Das Geschäft mit Private Equity
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 08. November 2005 16:00 Uhr
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Die Finanzbranche brummt: Der Mittelzufluss in deutsche Fonds beispielsweise lag im September mehr als 6 Milliarden € höher, als 2004, die Zahl der Transaktionen bei den Mergers & Acquisitions, den Firmenübernahmen und Fusionen, liegt rund 10 % höher als vor Jahresfrist und auch die Zahl der Börsengänge lässt die Herzen der Banker höher schlagen: Alleine 10 Neuemissionen gab es an der Börse im Spätherbst.
Auch Private Equity ist gefragt. Nach Angaben des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK verbuchten die Private Equity Unternehmen in Deutschland im ersten Halbjahr einen Mittelzufluss von 5 Milliarden €. Damit wird nach Angaben des Verbandes von 146 Beteiligungsunternehmen ein Portfolio mit rund 5600 Unternehmen und einem Volumen von 20,3 Milliarden € verwaltet.
Einige Leser haben mich in den vergangenen Wochen darauf angesprochen, doch einmal auch die Möglichkeiten von Private Equity zu besprechen. Wir sehen uns deshalb heute einmal diesen lukrativen, aber teilweise auch sehr riskanten Markt an.
Unter Private Equity versteht man privates Beteiligungskapital, also für Investitionen in Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Im Gegensatz dazu steht das Public Equity, das öffentliche Beteiligungskapital, dass sich Firmen über die Börse beschaffen.
Bei Private Equity ist erst die Beteiligung an einem mehr oder weniger erfolgversprechenden Unternehmen und danach der spätere profitable Weiterverkauf vorgesehen.
Sehen wir uns einmal die 4 Segmente des Private Equity an:
1) Venture Capital: Das sind Kapitalbeteiligungen vor allem an jungen Unternehmen in einer frühen Geschäftsphase. Da bei ihnen das Geschäftsmodell noch nicht erprobt ist und meist auch noch keine Gewinne fließen, ist das Risiko für Sie als Anleger bei reinen VC Gesellschaften vergleichsweise hoch.
2) "Buy Outs" sind Finanzierungen von etablierten Unternehmen, bei denen ein Gesellschafterwechsel erfolgt. Hier ist das Risiko für die Anleger nicht mehr so hoch, da diese Unternehmen oft schon lange mit einem bewährten Geschäftsmodell am Markt sind.
3) Special Situation: Darunter versteht man Investitionen in Unternehmen, die sich in einer speziellen Situationen befinden. Dazu zählt beispielsweise ein struktureller Wandel in einer Branche, Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen oder Gründe im Unternehmen wie eine angespannte Liquidität, Projektfinanzierungen oder Notverkäufe der alten Gesellschafter. Mit Sondersituationen haben schon viele Private Equity Firmen für Ihre Anleger zahllose lukrative Schnäppchen gemacht.
4) Mezzanine: Dabei investieren Private Equity Gesellschaften in Form von nachrangig gesicherten Krediten in Verbindung mit Eigenkapitalelementen, wie Kaufoptionen oder Wandlungsrechten. Da Buyouts oft über Mezzanine finanziert werden, ist das Risiko ähnlich wie bei dieser Form des Private Equity.
Ingesamt werfen die teilweise sehr riskanten und für Aussenstehende nur schwer überschaubaren Private Equity Finanzierungen für Anleger im Durchschnitt hohe Rendite ab. So schafften die europäischen Private Equity Unternehmen in den letzten 30 Jahren eine Rendite von etwa 11,5 % pro Jahr. Amerikanische Private Equity Gesellschaften brachten es sogar auf über 13,5 % Plus im Jahr.
Sie sollten aber daran denken: Hohe Gewinne sind normalerweise immer mit einem hohen Risiko verbunden. Private Equity Gesellschaften haben verschiedene Nachteile:
1) An vielen Beteiligungsgesellschaften können Sie sich erst ab größeren Summen, 10000 € und mehr sind keine Seltenheit, beteiligen.
2) Sie können Ihren Anteil an einer Private Equity Gesellschaft während der Laufzeit nur schwer weiterverkaufen. Kündigungsmöglichkeiten sind oft erst nach 10 Jahren vorgesehen.
3) Bei einigen Gesellschaften fallen hohe Kosten an. Nach Angaben von Finanztest, fließen bei einigen Anbietern nur etwa 75 % der Anlagebeträge in Investitionen. Der Rest entfällt auf die Verwaltungsgebühren. Anbieter mit so hohen Gebühren sollten Sie meiden. Üblicherweise liegen die Anfangskosten etwa bei 10 bis 15 % des Anlagebetrags. Dazu kommen meist Verwaltungsgebühren in Höhe von knapp 2 % im Jahr.
4) Wird das Geld im Rahmen von geschlossenen Fonds eingesammelt, wissen Sie am Anfang oft nicht genau, in welche Unternehmen die Mittel investiert werden sollen.
Tipp:
1) Wenn Sie in Private Equity investieren wollen können Sie auch auf börsennotierte Unternehmen der Branche setzen. Sehen Sie sich einmal die Aktien der Heliad Equity Partners (ISIN DE0006047293), von UCA (ISIN DE0007012007) oder der VCH Best of VC (ISIN DE0007857575) an.
2) Setzen Sie nur einen kleinen Teil Ihres Vermögens – höchstens 10 % der gesamten Anlagesumme – auf Private Equity.
3) Nähere Informationen zu Private Equity finden Sie auf der Homepage des Bundesverband Deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften BVK unter www.bvk-ev.de
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