Das Dreigestirn: Gold, Zinsen und Inflation
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 10. Januar 2007 18:00 Uhr
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So manche Dinge werden erst so richtig deutlich, wenn man alle Komponenten mit einschließt. Dieses Mal geht es um Gold. Sehr oft wird Gold nur im Zusammenhang mit den Inflationssorgen gesehen. Wenn ein US-Amerikaner Angst vor Inflation hat, wird er in Gold einsteigen, um sein Geld vor der Entwertung zu schützen. Soweit ist das bekannt und auch nachvollziehbar.
Aber es gibt noch einen weiteren Punkt, der zu dieser Sichtweise gehört und ein genaueres Bild zeichnet.
Gold und die US-Leitzinsen
Natürlich ist der Goldpreis auch abhängig von den US-Leitzinsen und den langfristigen Zinsen. Das erschließt sich einfach mit gesundem Menschenverstand: Stellen Sie sich vor, Sie müssen viel Geld anlegen, sehr viel Geld. Einen großen Teil davon wollen Sie „sicher“ anlegen. Wenn nun aber die Zinsen unter der Inflationsrate (Stichwort: negative Realzins) liegen, so wie es in den USA um 2003 herum der Fall war, würden Sie quasi Ihr Geld ohne eigenes Zutun verlieren.
Also müssen Alternativen her. Natürlich bieten sich hier Immobilien an. Auch das dürfte also ein Grund für den Immobilienboom in den USA gewesen sein. Aber auch Gold ist eine Alternative. Nicht umsonst werden die Goldbullen nicht müde zu betonen: Gold hat auf sehr lange Sicht in der Historie der Menschen seinen Wert im Prinzip immer beibehalten.
Also lohnt es sich, einen Teil des Geldes auch in Gold umzuschichten. Das führt natürlich zu einem steigenden Goldpreis. Insbesondere lohnt es sich dann, wenn man weiß, dass es auch vielen anderen so geht - sprich, wenn die Zinsen „zu“ niedrig sind.
Hierbei wäre es dann jedoch vollkommen uninteressant, wie hoch die Inflationsrate ist! Also selbst bei einer niedrigen Inflationsrate würde jemand Geld verlieren, wenn die Zinsen noch niedriger wären. In einem solchen Umfeld würde Gold trotz niedriger Inflationsrate steigen können. Die Korrelation zwischen Gold und Inflation wäre hingegen gestört.
Gold ist eigentlich keine gute Anlage für das große Geld
Auf der anderen Seite wirft Gold keine Rendite ab. Wenn der Kurs stagniert, macht man keinen Gewinn, wenn er fällt, sogar Verlust. Sobald also die US-Zinsen wieder deutlich über der Inflation liegen, wird man natürlich das Geld wieder zu festen Zinsen anlegen. Das ist sicherer und bringt dann auch noch Rendite. Warum sollte man dann noch sein Geld in Gold anlegen?
Soweit ist das logisch.
Korrelation zwischen Fed-Zinsen und Gold
Also müsste es doch eine erkennbare Korrelation zwischen Gold und den US-Leitzinsen geben. Ich habe mir also die Mühe gemacht und diese beiden Komponenten in einem langfristigen Chart zusammengefasst und durfte wieder einmal feststellen, dass Excel einfach nicht gut für große Datenmengen ist.
Sehr schön erkennt man die Korrelation zwischen den Leitzinsen und der Entwicklung des Goldpreises. Und wenn man genauer hinsieht, ist auch zu erkennen, dass der Goldpreis durch fallende Zinsen offenbar unterstützt wird, ebenso wie er durch steigende Zinsen abgewürgt wird. Natürlich alles etwas zeitversetzt.
Auf diese Komponenten sollten Sie achten!
Also, wenn Sie in Gold unterwegs sind, sollten sie nicht nur auf Lagerbestände und Saisonalität achten, sondern auch auf die US-Leitzinsen. Last but not least sollten Sie natürlich auf jeden Fall auch die Inflationsrate im Auge behalten.
Denn unzweifelhaft besteht eine Korrelation zwischen den US-Leitzinsen mit der Inflation, sprich die Zinsen steigen bei steigender Inflation und umgekehrt. Und natürlich besteht diese Korrelation auch zwischen dem Goldpreis und der Inflation, da Gold als Inflationsschutz genutzt wird.
Es ist also sozusagen ein Dreiecksverhältnis: Zinsen, Gold und Inflation, welches für einen guten Teil der Bewegungen im Gold verantwortlich ist.
Seitwärtsbewegung im Nasdaq100
Und weil es einfach so schön ist, begleiten wir die Seitwärtsbewegung im Nasdaq100 Future einfach weiter.
Gestern hat sich ein so typisches Phänomen gezeigt, ein kleiner false Break (falscher Ausbruch). Diese Dinger sind gefährlich. Es gibt Trader, die traden nur auf solche false Breaks. Denn sehr häufig kommt es nach solchen falschen Brüchen zu einer heftigen Gegenbewegung, also entgegengesetzt zum Ausbruchsversuch. Das kann sehr lukrativ werden.
Und so geriet auch der Nasdaq100 und in Folge der Dax anschließend unter Druck. Doch schaut man sich den Chart an, sieht man, dass sich der Kursverlauf in den letzten Tagen aber doch eindeutig an der oberen Linie bei 1816 Punkten festklammert. Das ist insoweit ein tendenziell bullishes Zeichen. Die Tiefs reichen nicht mehr bis zu unteren Begrenzung der Seitwärtsbewegung.
Es bildet sich sozusagen in der großen Seitwärtsbewegung eine kleine Seitwärtsbewegung. Auch diese kann man wieder als Anzeiger benutzen. Je nachdem in welche Richtung der Nasdaq100 aus der kleinen Seitwärtsbewegung ausbricht, wird es bullish oder bearish.
Bricht es nach unten aus, dann sollte die untere Linie der großen Seitwärtsbewegung bei 1763 Punkten erreicht werden. Bricht es nach oben aus, dann ist es eh eine klare Sache.
Allerdings ist zu beachten, dass je kleiner solche Seitwärtsbewegungen sind, desto häufiger kommt es zu Fehlsignalen. Das ist sehr unbefriedigend. Und diese Seitwärtsbewegung im Nasdaq100 dürfte mittlerweile fast jeder sehen, das macht Ausbrüche noch unsicherer! False Breaks sind dann an der Tagesordnung.
Es bleibt also weiter dabei: Schafft der Nasdaq100 Future die 1816 Punkte nachhaltig, aber wirklich nachhaltig, am besten noch mit einem Testen dieser Marke von oben, dann wars das mit der Konsolidierung. Fällt er nun unter die 1792/1785er Marke, dann sehen wir die 1763 Punkte. Darunter würde es dann bearish.

