Das Ende der Welt, wie wir sie kennen?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 05. Februar 2003 18:00 Uhr
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Sie wissen, liebe(r) Leser(in), dass ich seit einiger Zeit auf das "Ende-der-Welt-wie-wir-sie-kennen" warte. Allerdings geht das Leben normal weiter, Tag für Tag. Nehmen wir zum Beispiel die TIMES aus London – wo es "business as usual" heißt: Tony Blair fragt sich, ob seine Unterstützung für den amerikanischen Krieg gegen den Irak ihn die nächsten Wahlen kosten wird ... Michael Jackson gibt zu, dass er auf Männer steht ... und so weiter. Wo soviel passiert – wer riecht da, das etwas verfault? "Obwohl die USA weiterhin sowohl Land als auch Luft als auch Wasser beherrschen, bin ich mir nicht so sicher, ob die USA in Zukunft wieder der wirtschaftliche Riese sein werden, der sie einmal waren" schreibt Bill Gross, der wohl berühmteste Fondsmanager von PIMCO. "Drei Jahre Aktienkursverluste, eine 20 %ige Abwertung des Dollar in den letzten 10 Monaten und eine Unfähigkeit, als Lokomotive der Weltwirtschaft zu dienen (trotz der massiven monetären und fiskalischen Stimulation) deuten darauf hin, dass die amerikanische Wirtschaft viel von ihrem früheren Glanz verloren hat. Die USA scheinen jede Minute weniger reich zu werden, da ausländische Investitionen zurückgehalten und in einigen Fällen nach China und anderen Märkten umgeleitet werden. Ökonomisch gesehen könnte man sagen, dass der Prozess des Niedergangs der Hegemonie begonnen hat ..."
In den letzten 50 Jahren ist hat sich der Außenhandelsbeitrag der USA von fast 3 % Plus in ein Defizit von fast 6 % (des Bruttoinlandsproduktes) verwandelt. Das sind große Zahlen. Das aktuelle Defizit liegt bei rund 500 Milliarden Dollar – das ist der Betrag an ausländischem Kapital, der notwendig ist, damit die Amerikaner weiter über ihre Verhältnisse leben können. Und jetzt kommt die Bush-Administration mit einem Haushalt im Volumen von 2,2 Billionen Dollar. Die Regierung will jeden vierten Dollar, den ihre Bürger verdienen, einkassieren und ausgeben. Der neue Haushaltsplan geht auch von einem der größten Defizite der Geschichte der organisierten Regierungen aus – mehr als 300 Milliarden Dollar in 2003 –, und einer voraussichtlichen Neuverschuldung von 1 Billion Dollar (!) in den nächsten 5 Jahren.
Das ist vielleicht nicht das Ende der Welt ... aber der Geruch des Niedergangs liegt in der Luft. Seit 50 Jahren verschulden sich die amerikanischen Konsumenten immer weiter. Es gibt viele Dinge, die den US-Konsumenten jetzt zum Zurückstecken zwingen: Die kontinuierliche Kreditnachfrage ... zusammen mit einer alternden, schuldenbelasteten Bevölkerung, die militärischen Ambitionen, der fallende Dollar, überteuerte Aktien.
Bill Gross meint dazu: "Das mag zwar nicht ausreichen, um Amerika zum Armenhaus zu machen – aber ich habe keine Zweifel, dass diese Ereignisse ausreichen, um zumindest einige Amerikaner in ärmere Häuser ziehen zu lassen. Für viele wird sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation verschlechtern: Entweder wegen der steigenden Arbeitslosigkeit, wegen den steigenden Preisen für importierte Güter oder den steigenden indirekten Steuern in Form einer höheren Inflation und steigender Zinssätze. Investmentstrategien sollten dies berücksichtigen, wenn man überdurchschnittliche Gewinne – und überhaupt Gewinne – erzielen will."