Das China-Syndrom

John Mauldin in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom


von John Mauldin

China, China ... sehen wir da einen Boom, der das Gesicht der Weltwirtschaft verändern wird ... oder sehen wir eine Spekulationsblase, die auf eine Nadel wartet?


Die Antwort könnte ein bisschen von beidem sein. Denn wie alles Chinesische – zumindest aus unserer Sicht – kann auch das verwirrend sein. Ich werde mich in diesem Beitrag mit der Neubewertung der chinesischen Währung befassen.

In der Financial Times konnte ich diese fett gedruckte Schlagzeile lesen: "Der chinesische Boom muss in Tränen enden. Aber er könnte noch 10 oder 20 Jahre weitergehen, mit Schlaglöchern auf dem Weg."

Aber Stephen Roach von Morgan Stanley schrieb letzte Woche, dass China sich kurz vor einer Wachstumsverlangsamung befinde. "Nach 5 Tagen in Peking bin ich davon überzeugt, dass eine Verlangsamung des chinesischen Wachstumstempos bevorsteht. Die chinesische Führung macht sich ganz offensichtlich Sorgen über die Risiken einer Überhitzung. Und diese Sorgen werden wahrscheinlich zu Handlungen führen, die zu einer Verlangsamung des Wachstums des chinesischen Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr führen werden."

Wer hat Recht? Hat der Boom in China gerade erst begonnen ... oder verlangsamt er sich gerade?

Es gibt natürlich einige Probleme, mit denen China zu kämpfen hat – einige sind ziemlich offensichtlich, andere weniger. So hat z.B. die Financial Times dies über die zunehmende Wasserknappheit Chinas geschrieben:

"'China hat ein großes Problem mit Wasserknappheit. Das ist einer der wichtigen Faktoren geworden, die dieses Jahr die wirtschaftliche Entwicklung begrenzen werden', so Wang Jirong von der staatlichen Umweltschutzbehörde (Sepa) ... die Wasserknappheit reduziert die industrielle Produktion um 28 Milliarden Dollar pro Jahr, so offizielle Stellen."

Und 60 % des Bruttoinlandsproduktes liegen immer noch in den Händen von ineffizienten Staatsbetrieben. Privatisierung ist in der Theorie eine gute Sache. Aber dann werden viele ineffizient arbeitende Betriebe geschlossen werden, und das könnte zu Problemen mit Arbeitslosigkeit führen.

China muss auch seine Infrastruktur verbessern, um mit dem Wachstum klar zu kommen. Das erfordert Kapital und Material. Immer mehr Leute strömen vom Land in die Städte, um Arbeit zu finden – obwohl sich dieser Trend verlangsamt, da neue Eisenbahnlinien es den Unternehmen erlauben, auch im Landesinneren zu niedrigeren Löhnen zu produzieren.

Die Regierung muss sich auch wegen einer Verlangsamung der US-Nachfrage Sorgen machen, denn diese Nachfrage ist der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Eine Verlangsamung dieser Nachfrage würde sicherlich auch das chinesische Wachstum verletzten, denn in China gibt es keinen ausreichend großen internen Konsummarkt.

China könnte eine Korrektur erleiden, wie das bei allen Märkten der Fall ist. Wenn die chinesische Regierung die Wirtschaft abkühlen lässt, dann sollte das auch einen dämpfenden Effekt auf die chinesischen Aktienkurse haben, zumindest eine Zeitlang.

Aber meiner Ansicht nach hat China immer noch jede Menge "Boom" in sich. Ja, es wird "Schlaglöcher" auf dem Weg geben, wie es die Financial Times geschrieben hat, aber es wird auch viele Möglichkeiten in diesem Land geben, besonders für die, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und wirkliche Perlen unter den Aktien der Emerging Markets gefunden haben. Aber Investoren, die blind einfach jede Aktie kaufen, die irgendetwas mit China zu tun hat, werden wahrscheinlich ärmer, aber weiser werden ... China ist ein Land, das seine Wirtschaftskraft in den nächsten 20 Jahren verdoppeln und vervierfachen könnte. Auch Japan ist seinen Weg gegangen, obwohl es viele Schlaglöcher gab. Meine Einschätzung ist, dass wir den Höhepunkt einer chinesischen Spekulationsblase noch nicht gesehen haben – denn das könnte noch Jahrzehnte dauern. Chinas Spekulationsblase könnte die spektakulärste aller Spekulationsblasen werden ... denn die Zuversicht, die das kraftvolle Wachstum Chinas nähren wird, wird dazu führen, dass die Investoren kein Ende des Wachstums sehen werden – und das ist die Wurzel aller Spekulationsblasen. Auf dem Weg dahin wird es Rezessionen und ein paar kleinere Krisen geben, und einige ernsthafte Korrekturen. Warum sollte China anders als jeder andere Markt sein?

Ich beende den Artikel mit einem Zitat von James Kynge, das in der Financial Times stand: "Schließlich wird entweder ein schlechter Wind oder ein Übermaß an heimischem Erfolg dazu führen, dass Chinas stellare Wachstumsphase nachlassen oder zerbröckeln wird – wie das bei jeder Wachstumswirtschaft der Geschichte war. Wenn dieser Tag kommt, dann kann der Fall spektakulär sein. Aber so wie die Dinge jetzt aussehen, bleibt die Vitalität des asiatischen Kraftwerks (China) stark genug, um es noch eine Zeitlang weiter vorwärts zu tragen."


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