Das Ende der zweifelhaften Ratings?
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Ratingagenturen
vom 23. Juli 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
es ist irgendwo schon bemerkenswert:
Kaum verabschiedet die Obama-Administration in den USA ihr neues Gesetzeswerk zur Finanzmarktregulierung, macht sich Panik unter den sog. "Rating-Agenturen" breit.
Galten bisher deren Äußerungen lediglich als Meinungsäußerungen, haben diese nun den Status von "Expertenurteilen".
Sollte man hier nicht erwarten, dass sich eine Rating-Agentur darüber freuen würde, nun gewissermaßen die eigene Arbeit gesetzlich aufgewertet zu sehen?
Das Gegenteil ist offenbar der Fall, wie die Financial Times Deutschland berichtet:
Doch Standard & Poor's, Moody's und Fitch reagierten wenige Tage zuvor auf diese Auszeichnung eher panisch: In einem Schreiben forderten sie ihre Kunden auf, bei der Emission neuer Finanzprodukte ihre Bewertungen doch bitte vorerst nicht mehr zu verwenden.
Den Hintergrund hierzu liefert die FTD dann auch direkt nach:
Die drei Branchengrößen haben mitnichten den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit verloren. Sie schockiert ein kleiner Passus der Reform, der erst kurz vor der endgültigen Abstimmung in die Textvorlage gelangte. Er sieht vor, dass die Agenturen als "Experten" künftig für ihre Bewertungen verantwortlich gemacht werden können - notfalls auch vor Gericht. Bisher galten ihre Bewertungen nur als Meinungsäußerungen, die von der Verfassung entsprechend geschützt sind.
Hat es sich nun etwa ausgespielt, was gekaufte AAA-Ratings für alle möglichen Müllkredite betrifft?
Es scheint tatsächlich so. Ein letztes Mal die FTD:
Nun haben nicht nur die Agenturen ein großes Problem. Auch die Emittenten sind starr vor Schreck: Zahlreiche Unternehmen, die mit Verbriefungen in den Startlöchern standen, halten diese jetzt zurück. Denn für die Registrierung bei der Börsenaufsicht SEC ist bei vielen Finanzprodukten - vor allem jenen, die sich aus Verbraucherkrediten wie Hypotheken und Autokrediten zusammensetzen - die schriftliche Bewertung durch eine Agentur Bedingung. Und genau diese verweigern sie jetzt.
Sicherlich wird man versuchen, mit Anwälten an entsprechenden Lösungen zum "Umschiffen" dieser Hürden zu arbeiten. Vorerst dürfte es also um manch eine Agentur erst einmal ruhiger werden, denn wenn sich eine Agentur zu einer offiziellen Bewertung hinreißen lassen würde, müsste sie ja nun letztlich selbst an das glauben, was sie schreibt...
Vorerst also einmal Schluss für zweifelhafte, nach Gefälligkeit riechende Gutachten, wie wir sie in der Vergangenheit gerade im Bereich der Häuserkrise immer wieder sahen?
Wir werden sehen...
Beste Grüße
P.S.:
Und während die drei großen Ratingagenturen im Westen vorübergehend in Schockstarre sind, ätzt Chinas Ratingagentur munter gegen ihre US-Rivalen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von hajo (23.07. 2010 20:50 Uhr):
Nun, inzwischen hat sogar die SEC die Erfordernis der Meinungsabgabe bei einer Neuemission vorübergehend ausgesetzt ! So geht das. Und in einigen Monaten ist das die Normalität! Kommt doch irgendwie bekannt vor, dass die SEC müde Augen hat.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (26.07. 2010 12:01 Uhr):
Hajo, das kommt ganz darauf an, was man der SEC denn zum Betrachten vorsetzt (Link ohne Leerzeichen in Browser kopieren! http://www.stern.de/wirtschaft/news/us-aufsicht-sec-pornos-statt-boerse-1560890.html Beste Grüße
- Antwort von Alexander Hahn (26.07. 2010 12:01 Uhr):