Das Erdöl und die Teuerung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 2. März 2011, 20:00 Uhr
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Der Ölpreis steigt, die Edelmetallpreise auch, aber FED-Häuptling Bernanke glaubt nicht an die Teuerung.
Obgleich noch nicht einmal 2 Monate vergangen sind, seit meinem Rohöl-Jahresausblick vom 12. Januar, sehe ich mich doch schon wieder zu einem kleinen Zwischenupdate gezwungen. Vielleicht erinnern Sie sich noch, am 12. Januar schrieb ich: "In der Regel würde ich davon ausgehen, dass wir die 100 USD-Marke in diesem Jahr wahrscheinlich wieder sehen werden. Allerdings gibt es noch weitere Faktoren zu bedenken. Da ist zum einen die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die Überflutung der Märkte mit Liquidität, die bereits im vergangenen Jahr die Rohstoffpreise angetrieben hat. Und obwohl der Ölpreis wohl auch in diesem Jahr, allein von fundamentaler Sicht her, nicht das Potenzial hat, welches andere Rohstoffe noch inne haben, dürfte ein genereller Antrieb der Rohstoffpreise auch den Ölpreis mit nach oben drücken, so dass möglicherweise, je nachdem, ob sich die Stimmung später im Jahr wieder in einer Übertreibung kehrt, auch die 100 USD-Marke überschritten werden könnte...nach unten hin sollte der Ölpreis bei 80 USD eigentlich ein stabiles Preislevel vorfinden..."
Tja, was soll ich sagen?! Ich sage Ihnen sicher nichts Neues, wenn ich Ihnen jetzt mitteile, dass die Ölpreise nach unten gut abgesichert waren und mittlerweile über 100 US-Dollar pro Barrel bzw. im Falle von Brent Crude weit über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen sind. Genauer gesagt: während WTI derzeit bei knapp über 100 USD notiert, handelt Brent bei über 116 USD pro Barrel.
Nun wissen wir natürlich auch alle, dass das vornehmlich den Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika (und allem was dazu gehört mit Produktionsausfällen und Gerüchten die von einem Übergreifen auf Saudi Arabien sprechen) zu verdanken ist, denn die hohen Lagerbestände in den OECD-Staaten und insbesondere in den USA sind eher nicht dazu angetan gewesen, den Ölpreisanstieg zu beschleunigen.
Temporäre Teuerung
Und das ist wohl auch der Grund weshalb FED-Häuptling Bernanke auf die derzeit steigende Teuerung nicht so viel gibt. Zugegeben, in den USA ist die Teuerung ja derzeit auch noch nicht so hoch wie zum Beispiel hier (Nach gestern veröffentlichten ersten Schätzungen von Eurostat ist die Jahresteuerung in Europa im Februar auf 2,4% gestiegen, von 2,3% im Januar. Heute legten dann die Erzeugerpreise noch einen oben drauf. Wie Eurostat heute bekannt gab, sind die Erzeugerpreise für die Eurozone auf Jahresbasis um 6,1% gestiegen im Januar. Für die EU27 ergibt sich sogar ein Wachstum von 6,5% gegenüber Januar 2010.) oder in China.
Und weil die westlichen Häuptlinge jetzt wohl vor allem die steigenden Ölpreise für die Teuerung verantwortlich machen, hoffen sie jetzt auch alle, dass sich das schon wieder geben wird, sprich der Ölpreis bald wieder fällt und die Teuerung zurück in ihren Rahmen rutscht, bzw. nicht weiter deutlich ansteigt. Konkret: EU-Energiekommissar Oettinger wünschte sich am Montag schon ganz konkret, dass der Ölpreis bald wieder fällt. Und Bernanke redete die Teuerung vor dem Kongress klein, bezeichnet sie als moderat und temporär.
Oh je, hoffentlich werden das keine enttäuschten Hoffnungen sein. Denn im Moment sieht es nicht danach aus, als hätte der Ölpreis vor, sich bald den Wünschen von Oettinger und Bernanke zu beugen. Zum einen liegt das daran, dass die Unruhen im Süden aktuell ja weiter gehen.
Zum anderen aber gibt es nach wie vor eine ganze Reihe an Gründen, die eine wachsende Teuerung unterstützen.
Dazu gehört aber auch wieder besagter FED-Chef Bernanke, der dem Kongress heute zwar erzählt hat, er werde das Preislevel schon ganz genau beobachten, im gleichen Atemzug aber auch seine wirkliche Priorität nannte: die wirtschaftliche Erholung und der Arbeitsmarkt. Nun erholt sich da in Übersee zwar schon etwas, nur ist das noch längst nicht genug. Besonders der Arbeitsmarkt macht Ben zu schaffen. Der Stellenzuwachs ist zwar da, aber noch lang nicht stark genug, um all die Arbeitslosen und die neu dazukommenden Schulabgänger unterzubringen. Und auch der Häusermarkt macht weiterhin Probleme mit sinkenden Preisen und Banken, die auf dem Löwenanteil der Immobilien sitzen bleiben. Für Ben jedenfalls ist die ganze Erholung noch längst kein Grund um euphorisch zu werden. Dementsprechend teilte er einem vorwitzigen Kongress-Mitglied auf dessen Frage nach einer möglichen dritten Runde von Staatsanleihenaufkäufen mit, dies liege einzig in der Verantwortung der FED und deren Aufgabe sei es für maximale Beschäftigung zu sorgen.
Na dann...das sagt mir jedenfalls, dass Ben seinen Weg so schnell nicht verlassen wird und vielleicht sogar, wenn es nötig werden sollte, auch eine dritte Anleihenaufkaufrunde einläutet. Wie auch immer, die Geldschleusen bleiben jedenfalls offen, so lange sich der US-Arbeitsmarkt nicht wirklich stabilisiert.