Das Beispiel Nasdaq -100-Futures
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 6. Februar 2012, 16:00 Uhr
ENL5454
Im folgenden Beispiel sehen Sie den Nasdaq-Future und die Nettoshortpositionen der Marktteilnehmer im Zeitraum Juni 2004 bis September 2005. Im September 2005 erreichte die Netto-Shortpositionierung der Commercials (blau) Minus 5.000 Kontrakte (Skala auf der linken Seite), die der Large Speculators (rot) lag leicht im Minus und die der kleinen Spekulanten bei Plus 5.000 Kontrakten (grün). Sie sehen, dass sich in diesem Fall die kleinen Anleger mit den Commercials die Waage hielten. Das ist auch logisch, denn die Futures (und Optionen) bilden stets einen Ausgleich zwischen Long und Short, der Markt entspricht also einem Nullsummenspiel. Um das auf eine Gleichung zu bringen: Was der eine verliert, gewinnt der andere.
Der Chart zeigt auf der linken Seite die Kontraktanzahl, auf der rechten Seite die Preisskala. Was lernen wir nun aus diesem Bild? 1. Die Kleinanleger (grün) sind optimistisch, weil sie netto long in Nasdaq-Futures spekulieren. Die Commercials (in diesem Fall Aktienfonds) haben ihre Fonds mit 5.000 Kontrakten auf der Shortseite (blau) gegen Börsenverluste abgesichert. In grau sehen Sie den tatsächlichen Nasdaq-Kurs, der von Mai bis Ende Juli von 1.450 auf 1.600 Punkte gestiegen ist. Wie aber war die Entwicklung seit Anfang des Jahres 2005? Der Nasdaq ist von 1.650 im Januar bis auf 1.450 Punkte gefallen. In dieser Phase haben die Kleinanleger bis 30.000 Kontrakte auf der Longseite gehabt und Riesenverluste erlitten. Die Commercials (blau waren von Januar bis März massiv short investiert, was genau richtig war. Und die großen Spekulanten (rot) hatten ebenfalls große Shortpositionen, die sie bis August abgebaut haben. Diese Bild ist kein Zufall, Kleinanleger liegen leider meistens schief und füttern in diesem Spiel, mangels Kenntnis von COT Daten, den Profihandel.
Der Preishedge
Der wöchentliche COT Report steht im Ruf, die Fußspuren, die vor allem große Händler hinterlassen, offenzulegen. Dabei liegen häufig folgende Interessen zugrunde: Der institutionelle Marktteilnehmer (Commercial) möchte vor allem Preisschwankungen absichern. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Goldmine, die mit Produktionskosten von 700 US-Dollar/ouz Gold fördert. Der Marktpreis liegt bei 1.500 US-Dollar. Sie möchten Ihre Produktion ausdehnen und lassen sich von der Bank die Exploration vorfinanzieren. Die Bank will aber nicht Gefahr laufen, dass der schwankende Goldpreis und damit verbundene Risiken zu ihr durchgereicht werden und verlangt von der Minengesellschaft eine Absicherung der Erlössituation (Preishedge). Die Mine wird also einen Teil ihrer Produktion mit späteren Lieferterminen, (angenommen 12 Monate) auf Termin verkaufen und sich auf diese Weise die Handelsspanne zwischen Produktionskosten und fest vereinbartem Verkaufserlös sichern. Egal wie sich der Goldpreis entwickelt, das Geschäft ist abgesichert.
Daraus resultiert folgende Grundannahme: Produzenten sichern sich ab, indem sie ihr physisches Material wie Kupfer, Öl oder landwirtschaftliche Produkte auf Termin verkaufen. Das heißt, für den Markt treten sie als (Leer)Verkäufer auf. Die Gegenposition wird von den Large Speculators eingenommen. Sind sie nicht gewillt zu kaufen, fallen die Preise, was die Produzenten irgendwann aus dem Markt drängt. Und jetzt denken Sie bitte darüber nach, was passiert, wenn diese Situation längere Zeit anhalten sollte. Richtig, immer weniger Minenbetreiber - und was noch wichtiger ist immer weniger Farmer - wären bereit Lebensmittel zu produzieren. Deswegen ist der Vorwurf, der von Foodwatch erhoben wird, Spekulanten seien daran schuld, dass in der dritten Welt die Lebensmittelpreise steigen, nicht haltbar. Die Frage nach den Urhebern der Preisschwankungen ist also nicht so leicht zu beantworten, wie es in den Medien oft dargestellt wird.
Fazit: Beobachten Sie als Investor weniger die absoluten COT-Zahlen als vielmehr die Trends in den Statistiken. Mein Interesse wecken insbesondere die Märkte, auf denen Marktteilnehmer Extrempositionen eingehen. Solche Phänomene verarbeite ich im Target Trader (Probelesen: hier) und ich empfehle Ihnen, ebenfalls auf solche Situationen zu achten.
Morgen sehen wir uns einen aktuellen Chart an. Ich mache mich heute auf die Suche nach einem guten Beispiel, das Ihr Interesse finden sollte
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Trading & Sales
Zum ersten Teil von: Insiderhandel legal nutzen, aber wie?
