Covered Calls und Dividendentitel
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 6. August 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
wie angekündigt, schildere ich Ihnen heute die zweite Handelsstrategie. Hierbei geht es um den Einsatz von Covered Calls auf stabile Dividendentitel.
Im Prinzip lässt sich diese Vorgehensweise relativ einfach erklären.
Nehmen wir doch einmal ein Beispiel (keine Trading-Empfehlung, nur zur Veranschaulichung):
Lassen Sie uns Kinder Morgan Partners (KMP) betrachten, einen Pipeline-Betreiber in den USA. Die Aktie von KMP steht zum Zeitpunkt des Verfassenes dieses Newsletters bei $52.77 und wirft zur Zeit eine Dividende von ca. 7.9% pro Jahr ab.
Gleichzeitig ist die Aktie optionierbar, d.h. es ist möglich, Optionen auf diesen Titel zu handeln. Die Call-Option mit Ablauf im September 2009 und Strike-Preis $52.50 notiert im Moment gerade bei ca. $1.6, also einem Preis von $160.
Die Idee ist nun folgendes: Wenn Sie der Meinung sind, dass (in unserem Beispiel) KMP ein Investment ist, dass Sie durchaus auch bereit wären, länger (d.h. für vielleicht sogar ein paar Jahre) zu halten, kaufen Sie sich den entsprechenden Titel jeweils im 100er Pack und verkaufen direkt einen Call dagegen, der mind. 4 Wochen, jedoch max. 8 Wochen Restlaufzeit hat und vom Strike Preis her im bzw. am Geld ist (d.h. nahe an dem Preis, den die Aktie gerade hat).
Was kann nun passieren? Sehen wir uns das Beispiel nochmals an:
Ein Kauf von 100 Stück KMP-Aktien führt zu einer aufzuwendenden Summe von $5277. Der Verkauf des Calls gegen die Aktie führt dazu, dass $160 eingenommen werden, also der Einstandspreis um $1.6 reduziert wird. Die effektiv zu zahlende Summe beträgt also $51.17 pro Aktie.
Was kann nun passieren?
Szenario #1: KMP schließt über der Strike Schwelle
Sie sind gezwungen, die 100 Aktien für $52.50 abzugeben. Dies bedeutet, dass Sie $133 Gewinn in ca. 6 Wochen gemacht haben. Auf Ihren Handel entspräche dies ca. 2,6%. Annualisiert wären dies bei angenommenen 6 Wochen durchschnittlicher Haltezeit und 52 Wochen im Jahr immernoch knapp 25%.
Szenario #2: KMP schließt genau auf der Strike Schwelle oder darunter
Sie behalten die 100 Aktien KMP und haben Ihren Einstandspreis von $52.77 auf $51.17 verbilligt und können das Spiel mit einem entsprechend niedrigeren Strike-Preis wiederholen. Während Sie dies tun, werden Sie durch die Dividende für das Halten der Aktie bezahlt.
Ihr Einstiegspreis sinkt somit immer weiter, während Sie gleichzeitig saftige Dividendeneinnahmen verbuchen.
Problemszenario bzw. "Wo ist der Nachteil"?
Natürlich kann Ihnen auch folgendes passieren: Denken wir einmal an 2008 zurück. Ihre Aktie fällt mit dem Markt plötzlich extrem in den Keller. Unten angekommen, wenden Sie die Covered Call Methode an und Ihre Position wird abgerufen. Sie enden mit Verlust.
In solch einem Fall macht es natürlich wenig Sinn, am Boden Covered Calls zu verkaufen. Da Sie ja aber von der fundamentalen Qualität Ihrer Aktie überzeugt sind, macht es hier mehr Sinn, die Position zu erweitern, und dann bei Anzeichen von Überkauftheit wieder mit den Covered Calls zu beginnen (oder eben einen Teil der Position mit Gewinn abzustoßen). Somit reduzieren Sie Ihren Einstandskurs gewissermaßen doppelt. Einmal durch den gewinnbringenden Teiltrade (d.h. dem Zukauf, wenn Sie die beiden Trades als gemeinsame Position betrachten), das andere Mal durch die erneute Nutzung von Covered Calls - und die stabile Dividende fließt die ganze Zeit weiter in Ihren Geldbeutel.
Dazu kommt, dass solide Dividendenaktien sich meist schneller erholen als weite Teile des Gesamtmarkts.
Ohne Risiko ist diese Strategie natürlich auch nicht, aber mit Covered Calls und großen und stabilen Dividenden können Sie zwei mächtige Mittel miteinander vereinen, die stark für Sie arbeiten.
M.E. ist das weit spannander als das reine Halten von Dividendentiteln, was unwissende Privatanleger oft betreiben (und somit nicht unerhebliche Summen auf dem Tisch liegen lassen anstatt sie einzustecken).
Und allzu schwer ist diese Strategie für Anfänger im Optionsbereich mit ein wenig Übung auch nicht.
Beste Grüße und viel Erfolg,
Alexander Hahn