Conergy und die „Knospe der Hoffnung“
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Dezember 2010, 14:30 Uhr
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wie titelte ich letzte Woche noch über deutsche Solarkonzerne: "Totgesagte leben länger". Und tatsächlich: Mitten im größten Schneechaos bricht für den Solarkonzern Conergy die Knospe der Hoffnung auf. Die Gefahr des Konkurses ist zunächst gebannt.
Nach monatelanger zäher Verhandlung einigte sich der Solarkomponenten-Hersteller mit seinen Kreditgebern auf eine neue Finanzstruktur. Diese sieht unter anderem einen Kapitalschnitt und eine anschließende Kapitalerhöhung vor. Ein Teil der Verbindlichkeiten soll dabei in Eigenkapital verwandelt werden.
Die Schuldenlast soll deutlich sinken. 188 Mio. Euro will man in Hamburg abtragen. Die verbleibende Kreditlinie von 135 Mio. Euro sei für vier weitere Jahre zu "marktüblichen Konditionen" vereinbart worden. Wichtig: Damit sinken die Zinsbelastungen für Conergy, die in den vergangenen Jahren den Gewinn massiv belasteten.
Zahlen letztendlich die Aktionäre die Zeche?
Zugleich wird das Grundkapital von 400 Mio. auf nur noch 50 Mio. Euro gesenkt. Anschließend soll es eine Kapitalerhöhung von bis zu 188 Mio. Euro geben. Dabei haben die bisherigen Aktionäre ein Bezugsrecht. Mit den Erlösen soll ein Teil der Kredite bezahlt werden. Der Haken: Die Aktionäre zahlen mit dieser Regelung die Zeche. Denn entweder wird ihr Anteil verwässert oder sie schießen neues Geld ins Unternehmen. Sollten die Bezugsrechte nicht ausgeübt werden, sind einige Kreditgeber den Angaben zufolge bereit, die Kreditforderungen von bis zu 188 Mio. Euro als Sacheinlage einzubringen und im Gegenzug Aktien zu übernehmen. Diese Kreditgeber sind die beiden Hedgefonds, die bereits Kredite zahlreicher Banken übernommen hatten.
Nach dem diese die Kredite zahlreicher Banken übernommen hatte, saßen sich in den Verhandlungen zum Schluss nur noch wenige Gläubigerbanken unter der Führung der Commerzbank und die beiden Hedgefonds gegenüber. Sie mussten noch vor Weihnachten eine Lösung finden. Denn am 21. Dezember hätten die Gläubiger ihre Forderungen fällig stellen. "Diese Einigung ebnet den Weg für einen Neubeginn und sichert Conergys finanzielle Zukunft langfristig", sagte Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf. "Am Ende der jetzt eingeleiteten Bilanzrestrukturierung wird eine neue Conergy stehen."
Die Skepsis bleibt
Seit drei Jahren kämpft Conergy um seine Existenz. Ich erinnere mich noch genau daran wie das Debakel los ging. Ich hatte nämlich gerade als "Insider Daily"-Chefredakteurin begonnen. Nun will Conergy erstmals seit seiner Fast-Pleite 2007 im Gesamtjahr 2010 operativ wieder einen Gewinn erzielen.
Doch so mancher Experte sieht diese Rettung als einen "Tod auf Raten". Die WestLB beispielsweise sieht die Einigung mit den Fremdkapitalgebern über eine Schuldenneuordnung skeptisch. Zwar sinke die Verschuldung des Solarunternehmens deutlich, doch werde aufgrund der Umwandlung der Schulden in Eigenkapital (Debt-to-Equity-Swap) letzteres stärker verwässert als erwartet, schrieb Analyst Peter Wirtz. Der WestLB-Experte sah sich demnach gezwungen, den TecDAX-Wert von "Neutral" auf "Sell" abzustufen und das Kursziel auf 0,45 Euro zu senken.
Für Conergy bedeutet diese Entwicklung aber vor allem eines, dass man sich endlich wieder auf das normale Tagesgeschäft konzentrieren kann. Und damit darf man an der Alster auch gleich anfangen, denn einer Meldung des Portals "4investors" zufolge, hat Conergy einen neuen Großauftrag aus Asien erhalten. Man wird mit hauseigener Systemstechnik einen Solarpark mit 2,4 Megawatt Leistung errichten. Die Anlage wird in Thailand 155 km nördlich von Bangkok gebaut. Na dann, „Frohe Weihnachten" nach Hamburg.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach