Das Eis schmilzt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 28. Juli 2003 18:00 Uhr
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In der vergangenen Handelswoche konnten sich die großen Indizes gut behaupten. Das war nicht zuletzt deshalb der Fall, weil die Quartalszahlen einiger Schwergewichte wie Siemens oder DaimlerChrysler vom Markt durchweg positiv aufgenommen wurden.
Kein Wunder, konnten doch die beiden Unternehmen die vorher nach unten revidierten Prognosen der Analysten übertreffen. Nichtsdestotrotz, speziell bei den Autobauern aus Schwaben scheinen die Probleme in den USA keinesfalls überwunden zu sein. Chrysler ist und bleibt das "Milliardengrab", ja die Achillesferse für den deutschen Premiumhersteller.
Seit der Fusion büßte die einst von fast allen Beobachtern zum Kauf empfohlene Aktie mehr als zwei Drittel der Marktkapitalisierung ein. Und, Besserung ist ob der immensen Schwierigkeiten bei Chrysler noch lange nicht in Sicht.
Wie auch, angesichts der äußerst angespannten Lage jenseits des Atlantiks. Mehr denn je kristallisiert sich nämlich heraus, dass die bisher eher vage Hoffnung auf einen starke US-Konjunktur im zweiten Halbjahr 2003 wie Eis in der Sonne dahin zu schmelzen scheint.
Apropos Achillesferse, der Kursverfall bei den amerikanischen Renten wird immer bedrohlicher für den Immobilienmarkt, der ja in den letzten drei Jahren die (!!!) Stütze schlechthin der US-Wirtschaft war.
Angesichts des rasanten Renditeanstiegs bei den Anleihen rückt ein Platzen der gewaltigen Übertreibungen im Immobiliensektor, sprich der Immobilienblase, immer näher. Seit Mitte Juno diesen Jahres ziehen die Verzinsungen bei den Hypothekenkrediten scharf an.
Laut Freddie Mac nahm die Verzinsung bei 30-jährigen Darlehen allein in den letzten fünf Wochen von 5,21 % auf 5,94 % zu! Es ist in diesem Kontext also gewiss kein Zufall, dass in den vergangenen sechs Wochen die Nachfrage nach Hypothekendarlehen bzw. Refinanzierungen um 30 % einbrach.
Ja, um es deutlich hervorzuheben, es sieht mehr denn je danach aus, dass ein Wegbrechen der letzten Bastion der US-Wirtschaft – nämlich des Immobilienmarktes – unmittelbar bevorsteht.
Erst kürzlich berechnete eine einflussreiche US-Investmentbank, dass die amerikanischen Verbraucher allein im letzten Jahr aufgrund der Vorteile aus den günstigeren Refinanzierungsraten 300 Milliarden $ mehr an Kaufkraft zur Verfügung hatten! Nicht auszudenken, was passiert, wenn diese Entwicklung abrupt zum Halt kommt. Richtig, dies weiß natürlich auch die mächtige FED.
Nicht umsonst betonte ja FED-Gouverneur Ben Bernanke in dieser Woche auch, dass die Notenbank ihr geldpolitisches Pulver noch nicht verschossen habe. Will heißen, nötigenfalls sind die Verantwortlichen bereit, die Zinsen auf NULL zu senken.
Bernanke konnte aber das eigentliche Ziel seiner Aussage – eine Stabilisierung am Bondsmarkt – nicht erreichen. Im Gegenteil, denn die Notierungen am Rentenmarkt gaben gerade nach diesen Aussagen weiter nach.
Alles deutet also darauf hin, dass die Märkte langsam aber sicher das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt zu verlieren scheinen. Gerade vor dem Hintergrund der noch immer vorhandenen Überbewertungen bei den breiten US-Aktienindizes bzw. den sonstigen Problemen, speziell auch für den $ (es sei nur auf die gigantischen Zwillingsdefizite exemplarisch hingewiesen), scheinen immer mehr Investoren ins älteste Geld der Welt zu flüchten.
Wie ich schon oft betonte: Stellen Sie sicher, dass Sie auf keinen Fall den Zug beim Gold verpassen. Denn er könnte schon in bälde in weit höhere Regionen abfahren!