Commerzbank: Abwärtsspirale dreht sich weiter
Cindy Bach in Insider Daily
vom 14. April 2011, 14:30 Uhr
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keine andere deutsche Bank ist aktuell so oft in den Schlagzeilen der Presse zu finden wie die Commerzbank. So richtig in Fahrt kam der Wirbel vergangene Woche mit der Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung. Dafür plante die teilverstaatlichte Bank die Ausgabe einer Pflichtwandelanleihe in Milliardenhöhe. Mit den Einnahmen will sich die Commerzbank von der staatlichen Beteiligung frei kaufen, die sie während der Finanzkrise in Form einer stillen Beteiligung des Bundesrettungsfonds Soffin in Höhe von knapp über 16 Mrd. Euro vor dem Aus rettete. Davon sollen Ende Juni noch 1,9 Mrd. Euro übrig sein.
Eine große Aufgabe, welche sich die Commerzbank da gestellt hat. Insgesamt 11 Mrd. Euro plant die Commerzbank nun bis zum Sommer am Kapitalmarkt einzusammeln. Eine Option soll die Ausgabe der Pflichtwandelanleihe sein. Doch zunächst sah dieser Schachzug nach einer echten Pleite aus. Es machten Gerüchte auf dem Börsenparkett die Runde, die Nachfrage nach der Anleihe sei nicht besonders groß. Das belastete die Aktie erneut, nachdem diese seit Ankündigung der Kapitalerhöhung bereits fast 20% verloren hatte. Wie das teilverstaatlichte Institut jedoch gestern nach Börsenschluss bekannt gab, am späten Mittwochabend mitteilte, habe es statt der erwarteten max. 3,4 Mrd. Euro nun doch 4,3 Mrd. Euro durch die Platzierung dieser Wandelanleihe eingenommen. Ein positiver erster Schritt im Rahmen der Mega-Kapitalerhöhung. Nach der auf den 6. Mai vorgezogenen Hauptversammlung sollen die Papiere dann in Commerzbank-Aktien getauscht werden soll.
Der Erfolg der Platzierung der Wandelanleihe wurde von den Börsenakteuren heute jedoch nur kurzzeitig gefeiert. Das Papier konnte sich zunächst etwas erholen. Im frühen Handel stieg der Kurs bei relativ hohen Umsätzen bis auf 4,82 Euro. Doch gegen Mittag sackte die Aktie erneut ab. Aktuell liegt sie knapp 1% im Minus bei 4,65 Euro.
Die Abwärtsspirale dreht sich also weiter. Die wichtige Unterstützung bei 5,00 Euro hat nicht gehalten.
Analysten reagieren gemischt auf den Anleiheerfolg
Wie einem Bericht der dpa zu entnehmen war fiel auch die Reaktionen der Marktexperten auf die Anleihe-Platzierung eher gemischt aus. Michael Rohr, Analyst von Silvia Quandt Research, habe den Platzierungspreis als enttäuschend bezeichnet. Zudem hätten nur 22% der Altaktionäre der Commerzbank von ihrem Bezugsrecht für die Anleihe Gebraucht gemacht. Das spreche für eine geringe Akzeptanz der Altaktionäre. Beim noch verbleibenden Kapitalbedarf von 5,3 Mrd. Euro und einem angenommenen Bezugspreis unter 3,00 Euro dürften 1,828 Mrd. neue Aktien ausgegeben und der Gewinn um 42% verwässert werden. Rohr senkte deshalb sein Kursziel von 5,60 auf 5,20 Euro und trägt damit insbesondere dem gesunkenen Buchwert nach der Anleihe-Platzierung Rechnung. Sein Votum lautet "Neutral".
Die Landesbank Berlin hat das Kursziel für Commerzbank deutlich von 5,20 auf 4,50 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Verkaufen" belassen. Analyst Constantin Rohrbach rät Anlegern, die Anleihe nicht zu zeichnen, da der Kurs der Commerzbank-Aktie zunächst weiter fallen dürfte.
Philipp Häßler von Equinet blieb indes bei seiner Einschätzung und bestätigte seine "Akkumulieren"-Empfehlung für Comemrzbank-Papiere mit einem Kursziel von 7,20 Euro. Auch wenn die Pflichtanleihe etwas weniger als die erwarteten 4,50 Euro je Anteil gebracht habe, sei der Kursabschlag von 20% seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung insgesamt eine positive Entwicklung. Er hält die Commerzbank nach wie vor für ein Kerninvestment vor dem Hintergrund der Restrukturierung des europäischen Bankensektors. Zudem sollte die Bank weiter von der Wirtschaftserholung in Deutschland profitieren.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Edelburg Welker (14.04. 2011 16:20 Uhr):
Dann kann sich der Vorstand aus der Beschränkung, nur T€ 500 p.a. verdienen zu dürfen, endlich befreien und sich wieder mit einen Vielfachen dessen die Taschen vollstopfen!
Antworten - Kommentar von Boehmke (15.04. 2011 08:55 Uhr):
Kapital- und Vermögensvernichtung durch Managementfehler, so könnte das Commerzbank Desaster beschrieben werden. 2 Mrd. Aktien sollten einmal bewusst aufgeschrieben werden und dann der zu erwartende Gewinn geteilt werden. Ich wüsste nicht, wie sich das rechnen soll. Es hätte halt 5 bis 7 Jahre gedauert, bis die Staatshilfe zurückgezahlt worden wäre. Und? Wer es verbockt soll es auch bezahlen. Auf der HV sollte dem Vorstand die Entlastung verweigert werden, da alle Maßnahmen auf dem Rücken der Aktionäre ausgetragen werden.
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