Das dreckige Geheimnis der Luftfahrtindustrie
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 31. März 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
zuerst einmal möchte ich mich heute für die rege Teilnahme an meiner Umfrage vom Freitag herzlich bedanken. Ich bin gerade dabei, alle Ihre Zuschriften zu sichten und mich durch Ihre sehr interessanten Vorschläge durchzuarbeiten. Ihre Einsendungen werden sicherlich das Themenspektrum der nächsten Wochen stark mitbestimmen.
Eine erste Neuerung, die ich bei Investoren Wissen einführen werde, ist die sog. "Einsteiger-Ecke". In dieser Rubrik möchte ich explizit noch mehr Tipps an die von Ihnen geben, welche in der eigenverantwortlichen Geldanlage noch relativ neu sind. Das genaue Programm bzw. die genaue Vorgehensweise hierzu werde ich mir in den nächsten Tagen im Detail überlegen. Ich schätze, dass die "Einsteiger-Ecke" dann ab Anfang bis Mitte nächster Woche beginnen dürfte, wenn von der Konzeption her alles so funktioniert, wie ich mir das im Moment vorstelle.
Einige von Ihnen schrieben mir, Sie würden gerne mehr Einzelbetrachtungen verschiedener Finanztitel und Unternehmen hier bei Investoren Wissen sehen. Sicherlich spricht nichts dagegen, im Zuge eines Themas sich zur Veranschaulichung die ein oder andere Aktie einmal näher anzusehen. Ich halte es jedoch nicht für die Aufgabe eines Dailies, Anlage-Empfehlungen zu geben bzw. zu sehr sich auf die Marktbetrachtung oder Portfoliokonstruktion zu fixieren. Dies ist aus meiner Sicht Aufgabe der jeweiligen Trading- und Investmentbriefe des Verlags (welcher hier ja bekanntlich ein breites Spektrum bietet).
Viel mehr sehe ich die Aufgabe von Investoren Wissen darin, Hintergrundinformationen sowohl zu Anlage- und Tradingtechniken als aber auch zum aktuellen (Wirtschafts-)Geschehen zu liefern.
Gerade die Wirtschaftskrise ist hierbei sehr stark durchpolitisiert, weshalb auch eine gewisse Betrachtung bzw. Kritik der politischen Seite der Entwicklungen aus meiner Sicht kaum unterbleiben kann (und darf!).
Darüber hinaus zeigt sich leider oftmals, dass der Großteil der Massenmedien "pikantere" Meldungen nicht bzw. nur zögerlich aufgreift. Somit sehe ich auch hier einen gewissen Ergänzungsbedarf und versuche diese Lücke durch eigene Recherche-Arbeit zu füllen, sofern es sich um relevante Themen handelt.
Heute möchte ich mich mit diesem Grundsatz aus gegebenem Anlass einmal der Luftfahrtindustrie widmen...
Das dreckige Geheimnis der Luftfahrtindustrie: Wie praktisch alle Airlines Ihre Passagiere nahezu regelmäßig mit hochgiftigen Dämpfen in der Kabine vergasen und das Management dies anscheinend bewusst in Kauf nimmt...
Nein, liebe Leser, diese Überschrift ist nicht übertrieben, sondern traurige Realität. Nur wissen die wenigsten Menschen, worum es hier tatsächlich geht.
Kürzlich strahlte das ARD Magazin "PlusMinus" einen höchst alarmierenden Beitrag hierzu aus und zwar geht es um die Kabinenluft in Flugzeugen. Die wenigsten Menschen wissen, dass in der Passagierkabine eines modernen Passagierflugzeugs die Atmosphäre zu ca. 50% aus sogenannter Zapfluft besteht und zu 50% aus wiederaufbereiteter Luft (im Cockpit sogar zu 100% aus Zapfluft).
Nun ist es jedoch so, dass diese Zapfluft aus unmittelbarer Triebswerknähe entnommen wird und (wohl aus Kostengründen) keine wirklich effektiven Filter in den Flugzeugen eingebaut werden, welche verhindern, dass Giftstoffe, wie z.B. Stoffe, die Flugzeugölen beigemischt werden und lt. anerkannten Toxikologen höchst schädlich sind (krebserregend, starke Nervengifte, etc.), gasförmig in die Kabine gelangen. Eventuelle vorhandene Vorkehrungen wie nicht zu 100% funktionierende Sperrventile sind nicht selten dank mangelnder oder gar fehlender gesetzlicher Wartungsvorschriften oder dank undichter Dichtungen eine Farce.
Das Resultat ist, dass Passagiere weder über die ernsten gesundheitlichen Risiken noch über die Ursachen von nach dem Flug auftretenden Krankheiten aufgeklärt sind. Einige Kritiker sprechen hier bereits sinnbildlich vom "Asbest-Skandal der Luftfahrtindustrie". Ein wohl passendes Bild...
Ich kenne solche Fälle aus eigener Erfahrung (Sie wahrscheinlich auch...). Letztes Jahr flog ich z.B. mit einem namhaften amerikanischen Unternehmen und beim Staat roch es seltsam süsslich nach verbranntem Öl. Natürlich denkt man sich als Passagier nicht viel dabei und nach ein paar Minuten tritt die Reizgewöhnung ein und man riecht es nicht mehr (andere Gase etwa sind komplett geruchlos!), doch als ich mir nun die einzelnen Medien-Beiträge ansah und die Thematik über das Wochenende etwas ausführlicher recherchierte, wurde mir ordentlich übel und mein Zorn über diese Vorkommnisse stieg enorm. Der Grund: Mir ging es damals nach dem Flug (es war eine BOEING 757, welche laut den Berichten zu den besonders gefährdeten Flugzeugtypen gehört) sehr schlecht. Mir war übel und ich fühlte mich tagelang abgeschlagen und hatte gereizte Schleimhäute. Anderen Passagieren ging es - dem Gesichtsausdruck zu urteilen - ähnlich (Ich muss hier dazu sagen, dass ich Leistungssportler bin und ca. 4-5 Mal die Woche ausgiebig trainiere und dadurch ziemlich fit bin. Richtig krank bin ich so gut wie nie.)
Von Airline-Seiten und Flugzeugherstellern wird dieses Thema natürlich heruntergespielt. Es handle sich um Einzelfälle. Das übliche dumme und fast schon kriminelle Geschwätz, wenn in einer Branche stinkende Leichen im Keller liegen und die Verantwortlichen Bescheid wissen...
Die Beschwichtigungen aus der Luftfahrtindustrie sind nicht glaubhaft
Wenn tatsächlich alles derart harmlos wäre, wundert mich, warum laut den Beiträgen in den Medien Forschung zu dieser Thematik durch die Luftfahrtindustrie und die Fluglinien nur zögerlich durchgeführt wird bzw. gar behindert wird?
Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht äußerst verdächtig, wenn ein großer Flugzeugkonzern wie Boeing von sich aus entscheidet, bei seinem neuen Flugzeug, der 787, ein komplett neues Luftsystem einzusetzen, welches die Luft nicht mehr an den Triebwerken abzieht. Warum der finanzielle Mehraufwand für solche Entwicklungen, wenn doch alles kein Problem ist?
Auch stellte sich bei meinen Recherchen am Wochenende heraus, dass das Thema vergiftete Kabinenluft in Passagiermaschinen überhaupt nicht neu ist; nur wurde hierüber in der BRD bisher weitgehend geschwiegen und so getan, als sei nichts. Im englischsprachigen Raum gibt es seit fast 10 Jahren Initiativen hierzu (bekannt ist das Problem bereits seit den 60er Jahren!) und jetzt hat sogar ein betroffener Airline-Captain, der durch die kontinuierlichen Gasvergiftungen völlig dienstuntauglich und krank wurde, einen Dokumentarfilm ("Welcome Aboard Toxic Airlines") gedreht, welcher diese erschreckenden Missstände u.a. durch Berichte von Betroffenen näher darstellt und auch erklärt. Auch vor deutschen Arbeitsgerichten laufen zur Zeit Verfahren, u.a. gegen den Lufthansa-Konzern, wie die Pilotenvereinigung Cockpit in einem ARD-Beitrag bestätigt. Hier klagt u.a. auch ein gasvergifteter Kapitän gegen seinen Arbeitgeber Lufthansa CityLine.
Ich bin kein Flugzeugingenieur bzw. Toxikologe, aber wenn Sie mich fragen, so läuft hier eine ziemliche Sauerrei bzw. Vertuschungsaktion. Ich kann jedem von Ihnen nur empfehlen, sich in das Thema gründlich einzulesen (nutzen Sie den obigen Link bzw. hilfreiche Suchmaschinen-Schlüsselwörter sind hierbei u.a. "ARD, Mediathek, Flugzeug, ungefiltert" oder etwa "Toxic airlines" um nur ein paar zu nennen..), denn wer ist in Ferienzeiten nicht wieder einmal selbst Passagier?
In wie weit ist dieser Hintergrund bei Airline-Aktien und Flugzeugherstellern bereits eingepreist?
Einmal abgesehen davon, dass ich sowieso kein großer Freund von Airline-Aktien bin, stellt sich natürlich trotzdem die Frage, in wie weit solche Entwicklungen bereits in den entsprechenden Aktien eingepreist sind.
Mit abschließender Sicherheit lässt sich dies wohl kaum beantworten, doch eins fällt auf: Die Berichterstattung zur giftigen Kabinenluft scheint in letzter Zeit immer mehr an Fahrt zu gewinnen und immer mehr das aus Politik und Industrie bestehende Schweigekartell zu brechen. Zwar ist die kritische Masse noch nicht erreicht und auch die Politik spielt erwartungsgemäß gemeinsam mit der Airline-Lobby skrupellos die wohl seit langem bekannten Fakten herunter, doch Dokumentarfilme wie der o.g. sind noch sehr jung, verbreiten sich extrem schnell und haben bereits reihenweise Preise abgeräumt.
Ich möchte mir nicht ausmalen, was geschieht, wenn die Masse einmal hierauf aufmerksam wird und ggf. Regressforderungen für die Vergiftungen an die Airlines stellt, denn welcher Passagier schnüffelt schon gerne dem militärischem Kampfgas Sarin verwandte Stoffe während seinem Flug in den Urlaub?
Für die Airlines spielt hierbei, dass die besagten Giftstoffe nur bis zu 4 Stunden nach dem Flug nachweisbar sind, doch haben Aktivisten wie die Aerotoxic Association bereits erhebliche finanzielle Mittel aufgewendet um Nachweisverfahren für das sog. "Aerotoxic Syndrom", d.h. die Vergiftung durch den neurotoxischen, krebserregenden Gascocktail in der künstlichen Flugzeugatmosphäre und deren Begleiterscheinungen, zu entwickeln.
Die unsichere weltwirtschaftliche Lage, das Vergiftungsthema und ein Ölpreis, von dem ich erwarte, dass er in den nächsten Monaten wieder steigen dürfte, führen dazu, dass ich von Airline-Aktien die Finger lassen werden, denn das Risiko hier erscheint mir nur schwer kalkulierbar.
Auch ist mir die Reiselust erst einmal vergangen, was Flugreisen angeht, denn alleine in meiner bescheidenen Anzahl von Flügen, die ich absolviert habe, kann ich mich an über sechs Vorfälle von süßlichem Ölgestank in der Kabine (genau wie in den Dokumentationen beschrieben) erinnern. Alles bei "namhaften" Fluglinien... Herzlichen Dank an die Verantwortlichen für den Giftcocktail! Vielleicht sollte der ein oder andere Verantwortliche hiervon auch mal einen tiefen Atemzug nehmen?
Airlines behaupten, solch ein Vorfall käme nur sehr selten vor, doch betroffenes Flugpersonal und der ARD zugespielte Unterlagen legen nahe, das solche Vorfälle nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind und durch Fluglinien gar systematisch vertuscht und nicht den Behörden gemeldet werden. Dies ist auch nicht nur ein Problem "unseriöser" Airlines, sondern anscheinend der gesamten Branche.
Sollte dieser skandalöse Schmutz weiter ans Tageslicht geholt werden, so würde es mich nicht wundern, wenn manch ein Airline-Manager vom eigenen Ansehen her in der Öffentlichkeit weit unter das eines größenwahnsinnigen Bankers fällt. So wie die Faktenlage es andeutet, wäre es wohl in einigen Fällen mehr als berechtigt...
Skeptiker mögen natürlich einwenden, es wären schon viel mehr Leute gestorben, wenn alles so schlimm wäre, wie in den entsprechenden Artikeln beschrieben. Aber die gleichen Stimmen gab es auch bei Asbest und bei der Verharmlosung anderer Gifte.
Dieses Thema wollte ich Ihnen keinesfalls vorenthalten. Wenn Sie Zweifel an meiner Berichterstattung haben, nutzen Sie die Ansätze, welche ich Ihnen in diesem Artikel nenne und recherchieren Sie selbst. Sehen Sie sich die ARD-Beiträge im Internet an, studieren Sie die Betroffenen-Berichte, lesen Sie mehr im englischsprachigen Raum... Sie werden sehen, dass diese Sache keineswegs harmlos ist.
Beste Grüße
Alexander Hahn
P.S.: Anbei die aktuellen Marktcharts:
Noch hält die Bärenmarkt-Rallye an:
Abb.: P&F Chart des NYSE BPI
Abb.: P&F Chart des VIX
Beste Grüße,
Alexander Hahn

