Das ist was für jüngere Leute
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 13. Juli 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** „Ich dachte, wir würden besser werden“, sagte Bin, mein Trainer, gebürtig in China, nachdem ich von den Nationalmeisterschaften im Fechten letzte Woche zurückgekehrt war. „Das Problem ist, dass alle immer besser werden.“
Er machte keine Witze. Beim ersten Kampf unter den Veteranen zwischen 40-49 mit dem Degen – das war der Kampf, von dem ich dachte, ich könnte es unter die obersten 25 schaffen – fand ich mich auf Platz 35 von 78 wieder. Beim ersten Ausscheidungskampf wurde ich von einem Fechter geschlagen, der älter, schwerer, und in jeder Hinsicht deutlich weniger dekorativ war als ich.
Das vorzeitige Ausscheiden aus diesem Wettbewerb gab mir den Rest des Nachmittags Zeit, vor Wut schäumend, durch die Innenstadt von Atlanta zu laufen. Meine Erwartungen für das Ereignis am Samstag, die Degenkämpfe der Herren, waren im besten Falle bescheiden, da hier alle Altersgruppen von federgewichtigen Teenagern bis hin zu den hinterlistigen 70-80jährigen gegeneinander antreten.
Dieser Marsch der inneren Einkehr war vielleicht genau das, was der Arzt empfohlen hätte. Denn bei diesem Wettkampf musste ich feststellen, dass ich einen Kampf nach dem anderen gewinnen konnte und schickte sogar den Champion der dritten Gruppe vorzeitig und nach ein bisschen Ärger nach Hause. Ich erlag schließlich einem Fechter, der am Ende auf Platz drei in der fünften Ausscheidungsrunde landete, und dass nur wegen einer Spanne von zwei Punkten. Alles in allem schaffte ich es auf Platz 15 von 182. Gar nicht so schlecht, für einen alten Herren, und deutlich besser, als ich gehofft hatte.
Aber dummerweise ist es bei den Wettkampfsportarten ein bisschen so als würde man zu einem Vermögens-Millionär. Immer dann, wenn man denkt, dass es besser läuft als man glaubte, verändern sich die Ziele: Das erste Vermögen von einer „Million“ umfasste noch die hochgezüchteten Einschätzungen des Golfclubs, die Comicheftsammlung und Großmutters Nerzmantel, dann kam ein Vermögen, dass nur noch das Haus, das Portfolio und den Rentenfonds umfasste, bis hin zu einer Situation, in der man nur noch das verfügbare Vermögen erfasst. Immer lauert gleich hinter der nächsten Straßenecke ein neues Niveau... das jedoch immer Herkulesarbeit und -einsatz erforderlich macht, um erreicht zu werden.
Es kann natürlich alles mit der Zeit erreicht werden. Entsprechend wende ich meine Aufmerksamkeit den wichtigsten Ereignissen im folgenden Jahr zu, während ich schreibe.
*** Das Atlanta World Convention Center, in dem der Wettkampf stattfand, ist ein ganz großes Ding. Wenn man seine Tasche durch die Eingangstür gezogen hat, dann hat man immer noch fast einen halben Kilometer vor sich, ehe man den Austragungsort erreicht hat. Wenn man dort angekommen ist, dann ist es immer noch schwer, das Ende des gewaltigen Korridors zu erkennen, durch den man gekommen ist. Und das ist nur ein Flügel des Gebäudes.
Das Center wurde erbaut, um bei den olympischen Hundertjahrfeiern 1996 der ganzen Welt Platz zu bieten. Jetzt verblüfft es durch den Platz, den es zu bieten hat: Man kann in einer einzigen Halle ein Sportereignis mit 4.000 Sportlern veranstalten und immer noch ein Gefühl davon haben, welche Ödnis die englischen Poeten des 18. Jahrhunderts inspiriert haben muss, als sie das erste Mal den Pyramiden gegenüberstanden.
Wenn man seinen Verstand an der Geschäftswelt geübt hat, dann fängt das Gehirn nach einer Weile automatisch an, die Belegungszahlen aufzuaddieren, die die verschiedenen Hotelstürme und die Versammlungsräume bieten, die laufenden Kosten, die Gemeinkosten und die Wartung aufzuaddieren, um herauszufinden, wie sich das alles rechnen kann.