Das Geheimnis wahrer Liebe ... und das Geheimnis, wie man bei einem Bärenmarkt den Boden findet ...
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. Februar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Liebst Du ihn?"
"Nein."
"War es besser mit ihm?"
"Nein."
"Warum hast Du es also getan?"
"Wer weiß?"
aus "Don't Wake Mother" von Jean Anouilh
In diesem Dialog ging es nicht um Rosen. Sondern um Dornen: Um Ehebruch, ein Grundbestandteil der französischen Literatur ... und vielleicht des französischen Lebens.
"Sie scheinen geschockt zu sein", sagte Sylvie letzte Woche. "Betrügen in Amerika die Frauen ihre Ehemänner nicht?" Ich las eine Novelle von Maupassant. Ich las sie laut. Sylvie, eine junge Frau, die mir Französisch beibringt, korrigiert meine Betonung.
In der Passage, die ich laut vorlas, trifft sich eine Frau mit einem anderen Mann, als ihr Mann nicht in der Stadt ist. Sie mietet ein Apartment, so dass sie ihre Affäre durchführen kann, ohne gestört zu werden.
"Ich bin nicht so sehr geschockt über das, was sie tun", antwortete ich, "als über die überlegte Art und Weise, wie sie es tun."
"Ich glaube, dass die Leute in den USA nicht so groß anders sind", so ihre Antwort.
"Nein, aber die amerikanischen Frauen würden sich schlecht fühlen, sie hätten mehr Schuldgefühle. Sie würden mit Psychologen reden müssen."
"Wir Franzosen", so antwortete Sylvie, "bevorzugen es, unser Leiden für die Hölle aufzubewahren."
Wenn Sie den Investor's Daily schon länger lesen, dann wissen sie auch, dass ich mit meinen Themen gelegentlich weit vom Bereich "Wirtschaft" abschweife ... aber neue Leser(innen) könnte das überraschen. Schließlich ist das ein Finanz-Newsletter, oder?
Aber wären Sie überrascht, wenn ich Ihnen mitteilen würde, dass das Geheimnis einer glücklichen Ehe und das Finden seiner großen Liebe und das Ermitteln des Bodens bei fallenden Aktienkursen identisch sind?
Das Paradox bei allen drei Dingen ist, dass man sie nicht auf direktem Weg erhalten kann. Es gibt keine Straßenschilder, auf denen steht: "Große Liebe – hier!" oder: "Letzter Stopp vor dem Bärenmarkt" oder "Glückliche Ehe – nächste Ausfahrt".
Vor kurzem haben zwei Bekannte von mir geheiratet, Jack und Mimi. Was wird mit ihnen passieren? Ich fühle mich ihnen gegenüber so, wie ich mich gegenüber meinen eigenen Kindern fühle: Wenn ich sie nur vor den Fehlern schützen könnte, die ich selbst gemacht habe. Wenn ich sie nur vor den Fehlern schützen könnte, die ich noch machen werde!
Das ist das Problem mit Alter und Weisheit – sie zeigen einem nur, wie hilflos man eigentlich ist. Je weiser man wird, desto mehr lernt man, dass man seinen Mund halten soll, bis einen das Grab irgendwann völlig verstummen lässt.
Wie schade es ist, dass es keine Zentralbank des Herzens gibt – eine Gruppe von weisen alten Graubärten, die die Währung der Liebe schützen würde ... und die die Ehe von Jack und Mimi mit gelegentlicher milder Korrektur auf dem Pfad der immerwährenden Expansion halten würde. Wenn man ihre Aktien nur immer weiter steigen lassen könnte!
Aber einige Dinge sind jenseits unseres Verständnisses. Und andere sind einfach nicht unter unserer Kontrolle.
Bärenmärkte korrigieren nicht nur Aktienkurse, sondern auch Einstellungen und Philosophien. Die Leute wenden sich ab von Versprechungen, die "REICHTUM JETZT!" versprechen. Stattdessen wenden sie sich anderen Dingen zu. Ihren Gärten. Sie beginnen, über Geschichte nachzudenken, und sie lesen Fantasy-Romane. Sie beginnen, über reale Werte nachzudenken.
Bei den Finanzen suchen sie nach Kosten, die sie senken können ... und sie kümmern sich weniger darum, wie sie reich werden – sondern mehr darum, wie sie es vermeiden können, arm zu werden.
Was sollte ein kluger Investor tun? Er kann nicht wissen, ob der Markt steigen oder fallen wird. Sollte er jede Möglichkeit nutzen, die des Weges kommt – wie eine treulose Ehefrau, wenn ihr Ehemann auf Dienstreise ist? Wird sich die Performance eines Investors verbessern, wenn er jedem heißen Tipp folgt?
Das klingt nach Spaß. Aber es ist nicht wahrscheinlich, dass sich das auszahlen wird.
Aber wie kann man nach Topps und Tiefs suchen, um zu wissen, ob man einsteigen oder aussteigen soll?
Indem man nicht danach sucht.
Warren Buffett, der erfolgreichste Investor, der jemals lebte, verschwendet mit der Suche nach Topps und Tiefs keine Zeit. Stattdessen erklärt er, dass er nur "großartige Gesellschaften zu einem fairen Preis" kaufen will. Aber wenn die Preise steigen und fallen, dann sind sie nicht immer "fair". So fand Buffett zum Beispiel in den späten 1960ern heraus, dass die Preise zu hoch gestiegen waren. Er erklärte seinen Kunden damals, dass er keine kaufenswerten Aktien finden würde – und er gab ihnen ihr Geld zurück. Per Zufall war genau da das Topp erreicht. Und danach fielen die Kurse, und sie erholten sich erst 12 Jahre später. Dann fand Buffett wieder viele gute Gesellschaften zu Preisen, die mehr als günstig waren. Ohne danach zu suchen, hatte Buffett den Tiefpunkt gefunden.
Ist das auch der Weg, wie man Liebe und Glück findet – kommen sie gewissermaßen als Nebenprodukt davon, wenn man sich einfach an die grundlegenden Dinge, die Regeln, die wichtigen Prinzipien hält? Ich weiß es nicht, liebe(r) Leser(in), aber ich bin naiv und sentimental genug, um zu hoffen, dass es so ist.