Das beachten Anleger bei Indien-Investments nicht
Daniel Wilhelmi in Profit Radar zum Thema Global Anlegen
vom 1. Juli 2011, 19:00 Uhr
ENL5454
Wir sprechen über Osteuropa - und gehen in diesem Zusammenhang dann auch auf Indien ein. Osteuropa ist eine Emerging Markets-Region, die im Schatten Westeuropas und Russlands von Investoren oftmals übersehen wird. Zu Unrecht. Denn diese Region bietet spannende Chancen.
So umfasst die Region - vom Baltikum über Zentralosteuropa bis nach Südosteuropa - immerhin rund 132 Millionen Menschen. Wäre die Region ein einzelnes Land, dann wäre „Osteuropa" mal eben unter den Top Ten der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Und rechnet man die Anreiner-Märkte Türkei (72 Millionen Menschen) und Ukraine (45 Millionen Menschen) hinzu, dann umfasst die Region gut 249 Millionen Menschen - das sind mehr Bürger als in den BRIC-Ländern Brasilien oder Russland leben.
Nun sagen natürlich einige Leute: Ja, aber man kann Osteuropa ja eigentlich nicht als einen einzigen Binnenmarkt sehen. Das stimmt. Aber dann sollten Anleger die gleiche Meßlatte für die anderen Schwellenländer anlegen. Und dann relativieren sich einige Eindrücke ganz schnell.
So wird von Indien oftmals als dem Binnenmarkt der Zukunft gesprochen. Denn das Land hat 1,1 Milliarden Einwohner - und dabei habe ich vermutlich 50 Millionen Inder oder so einfach „vergessen". Auch ich bin der Meinung, dass die Binnenmarktpotentiale in Indien langfristig gewaltig sind.
Aber: Die Entwicklung des indischen Binnenmarktes wird ganz anders verlaufen, als es sich viele westliche Anleger vorstellen. Es das Riesenreich in Südwestasien ist nicht ein einzelnes Land. Sie alle kennen ja schon die regionalen Unterschiede in Deutschland - und wir sprechen alle die gleiche Sprache, haben die gleiche Historie und den gleichen kulturellen Hintergrund.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jürgen Eduard Drgala (01.07. 2011 20:35 Uhr):
Ich glaube zwar auch, dass man die ehemaligen Ostblockstaaten in letzter Zeit vollkommen übersehen hat , bemängle dies jedoch aus einem anderem Grund. Allenthalben wird immer nur von den Piigs-Staaten gesprochen, die den Euro und die EU bedrohten.Der definitive GAU droht jedoch von den früheren Ostblockstaaten, die erst vor einigen Jahren in die EU aufgenommen wurden, mit Euro-Krediten zugeschüttet wurden und die diese Kredite nicht mehr zurückzahlen werden können. Westeuropäische Banken haben osteuropäischen Banken Euro-Kredite in Höhe von 1,2 Billionen Euro gegeben . Selbsttragende, robuste wirtschaftliche Innovationskräfte sind dort nur schwer erkennbar, so dass -neben einem völlig ungesund aufgeblasenem Immobiliensektor -diese Länder vor allem nach wie vor lediglich die Verkaufstheken bzw Produktionsumsetzer für die Produkte der westlichen Geldgeber darstellen..Aus Gründen der "Systemrelevanz" werden zur Konkursverhinderung der Banken dann wieder finanzielle Rettungspakete geschnürt , die vom Steuerzahler aufzubringen sind.
Antworten - Kommentar von Achim Rodewald (04.07. 2011 13:50 Uhr):
Regionale Unterschiede in Indien - schön und gut! Aber kann man diese Unterschiede tatsächlich mit denen, die sich aus einem osteuropäischen Binnenmarkt inklusive Anrainer Ukraine und Türkei ergeben, vergleichen? Ich denke, mit einem solchen Vergleich sollte man sehr vorsichtig sein. Immerhin gibt es in Indien ein Parlament und eine Regierung, die dieses Riesen-Reich, das nicht umsonst ein Subkontinent genannt wird, verwalten. Über die Qualität können wir streiten, aber die Tatsache, dass dort ein Parlament existiert, in dem mehr als zwanzig unterschiedliche Sprachen gesprochen werden, sowie eine Koalitionsregierung an der Macht ist, die innerhalb von wenigen Tagen nach der Wahl stand (und aus deutlich mehr als nur zwei Parteien besteht), lässt darauf schließen, dass die Politik in Indien mindestens genau so gut wie die der EU funktioniert, wenn nicht noch deutlich besser. Immerhin gibt es Indien als Subkontinent schon rund sechzig Jahre. Man hat sich, bei allen regionalen Unterschieden, doch recht gut zusammengerauft! Davon ist die EU noch ein Stück weit entfernt, von den osteuropäischen Staaten ganz zu schweigen. Und wenn die Investoren der EU schon die Lösung der Griechenland-Frage zutrauen, sollten sie mit einem seit sechzig Jahren durchaus stabilen Indien eigentlich keine Probleme in das Vertrauen des Wirtschaftskurses haben - bei allen anderen Schwierigkeiten, die der Subkontinent sonst ja durchaus anbietet...
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