Conti und Schaeffler: Einigung bei Nacht und Nebel
Cindy Bach in Insider Daily
vom 21. August 2008, 10:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der heutige Börsentag dürfte den Anlegern in der Continental-Aktie gehören. Manfred Wennemer gibt in der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag in der Übernahmeschlacht um seinen Konzern klein bei und wirft das Handtuch.
Wie Continental heute am frühen Morgen in einer Pressemitteilung erklärte, schloss das Unternehmen nach einigen Wochen des Tauziehens eine weitreichende Investorenvereinbarung" mit der Schaeffler Gruppe ab. Zwar ist es kein Sieg für Continental. Doch Conti hat ein akzeptables Alternativ-Ergebnis erreicht, mit einigen Zugeständnissen von Seiten des Herzogenauracher Familienunternehmens. So soll Schaeffler sich verpflichtet haben, den Angebotspreis von 70,12 Euro auf 75 Euro je Continental-Aktie zu erhöhen. Darüber hinaus habe Schaeffler zugesagt, das Engagement bei Continental innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken.
Zudem verpflichtete sich Schaeffler zu einem Risikoausgleich bis zu einer Höhe von insgesamt 522 Mio. Euro für Verluste etwa steuerlicher Art, die im Zuge der Übernahme entstehen könnten. Eine in Hannover befürchtete Zerschlagung des Automobilzulieferers soll es also nicht geben.
Schaeffler am Ziel seiner Wünsche
Und auch in Herzogenaurach dürfte man mit dem Ergebnis der Vereinbarung zufrieden sein. Eine vollständige Übernahme hatte man ohnehin nicht angestrebt. Dennoch kann sich der neue Investor nach den harten Verhandlungen beim wesentlich größeren DAX-Konzern am Ziel wähnen - man hat künftig bei der Conti das Sagen. Für die Wahrung der Interessen aus dieser Investorenvereinbarung soll Continental keinen geringeren gewonnen haben, als Exbundeskanzler Gerhard Schröder. Zugleich gab Continental Veränderungen im Vorstand des Unternehmens bekannt. Vorstandschef Manfred Wennemer tritt zurück. Er habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn zum 31. August von seinem Amt zu entbinden. Der Aufsichtsrat habe dieser Bitte zugestimmt.
Der 60-jährige Unternehmenschef hat für seinen Konzern das Bestmögliche aus dieser Situation herausgeholt, will nun erhobenen Hauptes" aus der Führung aussteigen. Es war die Herausforderung seines Lebens, aber in dem neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte von Conti, sieht er für sich keinen Platz mehr. Er macht Platz für den Conti-Nachwuchs" im Vorstand. Als mögliche Favoriten gelten die Conti-Vorstände Alan Hippe (41) und Karl-Thomas Neumann (47).
Was macht nun die Conti-Aktie jetzt?
Die Conti Aktie notiert aktuell rund 0,6 Prozent über ihrem Schlusskurs vom Mittwoch von 73,49 Euro bei 73,91 Euro.
Der Aktienkurs wird wohl in den nächsten Tagen auf den gebotenen Preis von 75 Euro steigen, dann aber wieder nachgeben bis es weitere Informationen zu möglichen Synergien aus dem Zusammenschluss gibt.
Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Donnerstag.
Ihre
Cindy Bach
