Das Feiern einer Niederlage
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5462
"Und die Letzten werden die Ersten sein ..."
- Jesus of Nazareth
Jeder bejubelt die Gewinner. Ich werde heute laut für die Verlierer Hurrah rufen.
Laut Zeitungsberichten hat Alan Greenspan seinen Kampf gegen die Deflation gewinnen. Greenspan scheint alle scheine Kämpfe gewonnen zu haben. Er hat die Aktienkurse wieder in die Nähe ihrer epischen Höchstkurse gebracht; Die Bewertung von Google ist heute genauso absurd wie die von AOL im Jahr 2000. Er hat die Inflation gezähmt. Er hat den Geschäftszyklus bewusstlos geprügelt. Er hat die Zinsen in die Form gequält, die er wollte. Er hat die US-Konsumenten dazu gebracht, dass sie die schwerste Schuldenlast der Geschichte tragen.
Laut einem Kommentar "könnten die Amerikaner Schlimmeres tun als Alan Greenspan."
Ja, sie könnten etwas Schlimmeres tun; sie könnten ihm glauben.
Wenn man zum Beispiel einen Kampf gegen Krebs gewinnt, dann verdient das Feiern. Aber ein Triumph in den Bereichen Krieg, Zentralbanking oder Investieren ist oft schlimmer als eine Niederlage. Manchmal, liebe(r) Leser(in), verlieren Verlierer am wenigsten.
Ich sage das, weil ich gerade in der Pariser Zeitung Figaro einen Bericht über die Schlacht von Dien Bien Phu gelesen habe. Denn am 7. Mai war der 50. Jahrestag dieser französischen Niederlage gegen die vietnamesischen Unabhängigkeitskämpfer.
Die Franzosen hatten eine Reihe von Vorteilen – ganz ähnlich wie die Amerikaner, die 10 Jahre später nach Vietnam kamen. Sie hatten die Lufthoheit. Sie brachten per Luftlandung 15.000 Soldaten zu einem abgelegenen Flugplatz westlich von Hanoi. Die Idee war, sich dort festzusetzen, den Nachschub des vietnamesischen Generals Giap zu unterbrechen, seinen Vormarsch nach Laos zu blockieren und ihn zu einer Schlacht mit der überlegenen französischen Feuerkraft zu zwingen, die entscheidend sein würde.
"Eine Niederlage kann zu einem Sieg führen", beginnt der Rückblick des Figaro. "Um Dien Bien Phu zu verstehen, muss man sich an Na-San erinnern. Diese Schlacht, die von der französischen Armee gewonnen worden war, erklärt Dien Bien Phu ... und führte diese ganze Sache zu einem Desaster. Beide Schlachten lagen 18 Monate auseinander. General Giap, Kommendeur der Vietminh-Truppen, nutzte diese 18 Monate, um aus seiner Niederlage zu lernen. Auf der anderen Seite wurde der französische Oberkommandierende selbstsicherer als je zuvor."
In Na-San errichteten die Franzosen eine Basis ... auf einem Plateau. General Giap griff an. Die Franzosen hielten ihre Stellungen, während die Vietminh-Truppen hohe Verluste hinnehmen mussten: Giap verlor in einer einzigen Nacht 3.000 Mann.
Wenn die Franzosen sich in Südostasien selbst zerstören wollten, dann mussten sie sich etwas Besseres ausdenken. Sie fanden es: Dien Bien Phu.
Die grobe Beschreibung der Schlacht bei Dien Bien Phu lautet so: Französische Fallschirmjäger besetzten den genannten Flugplatz, per Luftlandungen wurde die Truppenstärke dann auf 15.000 Mann erhöht, unter Oberst Christian de Castries. Die Franzosen gruben Schützengräben und bauten ihre Basis auf, den einzelnen Stellungen gaben sie Frauennamen.
Dien Bien Phu lag nicht auf einem Plateau, sondern in einem Tal, es war von Hügeln umgeben und mitten im Dschungel. Wenn die Vietminh schwere Artillerie dorthin bringen könnten, dann würden die Franzosen in der Falle sitzen. Aber weder de Castries noch das französische Oberkommando dachten, dass General Giap das schaffen würde.
Die Überraschung begann am 13. März 1954. Die Artillerie von Giap – die tatsächlich dorthin geschafft worden war – beseitigte ihre Tarnung und eröffnete am Nachmittag das Feuer. Alle 6 Sekunden wurden die Franzosen von einer Granate getroffen ... immer weiter ... für die nächsten 56 Tage.
Dann schickte Giap seine Infanteriewellen. Das Camp "Gabrielle" wurde von den Vietminh erobert ... und dann von den französischen Fremdenlegionären zurückerobert, bevor es endgültig von den Franzosen aufgegeben wurde. "Beatrice" wurde aufgegeben, nachdem der Kommandeur dieses Camps getötet worden war ... dann fiel auch Anne-Marie.
Die Franzosen hielten aber ihre restlichen Stellungen. Die Vietminh schlossen sie ein. Am 26. März schaffte es ein Flugzeug, aus dem Kessel Verwundete auszufliegen. Das war das letzte Flugzeug, das das schaffte. Danach hatten die Franzosen die Kontrolle über die Flugfelder verloren. Sie konnten nur noch per Luftabwurf Nachschub erhalten; oft fiel der in die Hände der Feinde.
Laut dem Figaro wendete sich auch das Wetter gegen die Franzosen. Sie kämpften tapfer. Dann kamen die Regenfälle, und sie standen bis zu ihren Knien im Schlamm. Die französischen Ärzte operierten im Schlamm.
Am 6. Mai befahl Giap einen Großangriff. Dominique und Eliane waren schnell überrannt. Am 7. Mai befahl der französische Kommandeur, die Munitionsvorräte zu sprengen. Colonel Piroth beging Selbstmord. Um 17.30 Uhr begann ein vereinbarter Waffenstillstand, obwohl Isabelle bis zum nächsten Morgen 1:00 Uhr weiterkämpfte.
Tausende Franzosen wurden gefangen genommen. Laut Quellen waren die Vietminh nicht besonders gemein zu ihnen, sie waren ihnen eher gleichgültig. Die Sieger hatten selbst nur wenig zu essen, und sie hatten kaum Medizin. Die Franzosen – viele von ihnen verwundet – starben schnell. Sie wurden dazu gezwungen, 500 bis 600 Kilometer zu marschieren; nur wenige schafften das. Nur 3.900 Männer kehrten nach Frankreich zurück.
Aber die Franzosen sollten dennoch froh sein. Denn das war noch ein relativ kleiner Preis, der dafür gezahlt werden musste, um "die Illusionen zu beenden", wie es die Zeitung Figaro beschreibt.
General Giap hätte glücklich sein sollen. Vietnam ging es wahrscheinlich nie so gut wie zu dieser Zeit. Aber als er seine eigenen Illusionen des Erfolgs hatte, da griff er Südvietnam an ... und dann die gesamte amerikanische Armee.
Die Amerikaner schienen nichts vom Beispiel der Franzosen gelernt zu haben. De Gaulle warnte Kennedy davor, dass Vietnam ein Friedhof für die amerikanischen Soldaten werden würde. Aber im inflationären Boom der 'Kanonen und Butter'-Administration von Lyndon B. Johnson müssen die Amerikaner gedacht haben, dass sie könnten, was die Franzosen nicht geschafft hatten. Sie gaben viel mehr Geld aus für den Vietnam-Krieg als die Franzosen, sie verloren erheblich mehr Männer – aber Giap schlug sie ... genauso, wie er die Franzosen geschlagen hatte.
P.S. General Giap lebt immer noch. Der alte Mann, 91 Jahre alt, wurde vom Figaro interviewt und wurde gefragt, wie er die Situation Amerikas im Irak einschätzt:
"Wenn man versucht, seinen Willen einer anderen Nation überzustülpen, dann wird man besiegt werden. Jede Nation, die für ihre Unabhängigkeit kämpft, wird gewinnen."
"Was wir getan haben", so der alte Mann weiter, träumend, "war, zu kämpfen, für das Recht jedes Menschen, so zu leben und sich so zu entwickeln, wie er es will ... und für das Recht aller Menschen, ihre nationale Souveränität zu genießen."
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