Darf ich vorstellen: Frank Schäffler
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 16. März 2010, 16:00 Uhr
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ich sage es ganz offen: Ich bin absolut kein Freund der deutschen Parteienlandschaft und habe von keiner dieser entsprechenden "Vereinigungen" insgesamt eine hohe Meinung. Im absoluten Gegenteil...
Das bedeutet aber keineswegs, dass es auch nicht hier löbliche, einzelne Ausnahmen im politischen Bereich geben könnte, denen man zumindest einmal ein offenes Ohr schenken sollte. Ich möchte diesen heutigen Beitrag daher auch nicht als "Werbung" für irgeneine Partei oder einen Kandidaten verstanden wissen, sondern viel mehr finde ich es einfach nur lobens- und erwähnenswert, wenn wenigstens ein Politiker einmal anfängt, die wirklichen Probleme, die hinter unseren heutigen Finanzkrisen stehen, anzusprechen.
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit daher heute auf einen FDP-Bundestagsabgeordneten namens Frank Schäffler richten.
Frank..., wer?
Frank Schäffler ist FDP-Bundestagsabgeordneter und Obmann der FDP-Fraktion im Finanzausschuss. Der gute Herr machte erst kürzlich von sich reden, als er den Griechen mit seinen umstrittenen Äußerungen (welche ich im Gegensatz zu den nachfolgenden Äußerungen von Herrn Schäffler nicht für sehr sinnvoll und gut durchdacht halte) empfahl, ihre Inselchen zu verkaufen (Quelle: Bild Online)
„Die Kanzlerin darf keinen Rechtsbruch begehen, darf Griechenland keine Hilfen versprechen. Der griechische Staat muss sich radikal von Beteiligungen an Firmen trennen und auch Grundbesitz, z. B. unbewohnte Inseln, verkaufen.“
Auch in diesem Video der Sendung Plus Minus vertritt Herr Schäffler eine "gewagte These":
Er ist gegen die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen. Dass man sich damit in der mindestens sozialistisch angehauchten BRD keine Freunde macht (zumindest nicht in der breiten Öffentlichkeit), scheint klar zu sein. Und trotzdem sollte man Herrn Schäffler m.E. doch etwas zuhören. Denn in einem Gastkommentar für die Süddeutsche Zeitung spricht er ein paar ganz wesentliche Punkte an:
„Der Fall Griechenland zeigt, dass die Nichteinhaltung von europäischen Verträgen erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsverfassung hat. Die Finanzhilfen, die von den Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem informellen Treffen am 11. Februar 2010 Griechenland in Aussicht gestellt wurden, gefährden nicht nur die Stabilität des Euro. Die Vereinbarungen der Staats- und Regierungschefs der EU sind eine Verabredung zum kollektiven Rechtsbruch, der den Zusammenhang von Haftung und Entscheidung aushebelt. Die in den Römischen Verträgen gewollte freiheitliche europäische Wirtschaftsverfassung gleitet durch diesen geplanten Rechtsbruch Schritt für Schritt in eine Ordnung der kollektiven Verantwortungslosigkeit, die das vereinte Europa zerstören kann.
[...] Rechtsbruch führt immer zu Wohlfahrtsverlusten. Kollektiver staatlicher Rechtsbruch führt immer zu gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlusten. Griechenland hat durch seinen erschlichenen Beitritt in die Euro-Zone das Recht gebrochen und durch seine Finanz- und Haushaltspolitik den gesamteuropäischen Wohlstand gesenkt. Dieser Rechtsbruch wird nicht durch die Verabredung zum kollektiven Rechtsbruch vom 11. Februar 2010 geheilt, sondern nur durch den Austritt von Griechenland aus dem Euro. Die in Aussicht gestellten Finanzhilfen für Griechenland werden dem Land letztlich nicht helfen, aber den gesamteuropäischen Wohlstand und den Wert des Euro weiter senken. [...] Wer die Stabilitätskriterien für den Euro dauerhaft nicht einhält, muss die Euro-Zone verlassen."
Bisher ein netter Kommentar, aber jetzt legt Herr Schäffler richtig los:
„Darüber hinaus sind die bislang vorgeschlagenen finanziellen Rettungsmaßnahmen für Griechenland genauso wenig Lösungen für die griechische Überschuldungskrise wie es die seit Herbst 2008 beschlossenen Bankenrettungspakete für die Banken waren. Die Ursachen der Überschuldungskrise liegen im Geldsystem, doch dies wird von den verantwortlichen Staats- und Regierungschefs bislang nicht einmal diskutiert. Die Rettungspakete bestehen bisher aus purer Geld- und Kreditschöpfung. Dieser, unsere freiheitliche Wirtschaftsverfassung gefährdende Schneeball aus ungedecktem staatlichen und schlechten Geld durch die vermeintlichen Rettungspakete wird immer größer. Das Schneeballsystem wird früher oder später zusammenbrechen. Wir müssen deshalb über eine neue Geldordnung nachdenken.
Die derzeitige Überschuldungskrise von Staaten und Banken ist nur im Rahmen des staatlichen Papiergeldmonopols, in dem Geld und Kredit aus dem Nichts geschaffen werden, möglich. Eine marktwirtschaftliche Geldordnung, die wir leider nicht haben, hätte durch die in ihr wirksamen Schuldenbremsen diese Überschuldungskrise erst gar nicht entstehen lassen.
Bei Gewährung von vollständiger Produzenten- und Konsumentenfreiheit im Finanzsektor kann es jedem einzelnen ermöglicht werden, zwischen staatlichem und anderem Geld zu wählen. Dazu müsste das staatliche Geldmonopol fallen und zugelassen werden, dass sich in dezentralen Entdeckungsverfahren parallel zum staatlichen Zahlungsmittel alternative Währungen entwickeln können. Da niemand freiwillig schlechtes Geld hält, wird der sich entwickelnde Währungswettbewerb die privaten, aber auch die staatlichen Geldproduzenten dazu anhalten, besseres Geld zu produzieren. Die Produktion von schlechtem Geld und die Verschlechterung von gutem Geld wird von den Menschen aufgrund ihrer freien Wahlmöglichkeit zwischen unterscheidbaren privaten und staatlichen Währungen, also aufgrund ihrer Konsumentenfreiheit, sofort durch Abwanderung zu konkurrierendem Geld bestraft werden.
Der Staat müsste bei gesunkener Kaufkraft seiner Währung - zum Beispiel aufgrund einer zu hohen Staatsverschuldung - zur Deckung seiner Ausgaben entweder die Steuern erhöhen, sparen oder neue Kredite aufnehmen. Sollten diese Darlehen in der eigenen staatlichen Währung aufgenommen werden und aus purer Geldschöpfung bestehen, wird erneut die private Nachfrage nach der Währung und somit ihr Wert sinken. Dieser Entwicklung könnte dann nur durch höhere Zinsen für das staatliche Geld entgegengewirkt werden, weil die Investoren sich das erhöhte Risiko zahlen lassen oder eben in eine andere Währung wechseln würden. Höhere Zinsen verteuern jedoch gleichzeitig die Rückzahlung der Kredite für den Staat.
Ein Staat würde folglich durch die Zulassung von konkurrierenden Privatwährungen und eines allumfassenden Währungswettbewerbs gezwungen, eine nachhaltigere Haushaltspolitik zu verfolgen. Die Zulassung von konkurrierenden Privatwährungen und eines Wettbewerbs unterschiedlicher Währungen wären deshalb eine weit wirksamere Schuldenbremse als es heute die Grenzwerte des europäischen Stabilitätspaktes sind. Zudem würden kollektive Rechtsbrüche der Regierungen, wie die vom 11. Februar 2010, sofort durch die Abwanderung aus dem Euro bestraft. Eine marktwirtschaftliche Geldordnung würde aus diesen Gründen die Rechtstreue unserer Regierungen fördern und verhindern helfen, dass das vereinte Europa aufgrund kollektiver Rechtsbrüche von Staaten auseinanderfällt."
Herr Schäffler, Sie kennen sich offenbar im Gegensatz zu 98% aller Bundestagsabgeordneten mit unserem Geldsystem aus und wissen, wo die wahre Ursache für die zahlreichen Krisen liegt. Es ist das ungedeckte, aus dem Nichts erschaffene virtuelle Geld, welches unsere kapitalistische Welt von einer Krise in die nächste stürzt.
Auch wenn sich laut einer Umfrage die Mehrheit der Deutschen einen sozialistischen Staat wünscht (solange die Grundbedürfnisse von Klein-Michel gedeckt sind, ist manchen Zeitgenossen wohl erschreckenderweise alles recht...), so muss ich doch als "Vollblutkapitalist" und Anhänger der Österreichischen Schule sagen, dass der Kapitalismus als solcher eben gerade nicht(!) gescheitert ist. Er ist allerdings auf dem falschen (Papiergeld-)Fundament gebaut und wird durch sozialistische Planwirtschaft (z.B. Zentralbanken) an wichtigen Stellen verhindert.
Ich bin froh, dass es wenigstens einen Bundestagsabgeordneten gibt, der dieses Problem richtig analysiert hat und seine Meinung öffentlich in der Presse vertritt. Die Mehrheit der offenbar kleinen roten Michelsozis wird solche Gastbeiträge jedoch mit Sicherheit nicht lesen wollen. Lieber die Zeitung mit den vier (roten) Großbuchstaben gekauft, welche die Welt immer so schön einfach in wenig Wort und wohl differenziert bzw. ausgewogen erklärt, und auf die bösen bösen Spekulanten und Heuschrecken geschimpft. Der "Vater" Staat muss uns schützen... Warum also nicht gleich einen schönen, richtig gut gesicherten antikapitalistischen Schutzwall um die ganze BRD bauen? Wer braucht schon wertlose Abfallprodukte wie die eigene Freiheit in einer "grausamen" Welt voller Terroristen, brutaler Spekulanten und gefährlicher Viren?
„Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatsfähigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung und Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden.“ (Ludwig von Mises, 1881-1973)
Freiheitliche Grüße,
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von longshort (16.03. 2010 16:17 Uhr):
Schade, dass zu viele verkennen, was hier wirklich abläuft und sich mit Brot und Spielen verzücken und von Mama Merkel beruhigen lassen. Und später sind es dann wieder andere gewesen oder man hatte ja keine Ahnung, was da getrieben wird. Schön, Herr Hahn, dass Sie den Pops in der Hose haben, diese unpopulären Thesen kund zu tun. ;-)
Antworten - Kommentar von Andreas Veigel (16.03. 2010 16:39 Uhr):
Frank Schäfflers fundamentale Fehler sind: 1. Der Staat ist keine dritte Person, jedenfalls nicht fiskalisch. Der Staat ist das Staatsvolk. Also wir. Ist der Staat pleite, egal in welchem Geld, zahlen das wir. 2. Die Differenzierung zwischen Staat und Regierung fehlt. Das sollte einem Abgeordneten nicht passieren. Vielleicht meint er ja Regierungsgeld? Aber das geht ja gleich gar nicht. 3. Die wahren Ursachen des ungedeckten Geldes liegen einige Jahre zurück bei den Machenschaften einiger weniger Herren. Aber da wird es für einen MdB zu heiß.
Antworten - Kommentar von Claus Wita (16.03. 2010 16:47 Uhr):
1. Wir haben aber doch schon konkurriernde Währungen: Schweizer Franken, USD, EUR usw. Alle befinden sich z.Zt. in einem Abwertungswettlauf, um der eigenen Wirtschaft die Ausfuhr zu erleichtern. 2. Eine weitere Währung in einem Nationalstaat würde wahrscheinlich durch Finanzhaie, Börsen-Manipulationen, getarnte staatliche Eingriffe gesteuert werden, so dass der angedachte Zweck mit Sicherheit verfehlt würde. Wo das Geld heute ist, ist auch die Macht u. die wird keine Konkurrenz aufkommen lassen!
Antworten - Kommentar von Sigurt Perk (16.03. 2010 18:07 Uhr):
Hallo Herr Hahn, obwohl ich keine Zeit habe, drängt es mich den Unsinn von diesem Herrn Schäffler zu kommentieren. Warum stellt dieser Herr nicht auch gleich das staatliche Monopol der Polizeigewalt infrage, die Gerichtsbarkeit und die Finanzverwaltung dazu. Das wäre doch wunderbar. Dann könnte sich doch jeder sein Finanzamt aussuchen, wenn es private Finanzämter gäbe. Doch nun zur sachlichen Kritik: Natürlich wird die Praxis der staatlichen Finanzierung über die zunehmende Verschuldung vor die Wand laufen, in dem Punkt hat er recht. Doch was sind die wahren Ursachen? Erstens muss hier der aus dem Ruder gelaufene Kapitalismus genannt werde n samt einer ohne jede Moral agierende Managerkaste. Ich sage als Marktwirtschaftler, wenn eine gewisse Gerechtigkeit nicht mehr erreicht wird, hat das System versagt. Das Versagen dieses Systems hat auch mit dem Verlust von Ethik zu tun, aber in erster Linie mit mangelnder Regulierung. Hierzu haben wir in einem Brief an Frau Merkel, aber auch an alle Bundestagsabgeordneten, unsere Forderungen gestellt, die auch heute in der politischen Diskussion sind. Wir befürworten als Börsenclub auch eine Transaktionssteuer in einer Höhe, dass zumindest das elende Zocken dieser morallosen Zockerbande uninteressant wird. Als zweiten Hauptgrund sehen wir für die Verschuldung der Staaten die Wähler in der Verantwortung. Jeder Politiker, der Sparen gefordert hat, wurde umgehend abgewählt. In einer Zeit, in der Bonibänker sich weiter schamlos selbst bedienen, wird es aber unmöglich sein, dem kleinen Mann die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen zu erklären. Es muss wohl alles seinen tragischen Gang nehmen bis zum Totalzusammenbruch und einem Neuanfang bei der Stunde null. Die Menschheit scheint zur Mäßigung nicht imstande zu sein und Sie, Herr Hahn, sind ein geistiger Wegbereiter. Sigurt Perk
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (17.03. 2010 02:03 Uhr):
Sigurt Perk: Sorry, da kann ich Ihnen überhaupt nicht zustimmen, besonders, was die 'alte Leier' mit der Gier als Ursache der Krise angeht. Natürlich sind Banker nicht unschuldig an der Sache hier, aber woher kommt denn der Drang zu solchen Exzess-Spekulationen? Ein Blick in die Finanzmarktgeschichte sagt hier einiges, wie etwa der Präzidenzfall um Long Term Capital Management sehr klar zeigt. Wenn ich als Bank weiß, dass ich 'rausgehauen' werde, wenn der Schaden, den ich sonst verursachen würde, nur groß genug ist, dann ist das doch ein doppelter Moral Hazard: Einmal die Tatsache, dass ich weiß, dass ich 'rausgehauen' werde, und dann gleichzeitig noch der Ansporn, möglichst großen Schaden zu machen, da damit die Sicherheit der staatlichen 'Rettung' steigt und der Schaden auch 'systemrelevant' wäre. Zu glauben, dass hier also gerade die Politik, welche solch ein Verhalten doch erst möglich gemacht hat und den Markt EBEN NICHT laufen ließ (denn dann wären die Firmen pleite gewesen und keiner würde heutzutage derart krass zocken, weil er wüsste, was ihm blüht in solchen Fällen), der Retter sein soll, halte ich für völlig aberwitzig und an der Sache grob vorbei. Ich bleibe dabei: Weniger Regulierung. Und endlich aufhören, den Bock (Politik) zum Gärtner machen. Dass darüber hinaus es durchaus gewisse Auswüchse bei manch einem Manager gibt, ist natürlich richtig. Aber das alleine lässt kein Finanzsystem zusammenbrechen, so lange die Firma bzw. der Manager das Risiko selbst tragen müssen (wie es sich ja beim Kapitalismus gehört, wenn die Politik ihre Finger rauslassen würde). Ich bleibe daher bei meinen Standpunkten und stehe selbst auch hinter den Kernpunkten, welche Herr Schäffler hier äußert. Erst durch die politischen Einmischungen von Notenbanken und Regierungen wird das Problem stark potenziert. Das mag im chronisch staatsgläubigen Deutschland keine populäre Ansicht sein, aber ich denke, sie lässt sich mehr als hinreichend mit guten Argumenten begründen. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Sigurt Perk (18.03. 2010 18:15 Uhr):
Hallo Herr Hahn, leider haben Sie in Ihrer Antwort keine Funktion eingerichtet, damit ich Ihnen antworten kann. Deshalb schreibe ich die Antwort über meinen Beitrag. Es besteht nicht der geringste Widerspruch zwischen Ihrer Meinung und meiner, wen es um die Frage der Verantwortlichkeit der Bänker für den angerichteten Schaden geht und dass es unmöglich ist, dass diese Herren sich darauf verlassen können, dass wir als Steuerzahler für den angerichteten Schaden aufkommen müssen. Doch Sie bleiben die Antwort schuldig, wie Sie das in der betreffenden Situation hätten verhindern wollen. Plädieren Sie wirklich dafür, dass wir die Banken hätten Konkurs gehen lassen sollen mit all den verheerenden Folgen? Sie sind aber völlig auf dem Holzweg, wenn Sie glauben, dass die staatlichen Regulierungen schuld an dieser Zockereien sind. Während wir als kleine Selbstständige mit immer mehr zum Teil völlig unsinnigen Regulierungen gequält werden, ist der Finanzsektor immer mehr dereguliert worden. Wo haben Sie gelebt, dass Sie das nicht mitbekommen haben? Unter Reagan wurde doch die nach 1929 eingeführte Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken wieder aufgehoben. Auch Schröder hat weit reichende Deregulierungen durchgeführt, im Einzelnen will ich darauf nicht eingehen. Natürlich hat auch die Politik versagt, da gebe ich Ihnen recht. Aber wissen Sie genau, in wie weit heute politische Entscheidungen von der Finanzbranche gesteuert werden? Zumindest in Amerika scheint das ein ernst zu nehmendes Problem zu sein. Diese Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden und wir können von Glück reden, wenn sie nicht zu solchen politischen Verwerfungen führt, wie nach 1929. Sigurt Perk
- Antwort von Alexander Hahn (18.03. 2010 21:49 Uhr):
Sigurt Perk: Hallo, ich denke, Sie haben mich falsch verstanden. Natürlich weiß ich, dass der Finanzsektor sehr stark dereguliert wurde und darüber habe ich ja hier bei Investoren Wissen auch schon ausführlichst geschrieben (Clinton und die Rücknahme des Glass Steagall Acts auf Betreiben der Wall Street, uvm). Doch ist es das alleine? Sicher nicht. Ich sehe das Problem viel mehr darin, dass für die Banken seit Jahren klar ist, dass man sie raushauen wird, wenn der Schaden, den sie anrichten, nur groß genug ist. Drehen wir doch den Spieß daher einmal um: Finden Sie Fälle wie LTCM richtig? Sehen Sie hier kein Problem? Wenn Banken seit damals gewusst hätten: Zocke ich zu hart, fliege ich aus dem Geschäft, dann wäre Deregulierung zwar immernoch vielleicht etwas gewesen, was man nicht hätte in der Form machen sollen, aber die gravierenden Folgen hätten NIEMALS derart stark eintreten können, denn kein Banker will aus dem Geschäft fliegen, seinen Status und seinen Bonus verlieren. Wenn Sie daher jetzt anregen, Banken nicht pleite gehen zu lassen, dann können Sie doch regulieren, so viel Sie möchten. Die Bank weiß nach wie vor, dass sie nur genug Schaden anrichten muss, dann wird man sie mit Staatsknete schon durchfüttern. Klar, zu viel Deregulierung ist in manchen Situationen sicher ein Problem. Keine Frage. Aber alleine sich auf die Deregulierung zu stürzen übersieht in meinen Augen den viel wichtigeren und letztlich entscheidenden Punkt: Moral Hazard. Wir liegen somit gar nicht weit auseinander mit unseren Meinungen. Ich halte nur überhaupt nichts von diesen Moral Hazard Sachen. Das ist ein Teufelskreis. Die entsprechenden Herren in den Banken lachen doch die Welt aus. Zurecht. Denn so lange es immer die 'Rettungsoption' gibt, wird es die Leute in den Banken einen Dreck kümmern, was ihre Aktionen bewirken. Außerdem, warum soll es immer so ein panisches Drama sein, wenn eine Bank zumacht? Das gab es doch in der Geschichte des Kapitalismus oft genug und die Welt steht noch. Kapitalismus ohne Risiko gibt es nicht. Das ist Sozialismus für Reiche. Und das ist der Punkt, mit dem ich ein Problem habe. Die Bailout-Spirale muss durchbrochen werden. Gelingt das nicht, werden wir alle früher oder später gegen die Wand fahren und in Form von Inflation etc. zahlen. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Sigurt Perk (19.03. 2010 18:49 Uhr):
Hallo Herr Hahn, da muss ich doch noch mal antworten. Natürlich hätte ich mit Wonne zugesehen, wenn wir die ganze Zockerbande hätten pleite gehen lassen können. Nur war das in der gegebenen Situation nicht möglich. Mir scheint aus Ihren Ausführungen entnehmen zu können, dass Sie dafür plädieren. Eine Insolvenz des fast gesamten Bankensystems hätte zum Totalzusammenbruch der ganzen internationalen Volkswirtschaften geführt, Sie sehen das offensichtlich anders, das ist unser Dissens. Ich plädiere sehr wohl dafür, dass dies in Zukunft möglich ist, doch dazu gehört Regulierung. 1. Die Trennung von Geschäftsbanken von Investmentbanken. 2. Das Verbot des Eigenhandels und Zockens von Geschäftsbanken. 3. Notfalls die Zerschlagung von großen Investmentbanken, damit sie nicht mehr systemrelevant sind. Seien Sie versichert, ich finde Fälle wie vom LTCM keineswegs richtig sondern skandalös. Ich bin erstaunt, wieso Sie das von mir annehmen können. Aber um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, brauchen wir Regulierungen. Wir fordern seit Langem, dass jeder Trade mit 30% Eigenkapital hinterlegt werden muss und nicht mit 1%, wie es beim Long Term üblich war. 20% Eigenkapital wäre auch schon was. Auch die Vergütung der Manager gehört gesetzlich geregelt. Hier sollte der Bonusanteil auf keinem Fall den Festanteil des Gehalts überschreiten und vor allen Dingen brauchen wir neben dem Bonus auch den Malus. Eine alte Kernforderung unseres Börsenclubs ist, dass über die Vergütung der Manager in Einzelabstimmung auf der Jahreshauptversammlung verbindlich abgestimmt wird. Ich bin mir sicher, dass die Aktionäre dieser Abzockerei ein Ende machen würden. Die Selbstbedienung der Manager hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun, sondern ist Diebstahl an uns Aktionären. Aber insgesamt sehe ich auch, dass wir in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander sind. Es grüßt Sie Sigurt Perk
- Antwort von Alexander Hahn (17.03. 2010 02:03 Uhr):
- Kommentar von Geisler Hagen (16.03. 2010 18:08 Uhr):
Sehr gut Herr Hahn!
Antworten
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- Kommentar von Schafranek (16.03. 2010 18:36 Uhr):
......da kommt richtige Freude auf,wenn man sehen kann dass es Menschen gibt,die sehen können. Schafranek
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (16.03. 2010 19:07 Uhr):
Zum letzten Zitat: Dies gilt auch für Verbrecher und für den "Markt": Nur der Staat kann die Einhaltung der marktwirtschaftlichen Regeln (keine Vermachtung des Marktes durch "illegale" Absprachen etc., also Verhindern "krimineller Vereingungen", durchsetzen. Leider ist aber "Klein-Michel", "der Politiker" und die Politik selbst in dieses Geschehen involviert und wird nach marktirtschaftlicher Theorie wie jeder um seinen Vorteil auch entgegen deren Normen kämpfen. Wir befinden uns also in einem grundsätzlich unlösbaren Dilemma, zumal es keine wirksamen Sanktionen gibt, da die Politik das entsprechende Recht selbst "passend" gestaltet. Wir kennen das Phänomen ganz allgemein auch als "Doppelmoral" und sollten uns auch sehr persönlich fragen, ob wir selbst uns im Zweifelfall unter allen Umständen dem "Markt" unterwerfen würden, z. B. wenn wir krank sind und die Behandlung nicht bezahlen Können. Bei allen Überlegungen sollten wir uns bewusst machen, dass auch das marktwirtschaftliche nur ein notwendig unvollständiges Modell der unfassbar komplexen Wirklichkeit ist und seine Verabsolutierung nichts als eine totalitäre Ideologie!
Antworten - Kommentar von Hubert Bleich (16.03. 2010 20:09 Uhr):
Seit einiger Zeit gibt es schon ein im Aufbau befindliches zweites Zahlungsmittel. Diese beständige Währung handelt im Interesse des Volkes und ist Gift für alle Regierungen. Darum wundert euch nicht, wenn ihr einmal darüber schlechte Kritiken hört.
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (17.03. 2010 02:07 Uhr):
HubertBleich: Keiner der ganzen Schuldenpolitiker möchte natürlich konkurrierende Währungen sehen, denn dann hören die Defizitorgien früher oder später ganz schnell auf und man kann sich keine Wahlgeschenke mehr auf Pump kaufen. Dann wiederum würden die ganzen Fehler und Probleme der bisherigen Politik sichtbar und die Bevölkerung würde sicher einige unbequeme Fragen stellen... Dementsprechend natürlich auch sofort das öffentliche 'Zerreißen' derartiger 'abstruser' Gedanken... Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (17.03. 2010 02:07 Uhr):
- Kommentar von Hubert Bleich (16.03. 2010 20:34 Uhr):
haben Sie auch schon von der Sparerzwangsabgabe gehört? 20% aller Sparanlagen sollen zur Tilgung der US-Kreditpapiere an den Finanzminister gehen! Und ich hatte schon Angst, dass dies wieder eine neue Steuer ist. Da bin ich ja beruhigt...
Antworten - Kommentar von Adolescent (16.03. 2010 21:23 Uhr):
DANKE !!!! Es gibt noch HOFFNUNG auf diesem Kontinent! Vielen Dank für diese Veröffentlichung! MfG ein Libertärer Österreicher
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