Das Bedürfnis nach konstanter Kommunikation
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 25. Oktober 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Die Stimme am anderen Ende der Leitung war sinnlich.
"Hi, Lover. Sei nicht schüchtern."
"Was zum ...!"
"Ich legte auf und hörte mir nochmal die Nachricht an, die ein wichtigtuerisch klingender Bankangestellter auf meinem Anrufbeantworter hinterlassen hatte. (Hassen Sie es auch, wenn Sie Leute anrufen, die dann auf Ihrem Anrufbeantworter ihre Telefonnummer runterrasseln, als ob es Kochtopf Gulasch wäre, der in einer Mikrowelle überkocht?)
Ich schrieb mir die Nummer auf und wählte nochmals.
"Hi, Lover. Sei nicht schüchtern."
Perplex legte ich wieder auf. Hatte ich das Geheimnis dieser Bank ergründet, warum sie für Girokonten so gute Zinsen zahlen kann? Oder hat die permanente Geräuschkulisse, die meine drei Kinder dauerhaft verursachen, mein Gehör gestört?
Ich entschied, die Beste aller Ehefrauen darum zu beten, den Anrufbeantworter abzuhören – vielleicht kann sie die Nummer richtig hören. Bis dahin ignoriere ich den Anruf: Wenn es so wichtig wäre, dann würde er nochmal anrufen.
*** Ich gebe zu, dass das ich mich zunehmend über Telefone ärgere. Es sind noch nicht einmal die Werbeanrufe, die ich damit meine.
Es sind normale Leute und ihre Mobilfunkgeräte.
Plappermäuler, die ihr Telefon und ihre Konversation mit sich in die Öffentlichkeit nehmen, ohne zu zögern. Fußballer-Mütter, die versuchen, ihre Wagen einhändig in Parkplatzlücken in der Tiefgarage einzuparken – weil sie gerade non-stop telefonieren.
Vor ein paar fuhr ich meine Kinder zum Schwimmunterricht. Als ich an einem Fußgängerübergang wartete, da schlurfte eine Prozession von College-Girls mit Pferdeschwänzen an meinem Auto vorbei. Und jede einzelne hatte ein Mobilfunkgerät an ihr Ohr gepresst.
Worüber im Himmel mussten die sprechen?
Interessanterweise ist das Bedürfnis nach konstanter Kommunikation ein weltweites Phänomen. Für den Fall, dass Sie es noch nicht bemerkt haben:
Unsere jüngste Empfehlung zum EU-Beitritt der Türkei – TurkCell (TKC:NYSE) – hat sich bis jetzt schön entwickelt. Diese Gesellschaft hat auch die zweite iranische Mobilfunklizenz erhalten.
Der Kurs der Aktien – empfohlen zu rund 11 Dollar – steht jetzt auf einem neuen Hoch (nach Splitt) von 13,47 Dollar.
Wo ich so darüber nachdenke: Telefoniert nur weiter, Leute!