Das Euro/Dollar-Problem: Um was geht es eigentlich?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. September 2007 07:30 Uhr
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Wie oben geschrieben, viel Luft sehe ich ganz kurzfristig für den Euro/Dollar-Kurs zwar nicht. Doch mittelfristig gehe ich schon davon aus, dass sich der Abstieg des Greenback fortsetzt. Was steckt eigentlich hinter der Euro/Dollar-Problematik? Warum ist ein zu starker Euro für uns Europäer ungünstig, welche Vor- und Nachteile bringt ein schwacher Dollar für die USA? Dazu ein paar Erklärungen:
Das Dollar-Problem der ausländischen Investoren
Für die US-Märkte, und dabei Aktien- wie Anleihemarkt gleichermaßen – wäre ein deutlich schwächerer Dollar in sofern problematisch, als dass die höchst wichtigen ausländischen Investoren sich mit Währungsverlusten konfrontiert sähen, die weitere Käufe unattraktiv machen und sogar einen teilweisen Kapitalabzug aus den USA nahe legen könnten. Wer eigentlich 10% mit einer Aktie verdient hat, von denen aber durch einen fallenden Dollar nur noch 5% in der Heimatwährung ankommen, der überlegt es sich, nicht lieber in anderen Märkten zu investieren.
Nun sind die immensen Summen gerade aus Asien, ohne die die US-Märkte gar nicht mehr lebensfähig wären, letztlich nicht wirklich gefährdet. Denn wenn die US-Märkte durch einen gigantischen Kapitalexodus zusammenbrechen, hat das weltweite Auswirkungen – und wer schneidet sich schon gerne ins eigene Fleisch.
Aber in der aktuell sensiblen Marktphase kann durchaus alleine die Befürchtung, die Gerüchte, dass es dazu kommen könnte, für Verkäufe sorgen. Nervöse Anleger reagieren sehr sensibel und manchmal auch recht irrational ... das muss man einkalkulieren.
Das Dollar-Problem der Europäer
Für die europäischen Märkte hat ein schwacher Dollar ebenfalls negative Auswirkungen, aber die sind ganz anderer Natur. Dazu muss man sich erinnern, dass die USA Dauer-Nettoimporteure sind, also regelmäßig für 60 bis 70 Milliarden Dollar monatlich mehr Waren importieren als sie selbst exportieren.
Die USA sind also für den Rest der Welt ein wichtiger Exportmarkt. Und fällt der Dollar, bekommen die Exporteure Probleme. Zum besseren Verständnis dazu ein Beispiel:
Nehmen wir an, dass ein deutscher Exporteur einen Euro für eine Ware in den USA bekommen möchte. Das bedeutet, dass er die Ware vor gut vier Wochen zu 1,34 Dollar anbieten musste, denn das war der genaue Gegenwert zu einem Euro.
Steigt nun der Euro zum Dollar wie jetzt auf 1,41, hat der deutsche Hersteller zwei Möglichkeiten, die aber beide gleich unerfreulich sind: Entweder, er erhöht den Verkaufspreis parallel zum Dollar-Verfall (sprich Euro-Anstieg) auf 1,41. Das würde bedeuten, dass er mit weniger Umsatz und damit weniger Gewinn rechnen muss, weil weniger Käufer bereit sein werden, zu diesem höheren Preis zu kaufen.
Oder er belässt den Verkaufspreis bei 1,34 Dollar, was zwar den Umsatz stabil hält, dafür aber den Gewinn klar verringert. Für den Aktienkurs des Unternehmens, das diese Probleme zu meistern hat, sind beide Aussichten verständlicherweise gleich unschön.
Schon die psychologische Wirkung kann Fakten schaffen
Sie sehen: So ganz ohne ist dieser Euro/Dollar-Anstieg für die Aktienmärkte nicht. Dabei würde es vor allem um den psychologischen Effekt gehen: Was wäre, wenn die Ausländer Kapital aus den USA abzuziehen? Was wäre, wenn die hiesigen Exporteure weitere Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen müssen? Und dies immer vor dem Hintergrund:
Wenn der Euro sein jetziges hohes Niveau noch ein wenig hält oder gar ausbauen sollte, werden wieder zahllose Auguren aus der Versenkung geholt, die diesen Ausbruch (angeblich) schon immer vorhergesehen haben und nun gleich von 1,50 im Euro-Dollar-Verhältnis phantasieren ... und für Unruhe sorgen, welche die momentan empfindlichen Marktteilnehmer noch nervöser machen dürfte.