Darum sind High Tech-Aktien so „out“
Daniel Wilhelmi in Profit Radar zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 9. Februar 2012, 19:00 Uhr
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Der Nasdaq ist am 8. Februar auf ein Elf-Jahres-Hoch gestiegen. Ja, dies ist kein Tippfehler. Ein Elf-Jahres-Hoch. Der höchste Stand seit 2001 - und kaum ein Anleger hat es mitbekommen. Ein großer Teil dieses Anstieges gebührt natürlich der Apple-Aktie. Aber nicht nur.
Doch fangen wir anders an: Wieso führen High Tech-Aktien seit nun mehr zehn Jahren ein Schattendasein? Neben der negativen Börsenpsychologie nach dem Horror-Crash der New Economy gibt es dafür drei weitere Gründe. Aber die Börsenpsychologie war natürlich der wichtigste Faktor.
In dem Platzen der New Economy-Blase verbrannte sich eine ganze Anlegergeneration die Finger - vor allem in Deutschland mit dem Desaster des „Neuen Marktes" (auch ich habe damals ordentlich bluten müssen, dass gebe ich ehrlich zu). Die Verluste waren bei vielen Anlegern so horrend, dass viele Anleger der gesamten Börse oder aber zumindest dem High Tech-Sektor den Rücken zudrehten.
Dazu kam das Comeback der Value Strategie und dann der Siegeszug der Rohstoffe. Insbesondere der Boom der Rohstoffe, allen voran der Explorerwerte, lenkte die Aufmerksamkeit vom High Tech-Sektor ab. Denn, und da sind wir schon beim nächsten Grund: Es gab in den vergangenen zehn Jahren bis auf das Smartphone und seit einigen Jahren Social Media keine technologische Revolutionen in den Dimensionen, wie sie sich Mitte/Ende der 90er Jahre ereigneten (Handy, Internet).
In den vergangenen zehn Jahren sind zwar viele Durchbruchs-Technologien entstanden. Aber diese waren nur Weiterentwicklungen bereits bestehender Technologien (Cloud Computing etc.). Im Biotech-Sektor gab es überhaupt keine spektakulären Durchbrüche mehr. Der Nanotech-Bereich, ein kurzer Megahype an der Börse, ist zwar in der Realwirtschaft durchaus erfolgreich, aber verschwand an der Börse innerhalb kürzester Zeit wieder im Nirwana.
Es erfolgt eine Wachablösung im High Tech-Sektor
Gleichzeitig war die Performance der alt bekannten Aktien-Stars bis auf Apple und Amazon.com in den vergangenen Jahren so unspektakulär, dass sich der Tech-Sektor nicht aus seinem Schattendasein spielen konnte. So notiert die Aktie von Microsoft heute ziemlich genau da, wo sie schon vor zehn Jahren stand (und das auch nur dank einer starken Rallye zum Jahresauftakt 2012).
Yahoo!, einst ein Superstar der ersten Internet-Generation, ist seit 2005 von 40 USD auf jetzt nur noch 15 USD gefallen. Dell notiert heute niedriger als vor zehn Jahren. Andere Blue Chips wie eBay, EMC oder Oracle stiegen in der vergangenen Dekade zwar an. Aber die Kursanstiege waren nicht spektakulärer als bei klassischen Dow Jones Werten.
Diese insgesamt enttäuschende Performance der altbekannten High Tech-Stars von Vorgestern half natürlich nicht, die Technologiewerte wieder ins Rampenlicht der Börse zu rücken. Vor allem, wenn die Rohstoffe und Rohstoffaktien zur gleichen Zeit durch die Decke gingen.
Wenn die alten Stars die Leistung nicht mehr bringen, dann müssen aber bekanntlich neue Stars her. Doch die sind bis auf Google oder Gilead Science im Biotech-Sektor in den vergangenen zehn Jahren nicht in die erste Reihe getreten. Es gab sensationelle Aktien - aber von kleinen Unternehmen, die selbst heute bei der Masse der Anleger immer noch völlig unbekannt sind.
Denn kaum jemand beschäftigt sich mit dem High Tech-Sektor. Das könnte sich mit dem Börsengang von Facebook nun endlich wieder ändern. Das Comeback der High Techs hat das Potential für eine der großen Überraschungsstorys in 2012 und in den kommenden Jahren zu werden. Nur werden die Stars völlig andere Namen sein, als die Börsianer bisher kennen.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi