Das fragt sich niemand!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 02. Dezember 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Was für ein grauer Tag es hier in London ist. Ich bin am Fluss entlang spaziert. Der Fluss hatte dieselbe Farbe wie der Himmel – grau. Es wäre kaum zu erkennen gewesen, wo der Fluss endete und wo der Himmel begann, wenn nicht das rote Geländer der "Blackfriars"-Brücke beide getrennt hätte.
Gestern war es noch anders. Der Sonnenaufgang war so rosigrot, dass es aussah, als gäbe es einen Meltdown in einem Atomkraftwerk.
Was hat sich abgesehen vom Wetter geändert?
Der britische Innenminister Blunkett ist immer noch auf den Titelseiten der britischen Zeitungen. Ich verfolge diese Story für Sie, liebe(r) Leser(in). Er scheint der Vater von zwei Kindern eines anderen Ehemanns zu sein. Jetzt machen die Zeitungen ein großes Brimborium daraus; die Opposition fordert seinen Rücktritt. Aber man sollte ihm keine Vorwürfe machen, haben mir englische Freunde gesagt. Der Innenminister sei blind; er hätte nicht sehen können, auf was er sich da einließ.
Ich fragte mich, wer die Mutter ist. Es zeigte sich, dass sie eine junge Frau aus Kalifornien ist, mit viel Charisma und zu wenig Schamgefühl. Ich habe ein Foto von ihr gesehen. Sie sah wie eine gute Geliebte für einen blinden Mann aus.
In der Finanzwelt ist seit gestern hingegen nicht viel passiert. Der Dollar fiel weiter, nun müssen mehr als 1,33 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Die Amerikaner haben das nicht bemerkt – aber sie werden jeden Tag ärmer. Gemessen am realen Geld – Gold – ist das Einkommen des durchschnittlichen Amerikaners um über 30 % gefallen, seit George W. Bush sein Amt angetreten hat. Auch auf Eurobasis ist sein Einkommen gesunken.
Währenddessen verlieren die Besitzer von US-Staatsanleihen weiter Geld. Der US-Aktienmarkt hat in den letzten Jahren per saldo stagniert. Aber der Wert der amerikanischen Aktien ist auf Eurobasis gefallen. Ein europäischer Investor hat mit US-Aktien mehr als ein Drittel verloren, alleine aufgrund des Währungseffektes. Und die Japaner sehen mit Schrecken, wie der Dollar fällt. Denn ihre Zentralbank hält 800 Milliarden Dollar. Jeder Cent, den der Dollar fällt, bedeutet rund 8 Milliarden weniger.
Aber im Moment dominieren die positiven und nicht die negativen Nachrichten die Schlagzeilen:
Es wurde vermeldet, dass die US-Wirtschaft im letzten Quartal um 3,9 % gewachsen sei. Kaum einer hat bemerkt, dass Amerika – unter den gegenwärtigen Umständen – immer ärmer wird, je stärker es wächst. Das ist so, als ob ich mir eine Million Dollar leihen und die dann ausgeben würde. Je mehr ich ausgeben würde, desto stärker würde die Wirtschaft wachsen.
Jeder würde sich reicher fühlen: Nicht nur ich, sondern auch die Restaurants, die Weinverkäufer, die Reisebüros, die Fluglinien, die Kellner, die Taxis, die Geschäfte, die Steuereintreiber, usw. Aber was ist mit der Million Dollar? Wie wird die zurückgezahlt werden? Wann? Das fragt sich niemand ...