Das Gerede von Gold und der Preisbleise
Martin Stephan (Chefredakteuer "Wahrer Wohlstand") in Investoren Wissen zum Thema Gold als Geldanlage
vom 30. Dezember 2009, 16:00 Uhr
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Noch immer verstehen die Investoren das Edelmetall Gold völlig falsch. Auch in den Medien findet sich nur selten Verwertbares zu Gold oder zur Goldpreisentwicklung. Der Grund ist so einfach wie dramatisch: Da kaum noch jemand die Geldschöpfung und die damit einhergehenden Einflussfaktoren wie Geldpolitik und Geldentwertung begreift, muss jede reine Beobachtung und Interpretation der Goldpreisentwicklung zum Scheitern verurteilt sein. Gold ist eben keine „Asset-Klasse“, kein „Sachwert“, der eigenständigen Bedingungen gehorcht, wie es zum Beispiel Goldminenaktien sehr wohl tun – Gold ist nichts anderes als „Geld“. Natürlich mag der eine oder andere Anleger oder Fondsmanager direkte Goldinvestments für eine Asset-Klassen-Diversifizierung halten, allerdings irrt er sich da. Wichtig für die Goldpreisentwicklung ist zum jetzigen Zeitpunkt aber ohnehin nicht mehr das private Publikum mit seinen kleinen kumulierten Milliardenbeträgen, sondern das institutionelle Vermögen, das Billionen-Beträge per Mausklick rund um den Planeten schickt.
Gold ist Geld
Diese Gruppe weiß nur zu gut, dass Gold nichts anderes – und vor allem: nichts Geringeres – als echtes Geld ist. Ebenso wie Geld weist auch Gold keinen Zinssatz auf. Anders als Geld ist Gold nicht beliebig „schöpfbar“, weil eben keine Kreditzusage oder -tilgung seine Existenz beeinflusst. Es gibt nur wenige Bedingungen, die institutionelle Anleger, inklusive Notenbanken, mit aller Macht in die Goldanlage drängen – doch derzeit herrscht wieder einmal eine „Jahrhundertkonstellation“. Immer gut für Gold ist es, wenn neben Buchgeld (M2, M3 …) auch die Menge an Bargeld (M0 oder M1) deutlich zunimmt. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass Zinsverluste
nicht hoch sind oder aus anderen Gründen in Kauf genommen werden. Die Explosion an US-Dollarnoten darf hier getrost als bekannt vorausgesetzt werden, aber auch der Euroraum kennt diese Entwicklung. So legte der Nominalwert aller ausstehenden Euro-Banknoten seit Bestehen der Einheitswährung, in nur siebeneinhalb Jahren, von 225 Mrd. auf aktuell rund 775 Mrd. EUR um den Faktor 3,4 zu. Realwirtschaftliche Gründe für diesen Zuwachs sind weit und breit nicht zu entdecken.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine niedrige oder gar negative Realverzinsung. Ähnlich wie beim ersten Punkt ist in solchen Zeiten die Liquiditätshaltung in Gold nicht durch Opportunitätskosten („entgangene Rendite“) verbunden. Ferner sind Zweifel an den Fähigkeiten der Notenbanken, politisch unabhängig zu agieren, von großer Bedeutung. Das Nonplusultra stellt eine US-Notenbank
dar, die das Zinsniveau künstlich niedrig hält und der notwendige Zinserhöhungen gar nicht oder viel zu spät zugetraut werden – so wie gerade jetzt.
Realzinsen werden auf 0% fallen
In den kommenden Wochen und Monaten werden die Realzinsen, also der nominale Zinssatz abzüglich der Inflationsrate, in Richtung null wandern – auch ein negativer Wert ist zwischenzeitlich möglich. Gründe dafür sind in den vergleichsweise hohen Rohstoff-, zum
Beispiel in den Energiepreisen, zu finden. Die inflationären Tendenzen kommen nicht über die höhere Nachfrage, wie erhofft, sondern über das knappere Angebot. Diese angebotsinduzierte Inflation ist durch eine tendenzielle Aufblähung an den Rohstoffmärken entstanden – ein Begleitprodukt der generellen Reflationierung des Finanzsystems. Verglichen mit den schwachen Rohstoffpreisen
vor etwa einem Jahr, haben sich inzwischen bereits wieder Aufschläge von 50 bis 100% gebildet. Unternehmen kommen gar nicht darum herum, zumindest einen Teil dieser deutlich höheren Kosten auf die Preise umzuwälzen. Inflationsraten zwischen 2 und 4% sind daher bis zum Frühling in den USA kaum abwendbar. Derzeit liegen die Zinssätze für kurze Laufzeiten bei etwa 0,5 bis 1,0% und für zehnjährige Papiere bei 3,2 bis 3,5%. Eine reale Verzinsung ist dann nicht mehr vorhanden.
Nur die Rückführung der Geldschwemme behindert die Gold-Hausse
Natürlich stehen die Notenbanken der Goldhausse nicht machtlos gegenüber. Andererseits müssen sie sie auch nicht fürchten, denn die Bedeutung ist den Anlegern größtenteils nicht bewusst. Wenn der Allgemeinheit wirklich klar wäre, dass die Rekordhöhe des Goldpreises mit dem Wertverlust des Geldes innerhalb des Finanzsystems eng korreliert, würden die Alarmglocken laut schrillen. Da dieser Geldwertverlust aber ausschließlich zu beliebig definierbaren Warenkörben in Relation gesetzt wird, geht dieser Aspekt, zumindest aktuell, vollkommen unter. Solange die Reflationierung des Finanzsystems anhält, kaum verzinste neue Kredite den Weg zu den Geschäftsbanken finden, die importierte bzw. angebotsinduzierte Inflation vorhanden ist, wird der Goldpreis, ausgedrückt in Papiergeld, weiter zulegen. Ein natürliches Ende gibt es übrigens nicht. Solange Geld „gedruckt“, Banken subventioniert und das System reflationiert werden, muss der Goldpreis klettern. Erst der Wille der Notenbanken, vor allem der Fed, die Kreditschwemme zu
stoppen und das Geld wieder einzuziehen, würde die Goldhausse beenden.
Goldpreis bald bei 2000 USD
Gold ist stabiles Geld, und Papiergeld wird entwertet – folglich steigt der Goldpreis in Papiergeld immer weiter. Wer meint, der Goldpreis sei überhitzt, muss auch die Geldschöpfung für überzogen halten – doch von dieser Seite der gleichen Medaille haben die wenigsten je gehört. Die Schwäche der Notenbanken, eine vernünftige „Exitstrategie“ für das Ablassen der Luft aus der Geld- bzw. Kreditblase zu definieren bzw. umzusetzen, wird den Goldpreis als Spiegelbild des sinkenden Geldwertes als eine Art Kollateralschaden weiter ansteigen lassen. Zu beachten ist, dass das Tempo der Geldentwertung über die negative Realverzinsung
in den kommenden Monaten dramatisch zunehmen wird – entsprechend wird die Liquiditätshaltung der Profis in Form von Gold sein. Ein Goldpreis von 2.000 USD bzw. 1.200 EUR ist daher in den kommenden 12 Monaten durchaus erreichbar, wobei die Schwankungsintensität deutlich zunehmen wird.
Mit den besten Grüßen, Ihr
Martin Stephan
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Martin Stephan ist Chefredakteur des Börsendiensts "Wahrer Wohlstand", der sich durch seine sichere Anlagestrategie und schonungslos offene und ehrliche Berichterstattung auszeichnet. Die Empfehlungen von "Wahrer Wohlstand" decken ein breites Spektrum krisensicherer als auch spekulativerer Investments ab. Darüber hinaus bietet Herr Stephan immer wieder auch Absicherungsstrategien und -investments zur Sicherung des eigenen Vermögens in der Krise an. Mehr zu "Wahrer Wohlstand" erfahren Sie hier...