Das Finanz-Desaster und des Kleinanlegers Folgen
Tom Firley in Investors Daily
vom 15. Juli 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ich sagte heute Morgen bereits im Investors Daily Update: Was war das gestern für ein Durcheinander an der Wall Street. Ein Beispiel:
Zunächst gestützt von den Hilfsmaßnahmen für die Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae konnten auch díe Finanzwerte im Dow Jones positiv eröffnen. Bank of America-Aktien lagen bei der gestrigen Eröffnung bei plus 5,2 Prozent!
Dann im Laufe des Tages kamen Zweifel auf und Bank of America schlossen bei minus 7 Prozent bei 20,15 US-Dollar.
Aktuell liegt der Wert noch etwas tiefer bei ca. 19 US-Dollar, also noch einmal etwa 5% tiefer als zum gestrigen Schlusskurs.
Von 5 % auf 11% minus
Das sind jetzt erst einmal schnöde Zahlen, okay. Aber jetzt stellen Sie sich mal den Kleinanleger vor, der mutig zockt und am Freitagabend in die Bank of America-Aktie bei etwa 21,3 US-Dollar eingestiegen ist, in dem Glauben „schlimmer geht's nimmer".
Gestern Nachmittag zur Wall Street-Eröffnung denkt er sich dann: „Boah, alles richtig gemacht, schon 5% Plus!" Abends dann die Ernüchterung: „Mist, 7% verloren":
Und aktuell steht der Anleger insgesamt bereits mit 11% im Minus. So schnell kann es gehen. Der springende Punkt ist der:
Psychologisches Desaster
Es wäre „einfacher" gewesen, die Aktie wäre gleich um 10% gefallen. Dann hätte sich der Anleger gesagt: „Ok, ich lag falsch. Die Finanzkrise geht weiter. Also raus aus der Aktie."
Jetzt ist es aber so, dass unser mutiger Investor schon im Plus lag und erst danach gibt die Aktie nach.
„Och, ich hatte doch eigentlich Recht," denkt er sich, „die ersten Anzeichen einer Besserung waren ja schließlich schon da. Ich bleib mal investiert."
Und das kann sehr böse enden. Mehr ist hierzu wohl nicht zu sagen. Nur ein Wort:
Klar, Sie können jetzt versuchen, verschiedene Tiefs abzugreifen. Sie können aber auch, wie Steve Sjuggerud gestern in seinem Beitrag „Das Positive einer Baisse" geraten hat, erst einmal abwarten, bis sich ein neuer Aufwärtstrend etabliert hat. Auf lange Sicht, ist dies sicherlich die bessere Lösung.
Auf den Beitrag von Herrn Dr. Sjuggerud habe ich gestern übrigens eine böse Mail bekommen. Diese (und meine Antwort darauf) möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, siehe nächster Beitrag.
So, und jetzt ganz zum Schluß der Witz des Jahrtausends:
Ben Bernanke sagte heute um 16.00 Uhr vor einem US-Kongressausschuss unter anderem: Die Inflation sei von «erheblicher Unsicherheit» geprägt.
Aha. Das fällt ihm jetzt ein. Vielleicht sollte er mal darüber nachdenken, wie es denn sein kann, dass die Inflation ausufert. Panische Zinssenkungen in der Vergangenheit möglicherweise?
Damit ist eigentlich klar, dass in seinen Augen eigentlich eine Zinserhöhung her müsste. Allerdings ist die große Frage, ob er dies tatsächlich noch vor der Präsidentschaftswahl im November durchdrücken möchte. Ich bin gespannt...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
