Das könnte eine spannende Investment-Story werden!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 17. November 2004 12:00 Uhr
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Gestern schrieb ich hier im Trader's Daily zu den anstehenden US-Produzentenpreisen:
"Letzter Wert: +0,1 %, Wahrscheinlichstes Szenario: Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die Produzentenpreise diesmal stärker gestiegen sind (alleine schon wegen der Rohstoffpreise). Mal sehen!"
Da es hier tatsächlich zu einem drastischen Anstieg kam, möchte ich an dieser Stelle darauf eingehen und Ihnen die Hintergründe und möglichen Schlussfolgerungen erläutern.
Also: Die Produzentenpreise sind im Oktober tatsächlich stärker gestiegen ... und zwar sind sie direkt um 1,7 % nach oben gesprungen! Das war natürlich tatsächlich in erster Linie den gestiegenen Rohstoffpreisen (+6,8 %) zu "verdanken".
Wenn man die Rohstoffpreise und die Preise für Nahrungsmittel herausrechnet, dann beträgt das Plus nur 0,3 %.
Allerdings frage ich mich, was das Herausrechnen der Rohstoffpreise für einen Sinn machen soll. Schließlich müssen die Produzenten doch tatsächlich diese Kosten (für Rohstoffe) bezahlen – da ist es doch nur statistische Schönrechnerei, diese "herauszurechnen". Genauso gut könnte man bei den Arbeitslosenzahlen alle Langzeitarbeitslosen "herausrechnen", um schönere Zahlen zu erhalten.
Fakt ist: Ob schön gerechnet oder nicht – in den USA steigen die Produzentenpreise deutlich! Und ich glaube nicht, dass das ein einmaliger Ausrutscher gewesen ist. Dafür werden alleine schon die weiter steigenden Rohstoffpreise sorgen. Und da der Dollar – nach kurzer Ruhepause bzw. Gegenbewegung – meiner Ansicht nach weiter schwächeln wird, wird sich das in den USA besonders stark bemerkbar machen (wir haben da ja zum Glück den starken Euro, der einen Teil der Rohstoff-Preissteigerungen auffängt).
Die Folgen:
Wenn die Produzentenpreise steigen, wird sich das früher oder später auch in der allgemeinen Inflationsrate widerspiegeln, da die Produzenten diese gestiegenen Kosten natürlich weitergeben.
Das wiederum würde dazu führen, dass:
Die realen Zinsen (die nominalen Zinsen abzüglich der Inflationsrate) deutlich negativ werden würden. Mit anderen Worten: Wenn Sie Ihr Geld in den USA in sicheren Staatsanleihen anlegen würden, dann würden sie weniger als die Inflationsrate erhalten. Eine solche Situation führt meist schnell dazu, dass die nominalen Zinsen ansteigen.
Dafür spricht auch:
Der unverändert hohe Kreditbedarf der Bush-Administration. Diese ist darauf angewiesen, hohe Volumina an US-Staatsanleihen am Markt emittieren zu können. Und da in den USA so gut wie niemand spart, werden diese neuen US-Staatsanleihen in erster Linie vom Ausland (Japan, China ...) gekauft. Mittlerweile gehen die US-Staatsanleihen-Käufe von Ländern wie Indien aber zurück oder werden ganz eingestellt (ein Thema für sich, auf das ich eigentlich in den nächsten Tagen auch einmal eingehen könnte).
Fazit: Gleichbleibendes Angebot und sinkende Nachfrage führen dazu, dass das Angebot attraktiver gemacht werden muss. Wie wird es das? Na klar: Dadurch, dass mehr Zinsen geboten werden.
Wir haben also mehrere Faktoren, die für steigende Renditen am US-Anleihenmarkt sprechen. Steigende Renditen wiederum bedeuten fallende Anleihenkurse. Das richtige Instrument, um davon zu profitieren, ist also ein US-Staatsanleihen-Put (z.B. T-Bond Put).
Noch spielt allerdings die Charttechnik nicht mit. Erst wenn auch diese grünes Licht gibt (noch ist sie derzeit für den T-Bond Future kurzfristig neutral), würde ich handeln!
Dennoch wollte ich Sie heute schon auf die Hintergründe dieser potenziell spannenden Story aufmerksam machen ...
Freundliche Grüße,
Michael Vaupel
P.S.: Übrigens – es gibt auch sympathische Emittenten. Beispiel Citigroup: Da haben die Banker und Broker einen Tag lang die Krawatten ausgezogen und bei der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe in Frankfurt mitgeholfen, haben Wände gestrichen und Fahrradschuppen gebaut. Kompliment! Ob es Zufall ist, dass mir bei der Citigroup noch nie "Tricksereien" aufgefallen sind?