Conergy:Nemax50 lässt grüßen
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 27. April 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
vor knapp 18 Monaten wurden allerlei Analysen aus den Jahren 2002 und 2003 hervor gekramt, die dem DAX eine sehr lange Durststrecke attestierten und es ausschlossen, dass der Höchststand von 8.000 Punkten vor dem Jahr 2010 auch denkbar sei. Wie wir alle wissen, es kam anders. Ein ähnliches Phänomen scheint sich in negativer Hinsicht beim TecDAX im Vergleich mit seinem Vorgänger, dem Nemax 50 abzuspielen. Mit der Neukonzeption des TecDAX wollte die Deutsche Börse einige „Betriebsunfälle" beim Nemax 50 vergessen machen. Erinnert sei nur an den Produzenten von sogenannten digitalen fernsehempfangsboxen, Metacom oder an das Unternehmen Comroad, dass über Aufträge aus Asien berichtete, dies es nie gab. Der Nemax 50-Index war nach dem Niedergang des Internetsektors 2003 als „Zocker-Index" verschrien. Um zum einen Unternehmen aus den Zukunftsindustrien wieder eine ehrbare und anerkannte Plattform zurückzugeben und zum anderen nicht auf attraktive Umsätze verzichten zu müssen, beerdigte die Deutsche Börse den Nemax 50 Anfang 2003 und kreierte den TecDAX. Die Werthaltigkeit des neuen Index sollte neben strengeren Aufnahmekriterien vor allem in der Verkleinerung seines Umfanges zum Ausdruck kommen. Statt 50 Werten wie beim Nemax50 gehören dem TecDax deshalb nur noch 30 Werte an. Ging die Rechnung der Deutschen Börse in der nachhaltigen Erholung der Aktienmärkte noch auf, zeigen sich aktuell wieder ähnliche Probleme wie bei der Erosion des Nemax50.
Das Puschen von „Penny-Aktien"
Die starken Kursverluste des vergangenen Jahres haben auch deutliche Spuren beim TecDAX hinterlassen. Mittlerweile notiert die Hälfte der Werte nur noch einstellig, drei Titel unterhalb von 2 Euro. Wie zu den schlechtesten Zeiten des Nemax50 ist vor allem bei den optisch günstig bewerteten Aktien eine verstärkte Volatilität festzustellen. Während in normalen Börsenzeiten Kurssprünge von fünf Prozent und mehr schon Aufmerksamkeit erzeugen, sind Kursgewinne und -verlust von 10 Prozent und mehr an einem Tag aktuell keine Seltenheit. Gefördert wird die damit verbundene Unsicherheit bei der Bewertung dieser Aktien vor allem durch den Rückzug des Bankenresearchs, dass in schwachen Börsenzeiten dem Rotstift zum Opfer fällt, der Krise der Bewertungsagenturen wie Standard & Poors oder Moody's und dem Abbau der Unternehmenskommunikation durch die betroffenen Firmen. Von Dritten in die Welt gesetzte Gerüchte und Pseudo-Nachrichten bahnen sich so leichter ihren Weg zu Anlegern und Investoren. Der Boden für ein wildes Spekulieren in fundamental kaum noch zu bewertende Aktien ist bereitet.
Conergy wäre ohne Börsennotierung vielleicht besser gefahren
Die Entwicklung des Börsenkurses von Conergy könnte als kleine „VW-Aktion" in Erinnerung bleiben. Wenn ein Unternehmen wie das des Herstellers von Solarmodulen von Monat zu Monat seine Absatz-und Umsatzziele deutlich verfehlt, das Führungspersonal immer häufiger ausgetauscht wird und die jüngsten Jahresabschlüsse nicht mehr ordentlich zusammenbekommt, dann brennt die Luft. Welche nach außen hin auch immer kommunizierte Hoffnung hinter dem Kursanstieg von 34 Cent auf fast 2 Euro innerhalb von knapp drei Wochen gestanden hat, einen seriösen Hintergrund gab es dafür nicht. Viele Firmen aus dem Bereich der neuen Technologien sind für das zyklische Börsengeschäft nicht geschaffen. Sie profitieren zwar in guten Zeiten überdurchschnittlich vom Aufschwung, verlieren aber häufig in schlechten Zeiten die Grundlagen ihrer Existenz, weil sie dem gnadenlosen Bewertungswettlauf an der Börse nicht stand halten können. Während die Banken und Wirtschaftsprüfer dies aber eigentlich schon vorher absehen könnten, glauben Privatinvestoren immer wieder an die Verheißungen von den schnellen Erfolgen. Am Ende ist aber nur ein gutes Geschäft für wenige, die Mehrheit der Anleger wäre mit E.ON oder Siemens besser gefahren.
Börse gibt Hoffnung auf
Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Kapital an der Börse. Wo sie verloren gegangen ist, kostet es viel Geduld und Kreativität sie zurück zu gewinnen. Während es in unserem Wirtschaftssystem deshalb immer ein Zurück für den Bankensektor gibt (auch wenn es diesmal länger dauern wird als vor acht Jahren) müssen Privatunternehmen häufig erkennen, dass ihnen dieser Weg versperrt bleibt. Im Falle von Conergy lässt sich heute schon aus dem Chart das Ende ablesen. Das Unternehmen hat seine Glaubwürdigkeit mit den dramatischen Kursstürzen im Oktober und November 2008 verspielt. Eine deutliche Erholung des Aktienkurses jenseits der 2-Euro-Marke wäre nur denkbar, wenn es eine Rettung von außen gäbe. Da der Staat als Investor kaum in Frage kommen dürfte, tritt für die Wettbewerber die Frage nach der Finanzierung auf. Unter den gegenwärtigen Umständen wird sich wohl kaum ein Bankenkonsortium finden, dass eine Finanzierung bei Conergy übernehmen würde. Da der Zeitfaktor aber eine erhebliche Rolle spielt, laufen die noch investierten Anleger aber Gefahr auch noch den wenigen Rest ihres Kapitals zu verlieren. Käme es bei Conergy zur Insolvenz, wäre das Zukunftssegment der Deutschen Börse um eine weitere negative Erfahrung reicher. Zumindest für Chart-Techniker ist die Aktie Geschichte. Eine seriöse Analyse, geschweige denn eine Kursprognose für die nächsten Wochen lässt sich aus diesem Chart nicht ableiten.
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