Das amerikanische Haushaltsdefizit
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 18. Juli 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Das amerikanische Haushaltsdefizit wird im Jahr 2007 auf ungefähr 205 Milliarden Dollar zurückgehen, gab die Bush-Regierung bekannt. Das ist ein ganzes Stück unter den 244 Milliarden Dollar, die die Regierung im Februar vorhergesagt hatte und eine Senkung von 17% gegenüber dem Fehlbetrag im Vorjahr.
Die ursprüngliche Vorhersage für den Haushalt von 2007 hat einen Rückgang des amerikanischen Haushaltsdefizits auf 354 Milliarden Dollar erwartet, was ungefähr 2,6% des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten ausmachen sollte. Die aktuelle Schätzung liegt damit 42% unterhalb der ursprünglichen Erwartungen, die den Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts auf 1,5% senken würde – womit sie deutlich unterhalb des vierzigjährigen Durchschnittsdefizits liegt.
Aber die Sache mit den Zahlen für die Neuverschuldung bei der Bush-Regierung ist, dass sie sich in den vergangenen vier Jahren zurückgehalten haben. Normalerweise lag die erwartete Neuverschuldung nicht nur deutlich unterhalb der ursprünglichen Haushaltsplanung, sondern auch unterhalb der nachfolgenden Aktualisierungen.
Und entsprechend liegen die einvernehmlichen Schätzungen der Ökonomen an der Wall Street noch darunter. Die mittlere Schätzung von 40 Ökonomen in einer Untersuchung durch Bloomberg geht davon aus, dass das tatsächliche Defizit in diesem Jahr bei 170 Milliarden Dollar liegen wird – weniger als 1% des Bruttoinlandsprodukts.
Es liegt damit noch deutlich unterhalb des Niveaus der Neuverschuldung bei den angeblichen Musterknaben der wirtschaftlichen Tugenden... wie z.B. Deutschland, Japan oder sogar China.
Natürlich vergessen die Dauerbären nie, darauf zu verweisen, dass die Neuverschuldung als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts zurückgeht, wenn wirtschaftliches Wachstum stattfindet. Neuverschuldung des Bundes sagt auch nichts über die bestehenden Schuldenniveaus der Staaten und Gemeinden aus.
Was sie normalerweise außer Acht lassen ist, dass die Neuverschuldung auch dann zurückgeht, wenn die Steuerbeiträge steigen, auch das ist eine Folge des Wirtschaftswachstums. Offensichtlich haben die Steuerkürzungen durch Bush nicht nur Wunder bewirkt, als es darum ging, die Beinahe-Rezession von 2001 in einen wirtschaftlichen Boom zu verwandeln, sie bringen auch höhere Steueraufkommen hervor, indem sie von den Steuerzahlern weniger verlangen.
Das gibt den Versprechungen mancher Präsidentschaftskandidaten, das Steuersystem „reparieren“ zu wollen, einen ernsteren Beigeschmack.
*** Die Immobilienkrise
Die amerikanische Bautätigkeit sank zwischen Mai 2006 und Mai 2007 um 2,9%. Das ist natürlich nicht besonders viel... bis einem auffällt, dass die Bautätigkeit im Wohnsektor seit Mai 2006 um 17,4% zurückgegangen ist.
Bauunternehmen im Wohnsektor, wie Tollbrothers und die Ryland Group, leiden. Der Wettbewerb, Bestände von Immobilien los zu werden, senkt die Angebotspreise und sogar die Hypothekensätze, die von den Bauunternehmern angeboten werden: Wenn Zinssätze unter dem Marktniveau dazu beitragen, Autos zu verkaufen, warum dann nicht auch Häuser?
Kommerzielle Immobilien boomen hingegen auch weiterhin und wuchsen im vergangenen Jahr um 15,4%. Verkaufs- und Bürogebäude werden immer noch in Rekordzahlen gebaut, dank der boomenden Wirtschaft und der gesunden heimischen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen.
Es kann jedoch nicht bestritten werden, dass Immobilienaktien als Folge der Probleme bei den Bauunternehmern und den Kreditgebern im unteren Bereich gelitten haben. Ganz besonders REITs mussten, nach Jahren spektakulären Wachstums, Schläge einstecken. In vielen Fällen spiegelt der Verlust an Aktienwert nicht das Missmanagement, die einbrechenden Gewinne oder den Mangel an unternehmerischen Fähigkeiten wieder, sondern nur, dass ein Unternehmen Teil einer Branche ist, die aus der Mode gekommen ist.