Das Ende einer Glückssträhne?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Februar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Es ist jedes Mal besorgniserregend, wenn Leute in verantwortlichen Positionen mit mir einer Meinung sind. Es macht mir z.B. Sorgen, dass so viele Leute heute glauben, dass wir eine Rezession erwarten. Vielleicht werden wir doch keine bekommen. Oder… vielleicht werden wir auch nicht die Rezession bekommen, die alle erwarten.
Von den Experten heißt es, sie seien alle düsterer Stimmung. Aber was ist das für eine düstere Stimmung, bei der die Aktien in einem kommunistischen Land für ein KGV von 37 getradet werden. Und bei der Picassos und tote Tiere verkauft werden, als seien es große Kunstwerke;
bei der die Ertragsrate auf eine Schatzanleihe über zehn Jahre immer noch unter der Rate der Verbraucherpreisinflation liegt? Wir wissen, dass Schatzanleihen die sicherste Geldanlage der Welt sein sollten – aber die meisten Besitzer sind keine amerikanischen Steuerzahler.
Es sind Ausländer, für die die amerikanischen Schatzanleihen eine wilde (und meiner Meinung nach unverantwortliche) Spekulation auf den Dollar sind. Sind die Investoren wirklich Risiken gegenüber abgeneigt – wenn der Dow auf dem fast höchsten Wert aller Zeiten liegt und sich mit einem KGV von 18 verkauft? Sind sie wirklich ängstlich, weil Hauspreise um knapp 10% gefallen sind, nachdem sie zuvor um 70% gestiegen waren?
Sind sie wirklich in verzweifelter Lage, wenn der Goldpreis immer noch bei nur ungefähr 40% - real – des letzten Höchstwerts von vor 26 Jahren liegt?
Um zu den Nachrichten aus dem Immobiliensektor zurückzukehren. Die San Francisco Gate berichtet, dass ein Jahreseinkommen von 196.000 Dollar nötig ist, um sich bequem ein durchschnittliches Haus in San Francisco leisten zu könne. Im Landkreis Marin muss man 218.000 Dollar verdienen. Wie viele Leute verdienen wirklich so viel Geld? Die Geschichte ist in weiten Teilen des Landes die Gleiche. Hauspreise in Kalifornien sind um 15% bis 20% zurückgegangen… aber ein durchschnittliches Haus ist für einen durchschnittlichen Hauskäufer immer „immer noch nicht bezahlbar“.
Als Bernanke dem Kongress in der vergangenen Woche die schlechte Nachricht überbrachte, war die Botschaft, die er übermittelte, nicht ganz so schlecht, wie man vielleicht meinen könnte. Er sagte, die Wirtschaft sei schwächer als erwartet, aber sie würde sich noch vor Ende des Jahres wieder erholen. Und das ist die Nachricht, die von fast allen Experten verbreitet wird:
Halten Sie in der ersten Jahreshälfte Ausschau nach einem Konjunkturrückgang und nach einer Erholung später im Jahr.
Gestern stellte ich fest, dass die Hausbesitzer normalerweise davon ausgehen, dass ein Rückgang der Immobilienpreise zwei Jahre andauert. Sie glauben immer noch, dass die „Hauspreise langfristig immer steigen.“ Aktienkäufer scheinen das gleiche zu glauben. Viele sprechen schon heute von einer Talsohle. Einige glauben, dass diese bereits im Januar überschritten wurde. Sie glauben, dass wir heute in einer Phase sind, die ihrer Meinung nach ein ewiger Bullenmarkt ist.
Mr. Market hat immer noch ein Ass im Ärmel. Was wäre, wenn seine große Überraschung darin bestünde, dass diese Konjunkturabschwächung nicht nach sechs Monaten ihr Ende erreicht. Was, wenn die Hauspreise noch fünf Jahre länger nach unten gehen… oder noch länger?
Was, wenn wir an der Wall Street einen großen Bärenmarkt erreicht haben, bei dem der Dow real in den nächsten 15 Jahren weiter fallen wird? Und was, wenn Warren Buffet falsch liegt? Was, wenn Amerika den Gipfel hinter sich gelassen hat?
Was, wenn nach 232 Jahren des Aufstiegs in der Welt… jetzt ein Abstieg von 232 Jahren folgt? Was, wenn es heute klug ist, die USA zu verkaufen – die Währung, die Aktien, die Arbeitskraft und sogar das Militär?
Die Amerikaner sind in den Genuss einer außergewöhnlichen Glückssträhne gekommen. Sie hatten reiches Land… mit gewaltigen Ölvorräten darunter. Sie hatten tatkräftige Arbeitskräfte und geringe Steuern. Sie hatten Erfinder, Risikoträger… und eine Regierung, die sie in Ruhe ließ. Sie hatten eine sparsame, hart arbeitende Bevölkerung, die um nichts bat, außer um die Möglichkeit, arbeiten zu können.
Diese Kombination von harter Arbeit und Glück brachte Amerika an die Spitze der Welt. Aber das ist das Problem mit der Weltspitze:
Es gibt von dort aus keine andere Richtung als talwärts.
Heute importieren die USA Lebensmittel… und Brennstoff. Die Regierung versucht nicht nur das Leben der Bürger zu kontrollieren, sondern auch das Schicksal von Menschen, die auf der anderen Seite der Welt leben.
Die Bürger arbeiten härter als je zuvor… aber heute stehen sie mit Leuten im Wettbewerb, die noch härter arbeiten… Leute, die bereit sind, für ein Zehntel des Lohns zu arbeiten und die dann die Hälfte dessen, was sie verdienen, sparen.
Diese amerikanischen Bürger beugen sich heute unter der schwersten Last der privaten und öffentlichen Schulden, die die Welt je gesehen hat, während die Regierung sie weiter ermuntert, Geld auszugeben.
Und jetzt habe ich eine Überraschung für Sie, liebe Leser. Was wäre, wenn diese großartige Wirtschaft nicht „noch stärker daraus hervorgehen wird“, sondern gelähmt und sich davon NIE erholen würde.