Das Erbe
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 05. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5462
Zuerst will ich Ihnen noch einmal den Trade des Jahrzehnts in Erinnerung rufen. Den Dow verkaufen ... Gold kaufen.
Nun, im Jahr 2000 starb eine Tante und hinterließ meinen Kindern ein sehr kleines Erbe. Ich hielt mich an meinen eigenen Rat, mehr oder weniger. Ich habe für jedes der Kinder ein Konto eröffnet und das Geld in Newmont Mining gesteckt, und es danach vergessen. Aber jetzt ist Maria 21 Jahre alt geworden. Sie muss jetzt selbst die Verantwortung für ihr Konto übernehmen.
„Was soll ich damit machen … vielleicht sollte ich das Geld in etwas anderes investieren. Ich denke, ich sollte in China investieren ... da gibt es mehr Wachstum“, stellte sie fest.
Sie hat Recht. Die chinesischen Aktien steigen IM MONAT um ungefähr 10%. CITIC, ein schnell wachsendes chinesisches Brokerunternehmen, soll heute 40 Milliarden Dollar wert sein – oder 8 Milliarden mehr als Lehman Bros. und 24 Milliarden mehr als Bear Stearns.
Betrachtet man den gesamten Korb der Schwellenmärkte, dann findet man dort außerordentliches Wachstum. Gold ist es in den vergangenen sieben Jahren sehr gut ergangen – es ist um mehr als 150% gestiegen. Aber die chinesischen Aktien sind in nur 15 Monaten um den gleichen Wert gestiegen. Aktien der Schwellenländer sind ganz allgemein seit 2000 doppelt so schnell gestiegen wie Gold. Seit der Boden im Jahr 2002 erreicht wurde, sind die Aktien der Schwellenmärkte um das Vierfache gestiegen.
Newmont Mining ist es ganz gut ergangen; das Unternehmen ist heute doppelt so viel wert wie zu dem Zeitpunkt als ich gekauft habe. Aber es ist ein Hinkefuß verglichen mit den Aktien der Schwellenmärkten.
Wenn man ein weiteres Jahrzehnt zurückblicken würde, dann würden Sie mit den Schwellenmärkten immer noch ein auffallend gutes Geschäft gemacht haben. Der MSCI Index ist – in Dollar gemessen – von ungefähr 200 in den Neunzigern auf ungefähr 1200 heutzutage gestiegen – das ist ein Anstieg von 500%. (Derweil ist der Goldpreis nur moderat gestiegen.)
Und wenn man noch weiter zurückblickt … bis in das schicksalsschwere Jahr 1971 … als der Dollar und Gold endgültig getrennter Wege gingen, dann fragt man sich, wo das große Geld verdient wurde.
Mit amerikanischen Aktien – die um das 13fache gestiegen sind. An den Schwellenmärkten – die um ein bisschen mehr gestiegen sind. Und bei Gold – das von ungefähr 41 Dollar auf 730 Dollar gestiegen ist – ein Anstieg um ungefähr das 18fache – jedoch, zugegeben, mit langen Zeitphasen, in denen der Goldpreis gemessen am Dollar gefallen ist. Aber Gold ist nicht wirklich eine Investition. Gold misst einzig und allein das Ausmaß des Dollarrückgangs. In den vergangenen 36 Jahren hat die einfache Wette gegen den Dollar fast jede andere der großen Anlageklassen leistungsmäßig übertroffen.
Am vergangenen Freitag ist der Dollar auf ein neues Rekordtief im Vergleich zum Euro gefallen. Verglichen mit Gold ist der Dollar auch gefallen – und hat den Goldpreis auf fast 740 Dollar gehoben. Öl ist wieder auf über 80 Dollar geklettert. Und der Rohstoffindex hat ein neues Rekordhoch erreicht.
Was wird als Nächstes passieren? Wird das Geld, das auf Bäumen wächst, nun doch seine Wurzeln finden? Wird es so hoch und gerade stehen wie eine mächtige Eiche? Oder wird es auch weithin vertrocknen? Vielleicht sogar weggeweht werden?
“Ich würde mich noch ein bisschen an Newmont halten”, habe ich Maria geraten.
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