Das Dilemma der USA
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 26. Juli 2011, 20:30 Uhr
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Also, wir wie ja alle wissen, streiten sich die US-Politiker derzeit bis aufs Blut und fast schon so, als gäbe es tatsächlich einen Grund zum Streiten. Den aber gibt es eigentlich nicht, denn die Schuldenobergrenze muss so oder so angehoben werden. Und auch ein Sparpaket würde zwar dem Image der Amis eventuell gut zu Gesicht stehen, doch in jedem Fall seine Probleme mit sich bringen.
So streiten sich die US-Politiker derzeit also vornehmlich darum, wer bei den nächsten Wahlen besser da stehen darf. Währenddessen spielen sie sich heroisch als Retter des Volkes auf und nehmen für sich in Anspruch, jeweils den einzigen, wahrhaftigen, ehrlichen und richtigen Plan entwickelt zu haben. Dabei verkennen beide Seiten aber nicht nur die Absurdität und Gefahren des aktuellen Disputes, sondern auch welche Lücken die eigenen Pläne haben.
Was die US-Polit-Selbstdarsteller verkennen:
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Obwohl sich beide Seiten vermutlich darüber im Klaren sind, dass sie die Druckrechte am US-Dollar besitzen, scheinen sie noch nicht vollumfänglich zu verstehen, dass ein Shutdown der US-Regierung ihr wackeliges Wirtschaftswachstum beeinträchtigen wird. Sicher, Obama warnt bereits vor den Konsequenzen für die Wirtschaft, aber so lange der Klügere nicht nachgibt, hilft auch die Warnung nicht viel.
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Obwohl Obama auch davor warnt, scheinen sich beide Seiten noch nicht darüber im Klaren zu sein, was ein Downgrade der US-Bonität für das Land und den Rest der Welt tatsächlich bedeuten würde. Sicher, noch ist keineswegs sicher, dass es tatsächlich dazu kommen wird. Ich schätze, die Rating-Heinis könnten wohl mit dem Gesichtsverlust leben, wenn sie ihre Drohung doch nicht wahr machen würden. Aber, wir alle wissen, die USA hätten längst einen Downgrade verdient, doch dieser würde das Land in weitere finanzielle Probleme stürzen, möglicherweise eine Finanzkrise auslösen, dann aber auch eine zweite Rezession und auch den Rest der Welt mitziehen.
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Was beide Seiten ebenfalls verkennen ist, dass ein Sparpaket so oder so, das Wachstum der US-Wirtschaft negativ beeinträchtigen wird. Das wiederum führt zu sinkenden Einnahmen, woraufhin die US-Bonität auf jeden Fall endlich ein Downgrade verdient hätte.
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Beide Seiten verkennen überdies, dass ihr jeweiliges Sparpaket jeweils unterschiedliche, aber dennoch gravierende Mängel aufweist. Während die Demokraten auf Steueranhebungen pochen (was für uns Außenstehende nachvollziehbar erscheint, da die USA im internationalen Vergleich eher ein Niedrigsteuerland sind), verkennen sie zeitgleich, dass die USA leider fast ausschließlich auf dem Konsum aufgebaut sind. Dieses wacklige Fundament leidet insbesondere unter Steueranhebungen. Und während die Republikaner auf empfindliche Kürzungen im Sozialsystem pochen, verkennen sie zeitgleich, dass die USA jetzt schon ein Land mit einem mittlerweile fast unüberwindbaren sozialen Graben sind. Ein Graben der sich noch weiter vertiefen wird und das Land am Ende vollständig verschlingen könnte.
So oder so stecken die USA in einem Dilemma. Denn Fakt ist, jedwedes Sparpaket wird sich nicht positiv auf die Wirtschaft auswirken. Fakt ist aber auch, dass die Schulden des Landes so oder so weiter wachsen werden (ganz egal, ob sie sich dafür entscheiden die Schuldengrenze kräftig anzuheben, um sich mal ein paar Jahre Ruhe zu gönnen, oder ob sie sich dafür entscheiden den ganzen Klamauk im nächsten Jahr zu wiederholen). Doch Fakt ist ganz besonders, dass das US-Imperium seinen Zenit schon längst überschritten hat und das ewige Spiel "Schulden machen- US-Dollar drucken" irgendwann ein Ende haben muss, das aber erst eintreten wird, wenn der Rest der Welt dazu bereit ist.
Und so stecken die USA faktisch in dem Dilemma fest, dass, egal welche Entscheidungen jetzt getroffen werden, es ein "es wird alles wieder gut" sowieso nicht geben wird. Ich aber verbleibe mit der diebischen Freude darüber, dass die US-Politik den "US-Führungsanspruch" nun endlich der Lächerlichkeit preis gegeben hat.
So long liebe Leser....doch bevor ich mich für heute verabschiede, muss ich noch eine kurze Berichtigung loswerden....gestern hatte ich im "So long" im Eifer des Schreibgefechts fälschlicherweise geschrieben, dass das Webinar mit meinem Kollegen Till Kleinlein zum Thema Technische Analyse bereits heute stattfindet...tatsächlich findet das Webinar am nächsten Dienstag 02.August statt...ich hoffe Sie verzeihen mir meinen kalendarischen Irrtum...
Also:
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....liebe Grüße und bis morgen
Ihre Miriam Kraus