Das Ende des Bullenmarktes am Allzeithoch des Dows?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 10. Mai 2006 18:00 Uhr
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Es ist einige Jahre her, es war wohl Ende 2002/Anfang 2003, da habe ich bei einer Analsye des Dow Jones Langfristchart zu einem Traderkollegen gesagt: "Hm, das könnte jetzt natürlich auch ein riesiges Doppeltop geben. Okay,"fügte ich lachend hinzu, "allerdings nur, wenn der Dow nun ein paar tausend Punkte ansteigen wird und wieder zu 11750er Marke läuft, das dann natürlich auch noch ähnlich dynamisch wie der Abwärtstrend."
Nein, ich habe diese Aussage damals nicht ernst gemeint, denn ganz ehrlich, ich habe nicht wirklich an diese Möglichkeit geglaubt. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass in vergleichsweiser kurzer Zeit der Dow wieder auf 11750 Punkte steigen könnte – keine Frage.
Charttechnische Marken, welche die Kurse anziehen
Aber ich glaube spätestens seit Ende 2004 / Anfang 2005 – damals schon einige Zeit wieder im Bullenlager angekommen, schreibe ich von der 11750er Marke und davon, dass solche Marken (Allzeithoch) dazu neigen, Kurse anzuziehen, besonders wenn mittlerweile viel Zeit vergangen ist. Es hat dann insgesamt doch etwas länger gedauert als gedacht. Damals bot mir sogar ein Leser ohne Gegenwette einen Kasten Bier an, wenn der Dow diese Marke schaffen wird.
Aber er hat es geschafft. Auch wenn jetzt noch wenige Punkte fehlen, sind es doch nur etwas weniger als 1 % .
Wenn ich mir heute den Dow-Chart anschaue, dann muss ich feststellen, ich hätte mir damals besser glauben sollen. Und tatsächlich, es sieht ein wenig nach "Doppeltop" aus. Sogar die Entwicklung des Umsatzes stimmt und die sonstige Kursentwicklung wirkt ziemlich symmetrisch. Hier der Chart dazu:
[Kleiner Einschub: Und da sagt man immer, Indizes seien "langweilig". Immerhin ist der Dow Jones in nur 20 Jahren von 1000 auf 11000 Punkte angestiegen. Das ist ein Anstieg von mal eben 1000 %! Wenn man das auf den Dax übertragen würde ...]
Perspektivwechsel sind immer interessant
Und so habe ich spaßeshalber den Dow-Chart auf den Kopf gestellt, um den charttechnisch Interessierten unter Ihnen, einmal einen ganz anderen Eindruck zu vermitteln:
Wenn Sie diesen Chart sehen, würden Sie nun noch weiter auf fallende Kurse setzten? Nein, sicher nicht. Ich denke, Sie würden eher einen Kauf überlegen. Okay, wenn allerdings der Kurs doch noch durch den großen Widerstand (rote Linie) nach unten bricht, kann es weiter und weiter nach unten gehen. Wenn dieser jedoch hält, dann wäre dieser auf den Kopf gestellte Chart ein Kauf.
Und damit zurück zu dem normalen Dow-Chart: Genau das beschreibt das aktuelle charttechnische Dilemma. Charttechnisch können Sie im Prinzip nur festhalten: Hält die 11750er Marke (oder wird Sie nur ganz kurz gebrochen) dann kann sich ein Doppeltop ausbilden. bzw. schlussendlich auch bestätigen. Besonders wenn sich nun auch noch eine kleine Topformation an dieser Linie bilden würde. Bricht die Marke jedoch nachhaltig, kann es weiter und weiter gehen.
Seltsame, aber häufige Konstellation
Interessant finde ich, dass solche charttechnische Entscheidungen oft genau mit wichtigen fundamentalen Ereignissen zusammen fallen. So aktuell die Fed-Entscheidung: Wird Ben Bernanke andeuten, dass es zu einem baldigen Aussetzen der Zinserhöhungen kommen wird? Oder wird er nichts Neues sagen?
Nach 14 Zinserhöhungen ist die Frage, ob es zu einem Ende der Zinserhöhung kommt, schon eine ähnlich entscheidende Frage, wie die Frage ob der Dow sein Allzeithoch nachhaltig schafft oder nicht. Noch interessanter wird, wie die Märkte auf die Äußerungen reagieren. Denn im Gegensatz zu einigen Analysten halte ich die möglichen Reaktionen des Marktes bei weitem nicht für eindeutig.
Würde die Fed heute die Zinsen unverändert lassen und einen Kommentar in Richtung weiterer Zinserhöhungen in näherer Zeit verlautbaren lassen, müssten wir eventuell sogar mit einem scharfen Einbruch rechnen. Denn dann wäre das "Ereignis", auf das die Märkte evtl. getradet haben, bereits erreicht: Sell the facts!
Wenn er die Zinsen ein letztes Mal anhebt, und davon ist auszugehen, und dann Andeutungen in Richtung einer Aussetzung von sich gibt, dann könnte das die Märkte beflügeln. Dann wird es von den weiteren Kommentare der Fed abhängen.
Und wenn das Statement unverändert bleibt? Hm, wahrscheinlich wird es dann eine kräftige Abwärtsbewegung mit anschließender Aufwärtsbewegung geben, insgesamt zum Schluss ein Non Event.
Aber, auch das muss gesagt sein, der Markt findet oft auch ganz eigene Gründe zu steigen oder zu fallen. Wie immer gilt: Die entscheidenden Bewegungen werden nicht heute, sondern erst morgen vielleicht sogar übermorgen geschehen.
Und immer wieder das Zauberwort: Trend
Ich bin insgesamt immer noch optimistisch. Noch immer ist unser Trend der beste Freund, den wir haben. Aber ich beobachte weiterhin genau was passiert. Im Moment noch genauer, als sonst. Nicht umsonst stelle ich Ihnen hier auch immer wieder die Gründe für meine Bedenken und Sorgen vor.
Also warten wir ab, was Green Berny der geneigten Zuhörerschaft zu sagen hat und wie sehr die Märkte das wieder missverstehen werden.