Das "Delta" bei Optionen
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 22. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
herzlich willkommen zum letzten (theoretischen) Teil der Artikel-Serie zum Thema Optionen. Wie letzte Woche angekündigt schreibe ich Ihnen heute etwas zum Delta von Optionen. Anschließend gibt es noch ein paar Hinweise zur Bid-Ask Spanne und dann haben Sie auch schon das Wichtigste parat und wir können uns ein paar Praxisbeispielen zuwenden. Ich bin mir sicher, dass so die ein oder andere Unklarheit bzw. Unsicherheit sich auch recht schnell auflösen dürften!
Das „Delta" - Wichtige Optionskennzahl
Optionen verfügen (wie Sie es vielleicht bereits von Optionsscheinen kennen) über eine Vielzahl von Kennzahlen, die unter anderem auch in Preisberechnungsmodellen für Optionen zum Einsatz kommen. Eine der wichtigsten Kennzahlen, die Sie prinzipiell verstehen sollten, ist das sog. Delta.
Das „Delta" bei Optionen gibt an, in welchem Verhältnis sich der Preis des Basiswertes und der Preis der Option verändern.
Ein einfaches Beispiel: Sagen wir, Sie haben eine Aktie XY, die bei $100 notiert. Hierauf möchten Sie eine Call-Option kaufen. Es hängt nun aber wesentlich von Ihrer Strike-Schwelle (Ausübungspreis, zu dem in der Zukunft ein Wert gekauft oder verkauft werden darf) ab, wie sich Ihr Optionskontrakt verhält.
Haben Sie also ein Delta von 1, so bedeutet dies, dass mit einem Punkt Zuwachs im Basispreis die Option einen Punkt gewinnt (diese Vereinfachung habe ich u.a. im obigen Rechenbeispiel zur Veranschaulichung gemacht). Bedenken Sie jedoch, dass ein Punkt Zuwachs bei der Option mit dem Faktor 100 zu multiplizieren ist. Mit einem Delta von 1 erhalten Sie also für jeden Dollar, den Ihr Basiswert sich bewegt, eine Bewegung von $100 in Ihrer Option. Schön, wenn so etwas in die richtige Richtung läuft, schlecht, wenn nicht.
Prinzipiell kann man sagen, je weiter Sie aus dem Geld sind, desto kleiner wird Ihr Delta, d.h. desto weniger bewegt sich Ihr Optionspreis relativ zum Basiswert. Je tiefer Sie allerdings im Geld sind, desto stärker wird Ihr Delta.
Call-Optionen haben ein Delta von 0 bis maximal 1. Put-Optionen haben (aufgrund ihrer inversen Natur) ein Delta von 0 bis -1 (minus, da wir ja von einem Verlust profitieren).
Wie kann man nun jedoch die Auswahl des Deltas bei Optionen vorteilhaft vornehmen?
Die Frage, die sich stellt, ist, wie viel Hebel möchten Sie denn gerne und wie viel innerer Wert darf es denn sein? Prinzipiell kann man sagen, dass die konservative Art Optionen zu handeln, stets mit hohem inneren Wert ist (mache ich meistens, jedoch nicht immer). Optionen, die grob aus dem Geld sind, sind oft vergleichbar mit Lotteriescheinen. Optionen, die tief im Geld sind, lassen sich hingegen sogar effektiv zur Risikominimierung(!) einsetzen.
Wenn Sie Optionen kaufen, sollten Sie bzgl. des Deltas folgende Richtwerte beachten:
Außerhalb des Geldes: Delta wird immer kleiner, je weiter Sie aus dem Geld sind
At the money (d.h. an Delta beträgt ca. 0,5
der Strike-Schwelle):
mind. 5 Punkte im Geld: Delta beträgt grob gerundet etwa 1
Optionen und besonders deren Kennziffern sind ein sehr großes und komplexes Thema, das sich unmöglich in einer kleinen Artikel-Serie vollständig darstellen lässt. Ich werde diesem Thema jedoch in der Zukunft noch Artikel widmen. Heute (und die letzten Wochen) ging es mir erst einmal um die Grundlagen, so dass Sie Optionen verstehen und ggf. auch in Zukunft selbst nutzen können.
Optionen eröffnen Ihnen ein attraktives Universum wunderbarer Strategien (weit mehr als nur "long" oder "short" mit Hebel). Dies ist sicher nicht der letzte Artikel, den Sie von mir zum Thema Optionen lesen werden. Ich kann an dieser Stelle nur sagen: Es lohnt sich wirklich, sich mit ihnen zu befassen, auch wenn manches anfangs schwer zu verstehen erscheinen mag.
Bid / Ask Price
Der Preis eines Optionskontraktes bewegt sich innerhalb einer Bid/Ask-Preisspanne.
Diese Bid/Ask-Preisspanne ist bis zu einem gewissen Grad mit der deutschen Geld/Brief-Spanne vergleichbar. Der Unterschied ist, dass das angezeigte Bid/Ask-Verhältnis nur eine Art Empfehlung darstellt.
Wenn Sie eine Kauforder für den Kontrakt KBHLW (siehe Abbildung) mit dem Limit von $7,5 platzieren, können Sie davon ausgehen, dass es einen Verkäufer gibt, der Ihnen den Kontrakt gerne so teuer verkauft. Achten Sie deshalb stets auf das korrekte Setzen von Limits und fragen Sie die aktuelle Spanne direkt vor einer Transaktion ab, wenn Sie mit Optionen arbeiten sollten. So ersparen Sie sich Geld und eine Menge Ärger.
Ein abschließendes Wort
Einigen von Ihnen wird nach dieser Serie vielleicht etwas der Kopf rauchen. Vor allem, wenn Sie sich noch nie mit Optionen beschäftigt haben, ist dies natürlich alles sehr viel Input für Sie. Ich kann Sie nur ermuntern, sich in die Thematik einzulesen. Optionen haben mein eigenes Trading auf eine derart positive Weise verändert, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Heutzutage könnte ich mir nicht vorstellen, je wieder ohne Optionen zu arbeiten. Mit Optionen können Sie von fallendem Zeitwert, steigender Volatilität, von Seitwärtsbewegungen und vielem mehr profitieren. Darüber hinaus können Sie Strategien einsetzen, die mit kaum einem anderen Instrument durchführbar sind und Ihr Risiko in den Märkten signifikant reduzieren.
Ich stehe Ihnen gerne für sämtliche Fragen zur Verfügung. Wer darüber hinaus vielleicht den ein oder anderen Inhalt wiederholen möchte, kann sich u.a. auch auf www.aktienoptionen-verstehen.de einmal umsehen.
Ich hoffe, Ihnen hat meine Artikelserie zum Thema Optionen gefallen und Sie konnten für sich hieraus einen Nutzen ziehen. Fanden Sie die Serie zu kompliziert geschrieben? Fehlte Ihnen etwas? Waren die Erklärungen sehr langatmig oder konnten Sie ihnen folgen?
Ihr Feedback ist stets willkommen!
Beste Grüße
Alexander Hahn
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