Das Glas ist halb voll
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 30. April 2009, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Nebenwerte Freunde,
Derzeit hat die Stimmung sich auf dem Börsenparkett total gedreht. Die konjunkturellen Nachrichten sind eher schlecht, teils sogar katastrophal. Aber parallel zu den Kursen steigen auch die Stimmungsindikatoren, wie z.B. der deutsche iFo (vor allem die Erwartungskomponene) aber auch das Vertrauen der US Verbraucher. Genau daran erkennen Sie eine starke Hausse. Schlechte Nachrichten werden überhört und der Markt konzentriert sich auf Hoffnungen, die die Zukunft besser erscheinen lassen. Sogar ein in den USA um sechs Prozent rückläufiges Inlandsprodukt, oder die Erwartung eines ähnlichen Tiefschlags für Deutschland irritieren die Anleger im Augenblick nicht. Meldungen wie über die grassierende Grippe-Epedemie hätten vor kurzem den Markt zittern lassen. Heute aber juckt dies fast keinen, was sich aber morgen schon wieder ändern kann. Die Börse ist eben launisch und wechselhaft.
Weiterer Hausseschub wahrscheinlich
Diese Phasen sollte man als Anleger auf der Long -Seite genießen und keinesfalls versuchen, den Markt todesmutig von der Short-Seite her anzufassen. Wenn man nicht gerade großes Glück hat, ist es verdammt teuer, sich gegen derartig starke Trendphasen zu stemmen. Natürlich kommt der Zeitpunkt der nächsten Konsolidierung, aber man sollte diesen nicht voreilig antizipieren. Noch machen die einzelnen Sektoren und auch der breite Markt einen relativ gesunden Eindruck. Offenbar wollen die Marktteilnehmer die Indizes noch ein Stück höher treiben und beim DAX sogar die 5.000 sehen. Größere Schwierigkeiten sehe erst in der Gegend von 5.100 - falls wir jetzt das Niveau von 4.750 bis 4.800 verteidigen - was ich vermute. Trotzdem darf man jetzt, in diesem reifen Stadium der Hausse, nicht übermütig werden. Denn praktisch jeder Impuls an der Börse wird zu etwa 50 % korrigiert. Deshalb zahlt sich Geduld auch der Börse langfristig aus. Wahrscheinlich gibt es im Sommer noch bessere Einstiegsgelegenheiten, vor allem aus dem Blickwinkel von Chance/Risiko.
Politiker sind nie zufrieden
Selten hat es so viel Spaß gemacht wie in den letzten Tagen, die Zeitungen zu lesen. Vor allem wie die Politiker verschiedener Parteien über Herrn Ackermann von der Deutschen Bank hergefallen sind, war einigermaßen grotesk. Den Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko will ich keinesfalls kleinreden. Aber auch für Politiker sollte mein Motto gelten: Wenn man von etwas keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten. Teils war die Kritik schon sehr persönlich und beleidigend. Ohne die Strategie der Bank verteidigen zu wollen, hat sich kein Kritiker die Mühe gemacht, sein Gehirn einzuschalten aus welchen Gründen die Banken im ersten Quartal hohe Erträge generierten. Im Augenblick können sich die Geschäftsbanken fast umsonst bei den Notenbanken refinanzieren. Da wäre es eine Katastrophe, würden sie im Kreditgeschäft keine ordentlichen Erträge schreiben. Außerdem verdienen die Banken aber auch an den Schulden, die der Bund macht. Denn diese müssen ja verbrieft und verkauft werden. Bestimmt rührten einige Erträge auch aus den Chancen und starken Schwankungen der Kapitalmärkte. Ich bin der Meinung, dass auch gescholtene Banken den Löffel hinhalten sollten, wenn es Brei regnet. Nicht alle hochrentierlichen Geschäfte sind riskant, wenn man etwas davon versteht. Vielleicht sollten sich Politiker und Manager jeweils um ihre Dinge kümmern und weniger um die Angelegenheiten des anderen. Vor allem wenn Wahlkampf ist.