Das globale Bündnis der Verantwortungslosigkeit
Claus Vogt (Chefredakteur "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 24. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
noch vor zwei Jahren stieß ich mit meiner Prognose, dass das Ausmaß der sich damals noch im Anfangsstadium befindenden Krise zur Zerreißprobe für die Europäische Währungsunion werde, auf überwältigend große Skepsis. Mittlerweile hat das Thema längst Eingang in die Massenmedien gefunden. Über die prekäre Lage der deutlichsten Wackelkandidaten wird offen diskutiert.
Das Thema Staatsbankrott ist nicht mehr tabu
Damit hat auch das unerfreuliche Thema Staatsbankrott den Weg in die Massenmedien gefunden. Was bis vor Kurzem noch als düstere Phantasie von an krankhaftem Pessimismus leidenden Zeitgenossen verunglimpft wurde, ist plötzlich salonfähig geworden. Ganz langsam hat sich in den vergangenen Jahren die Stimmungslage der Bevölkerung und mit ihr die der Journalisten den traurigen Realitäten angepasst.
Der Staatsbankrott kann viele Formen annehmen. Prinzipiell muss jedes gebrochene Zahlungsversprechen als Staatsbankrott bezeichnet werden, ganz gleich, ob Anleihen nicht zurückgezahlt werden oder Zusagen aus den Sozialsystemen gekürzt werden, insbesondere natürlich bei den Renten.
Inflation ist die heimtückischste Form des Staatsbankrotts
Die heimtückischste Form des Staatsbankrotts ist die Inflation. Nominal werden die Verträge zwar erfüllt, aber der Bürger hat das Nachsehen, indem er mehr oder weniger wertloses Geld erhält. Aus Sicht der Täter hat diese Form des Staatsbankrotts den unschätzbaren Vorteil, dass sie die relativ komplizierten Zusammenhänge leicht verschleiern und die Verantwortung auf andere Sündenböcke abwälzen können. Allein aus diesem Grund halte ich die Wahrscheinlichkeit für extrem groß, dass die Politik diesen Weg des Staatsbankrotts wählen wird.
Genau genommen sind die Weichen bereits sehr deutlich in diese Richtung gestellt worden. Auch in Deutschland. Gerade hat die Regierung ihren Haushaltsentwurf für 2010 vorgestellt. Die Herrschenden planen neue Staatsschulden in Höhe von 85,8 Mrd. Euro, ein neuer Rekord. Da es einen klaren und empirisch immer wieder festgestellten Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Geldentwertung gibt, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen.
Das Affentheater der hauptamtlichen Schuldenmacher
Natürlich versichern uns die Täter, diese Schuldenorgie sei „notwendig und ökonomisch richtig“ (Finanzminister Schäuble). Eine Alternative existiere nicht. Und wer gerade die Oppositionsbank drücken muss, der hat die Chuzpe, die „haushaltspolitische Katastrophe“ (SPD-Fraktionschef Steinmeier) zu kritisieren – bis er wieder zum Täterkreis gehört. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit existiert eine ganz große Koalition der Schuldenmacher, ein allumfassendes politisches Bündnis der Verantwortungslosigkeit.
Es ist frustrierend, dieses Affentheater zu verfolgen. Aufhalten können wir diesen Zug in die allgemeine Verarmung wohl nicht. Aber individuelle Schutzvorkehrungen können Sie treffen.
Herzlichst, Ihr
Claus Vogt
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die früher oder später wieder aufleben wird, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können, oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...
ähnliche Beiträge:
- Kupferpreis: Ein exklusiver Indikator für die globale Wirtschaft II
- "System der organisierten Verantwortungslosigkeit"
- Konjunkturängste contra Konjunkturlokomotive = Schaukelbörse
- Welthandel und Rohstoffpreise
- Zink: langfristig gute Aussichten!
- US-Häuslebauerindex
- Große globale Kluft
- Globale Umverteilung des Reichtums
- Der globale Ölpreis fällt
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Karl Michalsky (24.02. 2010 18:56 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vogt, was Sie schreiben, ist leider völlig richtig - und es macht Angst. Muß man sich jetzt nicht fragen, ob die Einführung des Euro und damit das Ende der stabilen Deutschen Mark eine einzige große Luftnummer amateurhafter Gehirnakrobaten war, die den Weg nach vorn sehen wollten, aber lediglich ihre Schuhspitzen, vielleicht aber auch nur ihre Schuhbandenden sahen? Kompliment für Ihre feinen Artikel! Mit freundlichen Grüßen Karl Michalsky
Antworten - Kommentar von Walter Fromm (25.02. 2010 15:46 Uhr):
Die Analyse ist leider richtig. Jedoch vermisse ich bei Sicheres Geld realistische Empfehlungen, wie man sich gegen die Folgen absichern kann. Auch hier werden nur Instrumente empfohlen, deren Effekte (so sie denn eintreten) auf der Vermehrung von Gegenwerten in Papiergeld beruhen. Wie will man damit der vollständigen Geldentwertung im Falle einer Währungsreform entkommen?
Antworten
Artikel weiterempfehlen