Das dritte Quartal kommt ...
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 24. Juni 2003 18:00 Uhr
ENL5454
In einer Woche beginnt das dritte Quartal. Bekanntlich gehört das dritte Quartal im Jahresverlauf gerne zu den schlechteren Quartalen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Jahreserwartungen, die zumeist den Anfang eines Jahres einleiten mittlerweile entweder bestätigt oder nicht bestätigt worden. Zum anderen ist das Weihnachtsgeschäft schon lange vorbei, dass gerne mal zu besseren Zahlen führt und damit die Hoffnungen nährt, es ginge so weiter. Auch das Ostergeschäft, dass einige Branchen noch positiv beeinflussen kann, ist vorbei. Andererseits dauert es noch etwas bis zum nächsten Weihnachtsgeschäft, in dessen Vorfeld gerne schon mal auf bessere Zahlen hingetradet wird. Zudem gilt der Sommer generell als eine umsatzschwache Jahreszeit, sowohl bei den Unternehmen als auch an den Börsen. Bei schwachen Umsätzen neigen aber die Börsen dazu eher zu fallen, als zu steigen. Sell in May and go away, überlebte nicht umsonst als alte Börsenweisheit.
Ich selbst mag die Sommermonate überhaupt nicht. Besonders zwischen Ende Juni und September mehren sich die Fehlsignale in den Futures und damit auch in den Indizes. (Wie Sie vielleicht wissen trade ich hauptsächlich den Euro Stoxx Future). Man kann eine Korrelation zwischen Umsatz und Fehlsignalen erkennen. Meistens fahre ich in diesen Tagen das Intradaytraden zu Gunsten längeren Invests zurück.
Zum Abschluss dieses Halbjahres könnte es auch noch zu vermehrtem Window Dressing kommen (Window Dressing bedeutet in diesem Zusammenhang, dass institutionelle Anleger z.B. Fonds ihre Performance vor einem Bilanzstichtag oder Jahresabschluß aufbessern wollen. Das geschieht indem durch Käufe einzelner Positionen die aktuellen Kurse der Aktie nach oben getrieben werden. Damit kann man eine Performance natürlich deutlich verbessert werden) Performance ist wichtig, gerade zurzeit. Die Fonds verzeichnen wieder deutliche Mittelzuflüsse, die will man sich sichern. Das Problem bei diesem Window-Dressing ist, dass nach diesem Bilanzstichtagen die Positionen häufig wieder unauffällig in den Markt gegeben werden. Das unterstütz fallende Kurse. Dann noch die Zinssenkungsfrage morgen – die Konjunkturdaten. Bis nächste Woche stehen uns also noch interessante Kursbewegungen vor.
Zudem beginnt nun die Ertragssaison. Einige Analysten rechnen bereits damit, dass sich die Erwartungen einiger Firmen nicht erfüllen. Das könnte zu weiteren Kursrutschen führen. Ein guter Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen? Na, kaum geschrieben, schon kommt die Bestätigung: AMD hat gerade gemeldet, dass der Umsatz nun nur noch bei 615 Mio. Dollar liegen wird. Das Unternehmen hatte bisher mit 714 Mio. Dollar gerechnet. Und raten Sie mal wem oder was die Schuld gegeben wird? Der aktuelle Sündenbock ist SARS. Dazu hatte ich ja auch schon meine Meinung geschrieben.
Trotz allem kann ich im Moment noch keinen wirklichen Verkaufsdruck an den Indizes erkennen. Das liegt zum Teil daran, dass in den Medien lediglich von einer "Korrektur" geredet wird. Kaum jemand geht von stark fallenden Kursen aus. Die Jahrestiefs sind weit entfernt und sollen auch nicht mehr erreicht werden. Gerade in Amerika sind die meisten Anleger fest davon überzeugt, dass es sich nur um eine Korrektur handelt. Und schließlich bilden Korrekturen in einem Bullenmarkt gute Einstiegschancen. Also kaufen? Sicher kann es noch weiter hoch gehen. Ich weiß nicht, wie sehr die Bullen die Realität verdrängen können. Aber auch die Bullen bräuchten schon eine gesundere und nachhaltigere Korrektur um diese Rallye zu bestätigen. Mit anderen Worten, selbst wenn wir uns in einem Bullenmarkt befänden, würde nur eine Konsolidierung eine "gesunde" Entwicklung einleiten können. Aber Sie wissen, ich bin nicht mal der Ansicht, dass wir uns in einem Bullenmarkt befinden.
Nachdem die Märkte durch die Umsatzwarnung von AMD nach unten getrieben wurden, kommt nun die krasse Gegenbewegung. Hin und her wird der Markt geschleudert. Der Grund?
Na, das US Verbrauchervertrauen wurde um 16 Uhr veröffentlicht. Der Index hat sich nur mäßig verschlechtert, er notiert bei 83,5 nach 83,6 Zählern zuvor. Erwarte wurde der Wert zwischen 82,0 bis 85,0 Zähler. Damit wurden die durchschnittlichen Erwartungen leicht übertroffen. Hey, wenn das kein Grund zu kaufen ist?
Ehrlich, der Wert IST gesunken! Das zudem auf sowieso schon sehr niedrigem Niveau. Auch da kann ich wirklich keinen Hinweis auf eine wirtschaftliche Erholung erkennen. Ah, gut – jetzt scheinen auch andere Anleger das zu erkennen, die Kursgewinne wurde wieder gänzlich abgegeben. Manchmal kann man wirklich nur kopfschüttelnd zuschauen.