Das erste Rezept
John Myers in Investors Daily
vom 26. Juni 2003 18:00 Uhr
ENL5454
"Das erste Rezept für eine schlecht geführte Nation ist eine Inflation, das zweite ist Krieg. Beide bringen temporären Reichtum; beide bringen permanenten Ruin. Aber beide sind die Zuflucht von politischen und wirtschaftlichen Opportunisten."
- Ernest Hemmingway
Die amerikanische Schuldenlast ist bereits so groß, dass die Nation bereits mehr als 1,7 Billionen Dollar pro Jahr – oder 15 % des BIPs – für den Schuldendienst aufbringen muss. Und dieser Anteil wächst.
So werden z.B. die Kosten für die Invasion und Besetzung des Irak wahrscheinlich auf insgesamt 700 Milliarden Dollar explodieren. Währenddessen verlangt das Pentagon einen Militärhaushalt für nächstes Jahr von 380 Milliarden Dollar, um den Geheimdienst des Militärs und eine schnelle Eingreiftruppe verbessern zu können.
Das ist mehr Geld für den Verteidigungshaushalt, als die kombinierten Verteidigungsausgaben von Russland, China und Gesamt-Europa betragen.
Angesichts all dieser Verpflichtungen – plus den Steuersenkungsplänen von Präsident Bush – addiert die US-Bundesregierung jedes Jahr eine halbe Billion Dollar neuer Schulden zum bereits vorhandenen Schuldenberg. Bis 2005 wird sich die gesamte Schuldenlast der USA auf ungefähr 8 Billionen Dollar belaufen – oder ungefähr 2/3 des BIPs. Angesichts dieser wachsenden Schulden ist es kein Wunder, dass die Fed die Inflation wieder steigern will. Die US-Regierung würde es lieben, wenn sie die heutigen Schulden morgen mit billigeren Dollar zurückzahlen könnte. Besonders deshalb, weil sie einen Großteil davon an Ausländer zahlen würde.
Ausländische Zentralbanken halten US-Anleihen im Volumen von 749 Mrd. Dollar – oder mehr als 20 % dieser Papiere. Im letzten Jahr sind die amerikanischen Vermögensanlagen der ausländischen Zentralbanken um 163 Mrd. Dollar gestiegen – die Bank of Japan hält mit einem Zuwachs von 34 Mrd. Dollar (an US-Anleihen) alleine im letzten Mai den Rekord.
Die Ausländer besitzen immer mehr an Amerika – ungefähr "8 Billionen an US-Vermögensanlagen, darunter 13 % aller Aktien und 24 % der Unternehmensanleihen", so Bridgewater Associates.
Angesichts der wachsenden Abhängigkeit Amerikas von der "Freundlichkeit der Ausländer" würden sich die USA nicht trauen, ihre Schulden einfach nicht zurückzuzahlen. Aber das bedeutet nicht, dass sie Bedenken hätten, ihre Schulden mit abgewerteten Dollar zurückzubezahlen.
Einige Leute sagen, dass die US-Regierung nicht die Macht hat, die eigene Währung abzuwerten; wenn Washington das versuchen würde, dann würden die Anleihenmärkte sofort und ernsthaft reagieren. Aber diese Leute bedenken nicht, dass der größte Teil der Welt so viele US-Vermögensanlagen hält, dass dies Auswirkungen hat. Folgende: Die massiven 8 Mrd. Billionen Dollar schweren US-Vermögensanlagen, die die Ausländern besitzen, sind ein guter Grund dafür, dass die ausländischen Zentralbanken eben guten Grund dazu haben, ihre Bestände an US-Aktien und US-Anleihen NICHT zu liquidieren, selbst wenn die USA den Dollar systematisch abwerten sollten. Das Liquidieren dieser Bestände an US-Aktien und US-Anleihen könnte schließlich zu einem Teufelskreis der Dollarschwäche führen, was zu weiteren Verkäufen von US-Aktien und US-Anleihen führen würde, was zu einer weiteren Dollarschwäche führen würde, und so weiter. Washington hat deshalb die stillschweigende Zustimmung der ausländischen Investoren zu einer Abwertung des Dollar; allerdings nur zu einer langsamen Abwertung.
Und das ist präzise der Weg, den die Fed eingeschlagen hat. Ich gehe davon aus, dass die Fed mit ihrer Politik Erfolg haben wird, wenn es um das Wiederbeleben der Inflation geht. Schließlich zeigt die Geschichte, dass Zentralbanken Währungen gut zerstören können. Zentralbanken können jede Währung zerstören, wenn sie das wollen ... sogar den Dollar.
Lassen Sie mich die historische Entwicklung untersuchen. Zwischen 1970 und 1981 hat sich in den USA die Geldmenge M2 verdreifacht! 11 Jahre in Folge wurde ein Rekordbetrag an Liquidität in die Wirtschaft injiziert. Aber die 1970er zeigten, dass Geld nicht automatisch Reichtum bedeutet. Von Anfang 1971 bis Ende 1979 blieb das Wachstum des BIP extrem schleppend, mit etwa 2 % Plus pro Jahr. Gleichzeitig stiegen die Konsumentenpreise in dieser Zeitspanne um durchschnittlich 6,5 % pro Jahr. Bis 1980 hatte der Dollar die Hälfte seiner Kaufkraft verloren, die er 10 Jahre vorher besessen hatte!
"Reflation" ist kein Freund des Aktienmarkts. Im Sommer 1971 – als Präsident Nixon den Goldstandard aufgab – stand der Dow Jones bei 900 Punkten.
Im Nachhinein gesehen war 1971 eine exzellente Zeit, um die großen Aktien-Standardwerte zu verkaufen und Gold und andere Edelmetalle zu kaufen. Aber kaum jemand realisierte das. Im Frühjahr 1980 stand der Dow Jones bei 759 Punkten. Das klingt nicht nach einem gewaltigen Verlust, wenn man bedenkt, dass das Hoch bei rund 1.000 gelegen hatte – erreicht 1966. Aber das sieht anders aus, wenn man die Inflation berücksichtigt. Denn 1980 stand der Dow Jones in Preisen von 1966 bei 404 Punkten. Real gesehen hatte der Aktienmarkt damit in den 1970ern fast die Hälfte seines Wertes verloren, und seit dem High im Jahr 1966 fast 2/3 an Wert.
Genau anders sah es beim Gold und sonstigen Edelmetallen aus. Fiskalische Unverantwortlichkeit und ein übermäßiger Dollar-Drucken führten die Investoren zu Edelmetallen und den Unternehmen, die diese förderten bzw. produzierten. Die erste Welle der Investoren suchte einfach Schutz vor Inflation. Aber als mehr und mehr Geld in diese Werte floss, da konnten die steigenden Kurse dieser Anlagen die Verluste durch den fallenden Dollarkurs mehr als überkompensieren.
Während die meisten Amerikaner am Aktien- und Anleihenmarkt große Verluste hinnehmen mussten, konnten einige vorwärts blickende Investoren mit bestimmten Anlagen unglaubliche Gewinne machen. Die Aktien von Unternehmen, die Rohstoffe suchten und förderten ( ...) stiegen die gesamte Dekade lang. Einige kleinere Goldminenaktien konnten sich um den Faktor 10 vervielfachen, während sich auch die Kurse von größeren Ölgesellschaften verdoppelten oder sogar verdreifachten. 30 Jahre später können Schuldenberge nur mit abgewerteten Dollar noch bezahlt werden. Die Geldmenge wächst stark, und der Dollar hat seinen Abschwung längst begonnen. Gleichzeitig steigen die Rohstoffpreise – obwohl sie wegen der schwachen Wirtschaftslage eigentlich fallen sollten. Das sagt mir, dass die Finanzmärkte die Zeichen einer bevorstehenden Inflation bereits wahrnehmen. Es ist Zeit, sich darauf einzustellen!