Das Ende der Emerging Markets-Story?
Daniel Wilhelmi in Profit Radar
vom 10. Juni 2011, 19:00 Uhr
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Das Jahr 2011 ist alles andere als leicht für die Emerging Markets. Vor allem, wenn man sich nur auf die vier BRIC-Staaten fokussiert. Wenn die Börsenentwicklungen des laufenden Jahres eine Sache gezeigt haben, dann dass die BRICs zwar das Zentrum der Emerging Markets-Anlage bilden, aber auf keinen Fall der alleinige Fokus sein sollten.
In 2011 kann sich unter den vier BRIC-Staaten bisher nur Russland gegen den negativen Trend bei den Emerging Markets stemmen. Die positive Entwicklung der russischen Börsen liegt aber neben dem hohen Ölpreis wiederum primär daran, dass russische Aktien während der Finanzkrise geradezu abgeschlachtet wurden - und der russische Aktienmarkt deshalb heute sehr günstig bewertet ist.
Es ist offensichtlich, dass sich die Emerging Markets rund um den Globus auf ein langsameres Wirtschaftswachstum einrichten müssen, als noch Anfang des Jahres erwartet wurde. Mit Ausnahme einiger kleiner Wirtschaften, wie beispielsweise Neuseeland, heben die Schwellenländer zur Inflationsbekämpfung immer weiter ihre Zinsen an.
In Brasilien hat die Zentralbank beispielsweise die Zinsen jüngst zum vierten Mal in Folge angehoben (der Leitzins liegt inzwischen bei 12,25 Prozent). Dieses Phänomen der aggressiven Zinserhöhungen zieht sich von Südamerika bis nach Asien und ist natürlich schlecht für das Wirtschaftswachstum.
Das Problem: Da die Inflationsraten ebenfalls rasant ansteigen, sind die Realzinsen (also die Zinsen abzüglich der Inflation) in vielen Emerging Markets immer noch sehr niedrig oder teilweise sogar negativ. Das bedeutet: Obwohl wir im vergangenen Jahr schon zahlreiche Zinserhöhungen gesehen haben, ist der Zinszyklus noch nicht zu Ende. Wir werden fraglos noch weitere Zinserhöhungen erleben.