Das E.ON-Paradox
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 12. Oktober 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Der Energiekonzern machte 2008 einen Gewinn von 69 Cent je Aktie. Da an der Börse bekanntlich die Zukunft gehandelt wird, betrachten wir entsprechend den Durchschnittskurs des Jahres 2007, wo in der Theorie der 2008er-Gewinn eingepreist worden sein sollte. Diesen 2007er-Durchschnitt ermittle ich, indem ich am Ende des Jahres die 52-Wochen-Linie heranziehe. Ende Dezember lag dieser 52-Wochen-Durchschnitt bei etwa 40 Euro.
Für 2011 wird trotz mehrerer Gewinnrevidierungen (Stichwort Atomausstieg, Stilllegung mehrerer AKWs) noch immer ein Gewinn von 130 Cent je Aktie erwartet. Das sind etwa 88 Prozent mehr als 2008! Wo aber steht der Aktienkurs: Nach einem langen Sturzflug stabilisierte er sich in den vergangenen Monaten zwar, allerdings erst auf einem sehr niedrigen Niveau von etwa 13/14 Euro, zuletzt kam es immerhin zu einer leichten Erholung auf knapp 18 Euro.
Fassen wir zusammen: Korrespondierte also 2007 ein E.ON-Aktienkurs von 40 Euro mit einem Gewinn je Aktie von 69 Cent, so liegt das aktuelle Verhältnis bei 18 Euro und 130 Cent (eigentlich müsste ja sogar bereits der erwartete 2012er-Gewinn von 165 Cent einfließen!).
Dieses Beispiel zeigt: Glauben Sie nicht, dass es an der Börse immer rational zugeht.
Was aber sind überhaupt die kurzfristigen Kurstreiber einer Aktie?
Zum zweiten Teil von: Die wichtigsten Einfluss-Faktoren für den Aktienkurs
