Das Leben eines Wirtschaftstruthahns
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. Dezember 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Sagt ein Truthahn zum anderen...
Es war jetzt eine Zeitlang ziemlich hart... mit der Rezession und so. Aber jetzt haben wir ja die Erholung. Die Geschäfte laufen wieder."
Ja, es ist großartig... jetzt müssen wir hier nicht mehr herumhängen und warten... endlich sagt der Chef, dass es jetzt losgehen wird."
Ich frage mich, was wir tun werden..."
Ich weiß nicht... ich soll zu einem Laden, der heißt Butterball Birds"..."
Hey, das klingt nach Spaß... vielleicht ist es so eine Art Themenpark. Ich werde für jemanden arbeiten, der heißt Frank Perdue... (Geflügelproduzent)"
Mein Freund Nassim Taleb sagt, das Leben eines Truthahns sei sehr angenehm... zumindest bis zum letzten Tag. Bis dahin ist das gesamte Leben ein Bullenmarkt. Alles sieht gut aus. Gutes Futter. Ein Dach über dem Kopf. Viel Gesellschaft. Sogar einen kostenlose Gesundheitsversorgung. Sieht man sich die Geschichte an, dann erkennt man keine Volatilität. Jeden Tag gewinnt der Truthahn an Gewicht. Und jeden Tag wird es besser. Es scheint nur Gewinne und keine Risiken zu geben. Sie werden sagen, Dann sollte doch jeder Anleger Truthahn im Portfolio führen."
Gewinnertyp Truthahn?
Wenn man sich die Charts ansieht, dann stimmt das. Man betrachte das Leben des Truthahns und es ist eine Linie, die stetig nach oben weist. Ist das ein Gewinner, oder was?", sagten sie zueinander.
Und wie sieht es bei den Wirtschaftswissenschaftler aus? Die Alten Knacker wären misstrauisch. Es gibt nicht immer nur Sonnenschein... es gibt keinen Boom ohne eine Krise", werden sie murmeln. Aber die jungen Leute würden nicht auf sie hören. Sie würden dem Truthahn verfallen, ohne zu zögern, zuversichtlich, dass wenn etwas schief läuft, Ben Bernanke und Tim Geithner es im Null-Komma-Nichts wieder richtigstellen würden.
Und jetzt glauben sie, dass das Bernanke-Geithner Team eben erst die Rettung gemeistert hat. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Truthähne, die die Wall Street betrieben haben - und die an der Wall Street investiert haben - gerettet wurden. Amerika kann sich wieder an die Arbeit machen.
Doch was ist das für eine Arbeit?
Ach, es ist die Arbeit der KRISE - die Entschuldung, die Pleiten, das Zurechtkommen mit den Schulden, die Zahlungsunfähigkeit... und der Konkurs.
Ja, liebe Leser, die Rezession ist vorbei. Herzlich willkommen in der Krise. Die Zahlendreher berichten positiven Wachstumszahlen für das letzte Quartal von 3,5%. Alle haben gejubelt. Jetzt geben die Zahlendreher zu, dass sie ein wenig zu optimistisch gewesen sind. Die wahren Zahlen liegen bei nur 2,8%. Aber immer noch im positiven Bereich. Also ist die Erholung immer noch im Gange.
Die Wirtschaft wächst nicht
So in etwa. Wenn man die Zahlen genauer ansieht, und die Auswirkungen des heißen Geldes von der Regierung abstrahiert, dann stellt man vermutlich fest, dass die Wirtschaft überhaupt nicht mehr wächst. Wie kann das sein? Nun, es ist eine Verbraucherwirtschaft. Die Verbraucher konsumieren nicht mehr.
Das Wall Street Journal berichtet, dass einem von vier Kreditnehmern das Wasser bis zum Hals steht."
Die Verzüge bei Hypotheken sind auf einem Rekordwert, fügt die New York Times hinzu
Die Arbeitslosigkeit liegt bei 17,5%, berichtet CNBC.
Die Insider verkaufen 17 ihrer eigenen Aktien im Vergleich zu einer, die sie kaufen.
Die Verbraucher verlieren den Appetit darauf, außerhalb zu essen."
Der amerikanische Bund des Einzelhandels denkt, dass die Verkäufe zu den Feiertagen ein Prozent unter den Werten des vergangenen Jahres liegen werden. Und im vergangenen Jahr steckten sie in der Krise."
Aber die New York Times macht sich über England Gedanken. Ein verlorenes Jahrzehnt für die britische Wirtschaft befürchtet", heißt es in einer Schlagzeile.
Ich habe schon zuletzt festgestellt, dass die amerikanische Wirtschaft ein verlorenes Jahrzehnt erleidet. Kein Wachstum am Arbeitsmarkt in den vergangenen zehn Jahren. Keine Gewinne am Aktienmarkt. Kein Wachstum bei den Haushaltseinkommen. Und soweit ich sagen kann, ist das gesamte Land lediglich zehn Jahre älter geworden und steckt tiefer in den Schulden.
Aber so läuft das nun einmal, nicht wahr? Ein Bullenmarkt an der Wall Street... oder ein Wirtschaftsboom... sind genauso wie das Leben eines Truthahns. Alles sieht rosig aus... bis es nicht mehr rosig aussieht.