorstand der Zentralbank vom Kongress befragt wurde. Senator William Proxmire hatte sich darauf vorbereitet. Der Senator hatte seine Hausaufgaben gemacht. Er verwies auf Greenspans miserablen „Leistungen im Bereich der Vorhersagen“, als er noch der Vorsitzende des Gremiums der Wirtschaftsberater war. Greenspan hatte beispielsweise einen Anstieg der Verbraucherpreisinflation um 4,5% für das Jahr 1978 vorhergesagt. Stattdessen ist sie um über 9% gestiegen. Er hat weiter am Ziel vorbeigeschossen als irgendein Vorsitzender dieses Ausschusses vor ihm, oder nach ihm ... „Sie haben alle Rekorde gebrochen“, sagte Proxmire.
Proxmire gab dem Mann keine Chance. Er verwies auf eine Ausgabe des Forbes Magazins, in welcher Greenspans Bemühungen im Bereich der Vorhersage beschrieben wurden, als er noch in der Privatwirtschaft gearbeitet hat. „Greenspan und O’Neill haben die am wenigsten beeindruckenden Leistungen aller Rentenfondsberater erzielt.“
“Ich hoffe ... dass das alles besser wird, wenn Sie erst einmal ihren Posten bei der Zentralbank übernommen haben. Sie können ja nicht immer falsch liegen”, sagte Proxmire voraus.
In der vergangenen Woche jährte sich der Jahrestag dieser Anhörung zum 20. Mal. Und jetzt erkennt man, dass dieser Senator falsch gelegen hat – Alan Greenspan war noch schlechter als erwartet. Zum einen hat er fälschlicherweise die Zinssätze Anfang der neunziger Jahre nach oben gesetzt – und damit vermutlich eine Rezession ausgelöst und mit Sicherheit George Bush Sr. seinen Versuch zur Wiederwahl gekostet. Und dann schuf er in den frühen Jahren dieses Jahrzehnts fast im Alleingang die weltweite Kreditblase, die wir heute alle mit Angst und Schrecken beobachten, indem er die Zinssätze deutlich zu lange gehalten hat.
Es ist eine Blase, die viele Menschen reich gemacht hat … und andere gedemütigt. Und was noch wichtiger ist, sie hat die gesamte Weltwirtschaft zu einer grotesken und unnatürlichen Form aufgepumpt. Asiatische Ökonomien sind mit halsbrecherischer Geschwindigkeit gewachsen, hauptsächlich dank der lockeren Kreditbedingungen Greenspans. Und im Westen wurde eine gesamte Generation der Hausbesitzer – ganz besonders in Amerika und Großbritannien – in die Verschuldung gelockt. Auf beiden Seiten des Atlantik, steigt die Zahl der Kreditkündigungen und Zwangsvollstreckungen. Und überall auf der Welt, fangen die Preise der Anlagewerte an zu wackeln. Und während die Preis kippeln, machen die hohen Priester, die Bischöfe und die schillernden Götter der Finanzwelt ihre Vorhersagen.
Mr. Greenspan hat nie einen Hinweis darauf verlauten lassen, dass er sah, was bevorstand. Selbst heute scheint er nicht zu erkennen, um was es sich dabei handelt. Aber damit steht er ganz gewiss nicht alleine da. Mit ausreichend Übung und Motivation kann ein echter Profi lernen, das Offensichtliche zu übersehen.
Ich habe früher in dieser Woche schon Mr. John Devaney erwähnt. Dieser arme Mann hat seine 50-Meter-Jacht und auch sein Haus in Aspen zum Verkauf angeboten. Die Yacht muss ein Posten sein, den Mr. Devaney ganz besonders dringend loswerden will, der Name – Positive Carry – muss ihm heute wie ein Fluch vorkommen. Das Boot ist ausgerechnet aus dem Grunde heute auf dem Markt, dass sein Carry negativ ausfiel ... genauso wie sein Hedgefonds, United Capital Markets, Verluste zu verzeichnen hatte.
Die geschätzten Leser werden sich erinnern, dass es eben dieser Mr. Devaney war, der Leute, die minderwertige Kredite aufnahmen, als „Riesenidioten“ bezeichnet hat, weil sie niemals in der Lage sein würden, die Zahlungen zu leisten, wenn die Hypotheken erst einmal neu eingestuft würden. Und doch hat er gleichzeitig CDOs im Wert von Millionen von Dollar gekauft, deren Werte aus den Hypothekenkrediten der Riesenidioten stammten.
Mr. Devaney unterstreicht das Problem bei dem Versuch herauszufinden, wann diese große Sause zuende gehen wird. Eine Blasenparty basiert immer auf der „Theorie des noch größeren Idioten“. Man kauft einen Anlagewert und man ist sich sicher, dass ein noch größerer Idiot des Weges kommen wird und ihn für einen höheren Preis kaufen wird. Die Party endet erst dann, wenn der größte Idiot endlich dort angekommen ist. Doch scheint es solche ohne Ende zu geben. Es tauchen immer noch neue auf.
Natürlich sucht derjenige, der eine schrottreife Baracke in einem schlechten Stadtteil mit einem Kredit zu schlechten Bedingungen und mit variablen Zinssätzen kauft, nach Schwierigkeiten. Aber auch derjenige, der den gesamten Bestand dieser abgepackten Hypotheken kauft. Wenn Sie für den Kreditnehmer nicht gut sind, dann werden sie früher oder später auch für den Kreditgeber nicht gut sein. Der herkömmliche Hedgefondsmanager leistet seine Käufe auch mit Fremdverschuldungen – genauso wie derjenige, der eine Hypothek aufnimmt. Er mag sich Yen oder Schweizer Franken zu geringen Zinssätzen leihen und dieses Geld verwenden, um ertragreiche, auf Schulden basierende Wertpapiere davon zu kaufen. Er wird solange einen positiven Carry haben, bis die Idioten aufhören, ihre Hypothekenzahlungen zu leisten.
Und was soll man von dem Anleger halten, der 2% und 20% dafür bezahlt, sich an diesem Spiel beteiligen zu dürfen? Was erwarten die eigentlich?
Vergangene Woche war auch Sowood Capital in den Nachrichten, wo Mr. Jeffrey Larson die Hälfte des Geldes seiner Kunden verloren hat. Larson hat im Jahr mehr als 17 Millionen Dollar damit verdient, Geld für die Harvard-Universität zu verwalten. 2004 hat er dann entschieden, dass er noch mehr Geld verdienen könnte, wenn er seinen eigenen Hedgefonds gründet. Er und seine Partner haben zwei Milliarden Dollar von den Investoren erhalten, darunter 500 Millionen aus Harvard. Und bis zum vergangenen Mittwoch waren mehr als 350 Millionen Dollar des Geldes aus Harvard verschwunden.
Wenn die hervorragendsten Wirtschaftler der Welt und die Finanzbeobachter die Sache nicht richtig hinbekommen, wer dann? Niemand, natürlich.
Dennoch können die Finanzbeobachter nicht anders, die Massen verlangen nach einem Einblick … nach einem Blick in die Zukunft. Und deswegen bieten die Financial Times, die Finanzminister, die Marktstrategen, die Impressarios bei den Hedgefonds und die kleineren Götter am Firmament der Finanzen ihre Vorhersagen an.
„Ist diese Party wirklich vorbei? Ist das das Ende der großen Kreditblase?“, wollen die Leute wissen. Sind wir auf dem Weg in den Himmel oder in die Hölle?
Ich weiß es nicht, ich werde es, zusammen mit allen anderen, erst noch herausfinden müssen.