COT Daten interpretieren und verstehen lernen
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 7. Juli 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Jeden Sonntag veröffentlicht die U.S. Commodity Futures Trading Commission CFTC (www.cftc.gov) in der Rubrik Market Reports die sogenannten COT-Daten. Das sind Daten der US-Rohstoff- und Finanzkontraktbroker über offene Positionen von Termingeschäften (Futures und Optionen), die long/short über Nacht gehalten werden. Diese Commitments of Traders unterscheiden drei Anlegerkategorien: Produzenten (Commercials), große Spekulanten (large Speculators) und kleine Spekulanten (small Speculators). Die CFTC stellt außerdem maschinenlesbare Datenreihen ab dem 13. Juni 2006 für statistische Auswertungen zur Verfügung
Die Besonderheiten der drei Anlegergruppen
Der COT-Report gibt Aufschluss darüber, was Spekulanten kaufen und Produzenten verkaufen
Wer als Betreiber einer Mine, Züchter von Rindern oder Getreidefarmer Güter produziert, darf sich naturgemäß als (legaler) Insider dieser Branche betrachten. Diese Personengruppe, die auch als Commercials bezeichnet wird (Chart, blaue Linie), verfügt über ein hohes Maß an Branchenkenntnissen, wie zum Beispiel Produktionsmenge der gesamten Branche und Verbrauchsgewohnheiten der Konsumenten. Sie weiß aber auch, wie sich Anbauflächen entwickeln und wie sich das Wetter auf Aussaat und Ernte und damit den Preis einer Ware niederschlägt. Kurzum, jede Ware hat ihre Besonderheiten und die Marktkenntnisse der Commercials hinterlassen Spuren an den Börsen, an denen sie sich langfristig gegen Kursschwankungen absichern und ihre Ware auf Termin verkaufen. Produzenten sind deshalb naturgemäß meist short im Markt. Produzenten müssen nicht an der Börse long gehen, um auf steigende Preise zu spekulieren, sie gewinnen, indem sie ihr Angebot bei steigenden Preisen am Markt vergrößern, investieren und die Produktion ausweiten. Manchmal haben auch die Banken ein Wort mitzureden, wenn es darum geht, wann und wie abgesichert wird. Zum Beispiel dann, wenn sie einem Explorer Geld für seine Gold- oder Silbermine geben. So haben die Geldgeber ein Interesse an stabilen Verkaufserlösen, was einen Terminverkauf des Edelmetalls auslöst, das erst noch gefördert werden muss. Bei den großen Spekulanten (Future-Fonds) finden wir häufig die Gegenposition auf der Longseite. Wenn sie auf steigende Preise setzen, müssen sie an der Börse long gehen. Ist der Produzent mit dem Preisniveau einverstanden, treffen sich beide Parteien über die Parameter Menge und Preis. Die Differenz zwischen großen Spekulanten und Commercials sind die offenen Positionen der Kleinspekulanten (grün).
Zum zweiten Teil von: Der aktuelle COT-Chart vom Gold