DAS aktuelle Thema der Finanzmärkte ist ...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 06. April 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Heutiges Thema: Die amerikanischen Zinsen.
Ich sehe die enttäuschten Gesichter einiger Leser gedanklich vor mir: "Ooooh ... wie langweilig ... kann er denn nicht was über chinesische Brauerei-Aktien oder Währungs-Optionsscheine mit 1000 % Potenzial schreiben ..."
Nein! Denn die amerikanischen Zinsen sind derzeit DAS Thema der Finanzmärkte. Mit dem sich übrigens richtig gut Geld verdienen lässt! Ich verweise nur auf den gestern von mir genannten Schein (WKN TB0AHK), der zu diesem Zeitpunkt bei rund 6,00 Euro stand. Und den die Leser meines Börsenbriefs bereits letzten Donnerstag zu 4,00 Euro (oder sogar noch etwas günstiger, Kauflimit lag bei 4,00 Euro) gekauft haben. Aktuelle Notierung ... Moment, ich schaue gerade an der Euwax, das ist die Börse Stuttgart, nach: 6,27 zu 6,33 Euro (Ankaufs-/Verkaufskurs des Emittenten). Keine schlechte Performance für diesen eigentlich sogar eher konservativen Schein!
Jetzt möchte ich Ihnen erst einmal genauer erklären, was das überhaupt für ein Schein ist:
Es handelt sich um einen "T-Note Future"-Put. Als Basiswert habe ich amerikanische Staatsanleihen, so genannte Treasury Notes (kurz: T-Notes) ausgewählt. Ganz konkret handelt es sich um den Future auf 10-jährige Staatsanleihen, aber diese Details brauchen Sie nicht zu verwirren. Die behalte ich für Sie schon im Auge.
Was passiert nun mit dem Kurs der T-Notes, wenn die Zinsen steigen? Der Kurs fällt! Das ist der Grundmechanismus, den Sie unbedingt verstehen müssen, wenn Sie am Anleihenmarkt mit Optionsscheinen Geld verdienen wollen: Steigende Zinsen führen zu fallenden Kursen bei den Anleihen, und umgekehrt.
Den Grund dafür erkläre ich Ihnen am besten anhand eines Beispiels. Die Leser meines Börsenbriefs können diesen Abschnitt überspringen, die wissen bereits Bescheid. Also, los geht's:
Eine Anleihe wird zum Nennwert von 100 Dollar ausgegeben und hat einen Zinssatz von 5 %. Ein paar Monate später ist das Zinsniveau deutlich angestiegen, und eine neue Anleihe wird ebenfalls zum Nennwert von 100 Dollar ausgegeben, hat aber einen Zinssatz von 7 %. Wer würde da bei gleichem Preis noch die alte Anleihe kaufen? Niemand! Deshalb muss der Kurs der alten Anleihe fallen, damit diese wieder genauso attraktiv wie die neu ausgegebene ist. Je nach Laufzeit muss die alte Anleihe also auf Kurse von 96, 94 oder sogar 92 Dollar fallen.
Und hier kommen die Optionsscheine ins Spiel! Konkret zum von mir empfohlenen Put:
Mit einem Put profitieren Sie von fallenden Kursen. Der Basiswert (T-Note Future) stand zum Zeitpunkt meiner Empfehlung bei gut 115,00 Dollar. Dieser Put entwickelt sich absolut gesehen im Verhältnis 1:1 zum Basiswert – nur genau umgekehrt. Das heißt: Wenn der Basiswert um 1,00 Dollar fällt, dann steigt der Schein um einen Dollar. Da der Kapitaleinsatz beim Kauf des Scheins aber deutlich geringer ist als beim Direktkauf, kommt man auf einen deutlichen Hebel. Bei diesem Put liegt er übrigens bei gewaltigen 32! Das heißt: Prozentual gesehen entwickelt sich dieser Schein 32 Mal so stark wie der Basiswert. Das ist aber auch notwendig – denn bei Anleihen sind die Kursschwankungen nicht so hoch wie bei Aktien.
Und was ist in den letzten drei Handelstagen passiert? Die Notierung des Basiswertes hat rund 3 Dollar verloren, damit ist die Notierung des Scheins um rund 3 Dollar gestiegen. Umgerechnet in Euro ergibt sich daraus die stolze Performance von gut 56 %.
Ich will das Risiko dieses Scheins nicht verschweigen: Da es sich nicht um einen "normalen" Put handelt, sondern ein sogenanntes Turbo-Zertifikat, gibt es eine "Knock-Out-Schwelle". Wenn der Kurs des Basiswertes diese Marke erreicht, verfällt der Schein wertlos. Und diese Marke liegt bei 120 Dollar. Damit Sie dieses Risiko auf jeden Fall ausschließen, empfehle ich Ihnen dringend, einen Stoppkurs zu setzen. (Wenn Sie einen Stoppkurs setzen, wird Ihre Position automatisch verkauft, wenn der Kurs diese Marke erreicht oder unterschreitet. Teilen Sie Ihrer Bank/Ihrem Direktbroker einfach diese Marke mit, die meist "Stop Loss" genannt wird).
Mein Vorschlag: Setzen Sie diesen Stopp bei genau 6,00 Euro. Wenn Sie gestern gekauft haben, dann haben Sie dadurch zumindest Ihren Einstandskurs abgesichert. Und die Leser meines Börsenbriefes haben damit schon mal 50 % Gewinn sichergestellt – bei gleichzeitiger Chance auf weitere Gewinne. Denn ich bin zuversichtlich, dass uns dieser Schein noch viel Freude machen wird! Man muss ihm nur ein bisschen "Luft zum Atmen" lassen, d.h. auch einmal einen Tag technische Korrektur einkalkulieren. Die Börse ist eben keine Einbahnstraße! Das habe ich berücksichtig, indem ich den Stopp nicht zu eng gesetzt habe.
Ich bin gespannt, was der Schein diese Woche noch machen wird!
Also, bis Morgen!
Michael Vaupel
P.S.: Gerade sehe ich, dass mein Kollege Christoph von einer "Euro-Blase" geschrieben hat (siehe unten). Na, also wenn irgendwo "heiße Luft" drin ist, dann im Dollar (immer noch)! Mehr dazu voraussichtlich morgen ...