CPI nach John Williams
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 25. Mai 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Sehen Sie sich folgenden Chart an:
Quelle: shadowstats.com (Courtesy of ShadowStats.com)
In rot sehen wir hier die Entwicklung des offiziellen CPI-U. In blau die Entwicklung des SGS Alternate CPI, wie ihn John Williams berechnet. Erschreckend, nicht wahr?! Nach John Williams liegt die aktuelle jährliche Inflationsrate in den USA nicht, wie offiziell ausgewiesen, bei 3,2% (April), sondern bereits bei über 10%.
Doch wie erstellt Williams den SGS Alternate CPI eigentlich?
Beim Pre-Clinton-Era-CPI nimmt Williams - ich sage einmal lapidar - die geometrische Gewichtung heraus. Doch beim alternativen CPI bereinigt Williams den CPI nicht nur um die geometrische Gewichtung, sondern auch um die früheren Methoden zur Modifikation.
Sie erinnern sich: letzte Woche schrieb ich, dass bereits seit Beginn der 1980er Jahre Modifikationen und Qualitätsbereinigungen bei der Berechnung des CPI eingesetzt werden.
Hierzu zählt unter anderem die Umstellung auf den Eigenmietwert für den Preis des Wohnens im Eigenheim und zwar gemessen an der Entwicklung der Mieten für vergleichbare Wohnobjekte. Diese Modifikation wurde 1983 als wohl eine der frühesten eingeführt. Zuvor dienten sowohl die jeweiligen Immobilienpreise als auch die Kapitalkosten als Maßstab. (Hübsch nicht?! Hilft sicher, wenn die Mieten stagnieren, aber die Immobilienpreise - z.B. während einer Blase, wie früher - explodieren. ;-) )
Nun, wie gesagt, Williams berechnet seinen Alternate CPI also nicht nur indem er um den Einfluss der geometrischen Gewichtung bereinigt, sondern auch indem er die vorhergehenden methodischen Veränderungen aus der Berechnung heraus nimmt.
Man könnte also sagen: John Williams berechnet seinen SGS Alternate CPI auf der Grundlage der Methoden aus dem Jahre 1980.
Ist das Ergebnis nicht beeindruckend?
Am Ende stellt sich vielleicht die Frage...
...warum die Offiziellen eine niedriger ausgewiesene Inflationsrate - so wir Bösen dies unterstellen wollen ;-) - überhaupt favorisieren?
Nun, zum einen wirkt sich diese natürlich direkt auf die ausgewiesene Wachstumsrate aus. Und tatsächlich, sehen wir uns folgende Tabelle der OECD an...
...weist die BIP-Wachstumsrate der USA in den Jahren nach den massiven CPI-Modifikationen eine deutlichere Stärke auf.
Hups, da ist die USA im Vergleich zur EU aber ganz schön stark gewachsen! Kommt Ihnen das auch seltsam vor?!
Nun der Bundesbank kam es jedenfalls wohl seltsam vor. Wussten Sie, dass die deutsche Bundesbank im Monatsbericht vom August 2000 darauf hingewiesen hat, dass das deutsche reale BIP des Jahres 1998 um 1,75 % höher gelegen hätte, wenn man den amerikanischen Deflator anstelle des deutschen verwendet hätte?!
Nun ja, das ist das eine. Zum anderen aber erhält man mit einer niedrigen Inflationsrate auch die Möglichkeit die Zinsen über einen längeren Zeitraum schön tief zu lassen (das wusste schon der liebe Onkel Greenspan und das weiß auch Häuptling Bernanke)! Ich glaube, mehr muss ich zu diesem Aspekt gar nicht sagen! Wir kennen schließlich mittlerweile alle die Vergangenheit mit tiefen Zinsen, großen Blasen, Knall und die Gegenwart mit tiefen Zinsen, großen Hoffnungen und was immer da noch kommen mag!
So long liebe Leser....das wars für heute wieder einmal...ich hoffe der serielle Ausflug in die Welt der Möglichkeiten zur Veränderung von Verbraucherpreisstatistiken hat Ihnen ebenso viel Spaß gemacht wie mir...vergessen Sie bitte nie, sich immer wieder zu sagen (ich weiß, der Ausspruch wird fälschlicherweise Winston Churchill zugeschrieben): Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe!...;-) ...bis morgen und liebe Grüße..
Ihre Miriam Kraus

