Darf ein Unternehmer in seiner Firma spekulieren?
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 8. Februar 2012, 16:00 Uhr
ENL5454
nachdem wir uns in den letzten beiden Tagen die COT-Daten aus Sicht der Rohstoffproduzenten und aus Sicht der Spekulanten angesehen haben, möchte ich heute die Frage erörtern, welche Erkenntnisse ein produzierender Gewerbebetrieb aus diesen COT-Daten gewinnen kann.
Darf ein Unternehmer spekulieren?
Eingangs möchte ich erwähnen, dass der Unternehmer einer Vielzahl von Risiken aus dem Devisen-, Rohstoff- und Zinsumfeld ausgesetzt ist, die seine Kalkulation mittel- und unmittelbar beeinflussen können. Die Managementleistung besteht darin, mögliche Risiken zu identifizieren und abzusichern, insbesondere wenn die Risiken dem Gesellschaftszweck zuwiderlaufen.
Innerhalb einer börsennotierten Aktiengesellschaft hat der Vorstand zusätzlich noch Auflagen nach dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz, kurz KonTraG, zu erfüllen und ein Risikomanagement zu installieren. In der Praxis ist das Riskmanagement direkt dem Finanzvorstand unterstellt oder als Stabsabteilung in der Aufbauorganisation verankert. In der Praxis müssen sich aber auch GmbH-Geschäftsführer zunehmend mit der Einrichtung eines Risikomanagements befassen. Sie werden von den Gesellschaftern zunehmend mit den Anforderungen des KonTraG konfrontiert, auch im Hinblick auf Schadenersatzforderungen.
So, das soll als kleiner Ausflug in die Juristerei genügen. Es war mir aber wichtig aufzuzeigen, dass das Thema nicht nur für Spekulanten und Anleger von Interesse ist, sondern auch für jeden Unternehmer, der sich neben den Risiken aus der Personal- und Warenwirtschaft auch mit den Einflussfaktoren der internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte befassen muss.
Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Er sollte grundsätzlich nicht spekulieren.
Absicherungsmöglichkeiten bieten zum einen die Versicherungen gegen Betriebsausfall und Ansprüche Dritter an (Betriebshaftpflicht). Die Rohstoff,- Zins- und Devisenmärkte bieten darüber hinaus Absicherungsmöglichkeiten gegen finanzielle Nachteile aus Rohstoffpreisschwankungen, aber auch aus Devisenkursschwankungen und Zinserhöhungen.
Nehmen wir einmal an, Sie brauchen in den nächsten 2 bis 3 Jahren ein größeres Firmengrundstück und wollen Ihren Maschinenpark erweitern. Dann sollten Sie sich rechtzeitig gegen steigende Zinsen absichern, damit Ihre Investitionspläne nicht unnötig gestört werden.
Oder Sie importieren elektronische Bauteile aus Japan und müssen verbindliche Angebote kalkulieren. Die Kalkulationsgrundlage hat sich für Importeure von Monat zu Monat verschlechtert, weil der japanische Yen gegen Euro immer teurer wurde. Schon bei der Angebotsabgabe sollte der Importeur also auf die Chartsignale achten und in diesem Fall Yen per Termin kaufen, damit seine kalkulierten Gewinne nicht durch einen steigenden Devisenkurs aufgezehrt werden.
Zum zweiten Teil von: Aktuelles Beispiel Kupfer