Das Geschäft mit Private Equity brummt
Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 28. Dezember 2006 17:00 Uhr
ENL5454
von Georg Pröbstl
Lieber Leser,
ich finde, Privatanleger sind widersprüchlich: Während sie derzeit auf der einen Seite kaum Interesse an Börse haben, investieren sie andererseits stark in Private Equity. So sammelten die deutschen Beteiligungsgesellschaften nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in den ersten 9 Monaten 2006 1,9 Milliarden Euro ein. Das sind 20 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Investitionen der Private Equity Firmen stiegen dabei um 30 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt hat die Branche damit 21,6 Milliarden Euro in rund 5.900 Firmen stecken.
Privatanleger sind also doch risikofreudig! Die Renditeaussichten im Private Equity Markt sind aber auch wirklich verlockend. So schafften die europäischen Private Equity Unternehmen in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt eine Rendite von rund 11,5 Prozent im Jahr. Amerikanische Firmen der Branche brachten es sogar auf ein jährliches Plus von 13,5 Prozent. Die Renditen liegen damit etwa im Bereich der Gewinne in den Indizes am breiten Aktienmarkt wie DAX oder Dow Jones.
Unter Private Equity versteht man privates Beteiligungskapital. Im Gegensatz dazu steht das Public Equity, also Kapital, das über die Börse beschafft wird.
Das Geld der Private Equity Branche wird in verschiedene Segmente investiert. Sie haben bestimmt schon von dem einen oder anderen Bereich gehört:
1) Buy Outs: Hier fließt das Geld in die Finanzierungen von etablierten Unternehmen. Das Risiko ist vergleichsweise gering.
2) Venture Capital. Das sind Beteiligungen vor allem an jungen Unternehmen in einer frühen Geschäftsphase. Das Risiko im VC Geschäft ist vergleichsweise hoch.
3) Mezzanine: Hier investieren Private Equity Gesellschaften über nachrangig gesicherte Kredite in Verbindung mit Eigenkapitalelementen, etwa Kaufoptionen oder Wandlungsrechten. Das Risiko ist ähnlich wie bei Buy Outs.
4) Special Situation: Das sind Investitionen in Firmen in besonderen Situationen wie beispielsweise Änderungen der Rahmenbedingungen, Projektfinanzierungen oder Notverkäufe der alten Gesellschafter.
Wenn ich mir die Nachteile von Private Equity vor allem für Kleinanleger ansehen, wundert mich der aktuell starke Mittelzufluss schon etwas. Ich mache mir schon Gedanken, ob wirklich alle Kleinanleger wissen, was sie da unterschreiben.
[Fortsetzung weiter unten]
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