Das dicke Ende steht erst noch bevor
Profit Radar
vom 13. März 2007 19:00 Uhr
ENL5454
Diese Größenordnungen zeigen Ihnen: Es besteht für die etablierten Banken sehr wohl eine Gefahr, wenn es im Subprime-Sektor zu einer Krise kommen sollte. Dabei geht es nicht um die Existenz der etablierten Banken, aber Abschreibungen von Hunderten Mio. US$ würden die Ergebnisse gewaltig belasten. Laut dem Fachmagazin „Inside Mortgage Finance“ beläuft sich die Gesamtsumme der Kredite im Subprime-Sektor auf sagenhafte 605 Mrd. US$(!). Das sind 20% aller Immobilienkredite in den USA. Das ist eine Hausnummer.
Und jetzt kommt es: Das dicke Ende steht eigentlich erst noch bevor. Um dies richtig zu verstehen, muss man aber mit den USA sehr gut auskennen. Ich weiß über meine amerikanischen Freunde aus der Immobilienbranche. Der Mortgage-Sektor ist sehr beliebt und hart umkämpft. Deshalb haben sich die Kreditinstitute mit anfänglichen Niedrigzins-Angeboten unterboten. Aber: Diese Niedrigzinsen, die Kunden anlocken, gelten nur für 1-2 Jahre und danach steigen die Zinsen deutlich an.
Beispiel: Sie erhalten einen günstigen Anfangszins von 4% für die ersten 2 Jahre. Für jemanden mit schlechter Kreditwürdigkeit ist das ein Hammer-Deal. Aber ab dem 3. Jahr steigen die Zinsen dann auf 8% und im 4 Jahr auf 12%. (Das ist nur ein abstraktes Beispiel, damit Sie die Dynamik dahinter verstehen).
Das bedeutet aber: Mit den weiteren Jahren steigen die Zinsverpflichtungen der schlechten Schuldner. Und das bedeutet: Die Zahl der faulen Kredite wird in den kommenden Jahren ansteigen.
Das ist logisch: Die Subprime-Kreditnehmer kommen aus der unteren Mittelschicht. Das heißt: Die Chance auf große Sprünge beim Einkommen sind begrenzt. Einen Zinssatz von 4% im Jahr können sie vielleicht noch tilgen. Aber was ist, wenn er dann auf 8% oder 12% ansteigt, und diese Kreditnehmer von ihrem Einkommen plötzlich doppelt oder dreifach so viel Geld aufbringen müssen, um die Raten zu zahlen? Seien Sie also bitte wachsam.
Dieses Thema könnte sich durchaus ein Belastungsfaktor für die Märkte entwickeln. So, ich muss in eine Telefonkonferenz. Genießen Sie das traumhafte Wetter so weit es Ihnen möglich ist. Ich werde das Thema im Profit Radar aber für Sie selbstverständlich weiter verfolgen.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi